Herzblatt-Geschichten

Sie trinken sich die Ehe schön

Von Jörg Thomann
07.11.2021
, 12:43
Baby an Bord: Christin Stark und Matthias Reim bei Silbereisen
Warum sind Prinzessinnen permanent schwanger? Und funktioniert eine Ehe besser, wenn man viel schläft – oder viel Alkohol konsumiert? Die Herzblatt-Geschichten.
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Wohl nirgendwo auf der Welt finden sich mehr Wunschkinder als auf den Titelblättern der Klatschzeitschriften. Königinnen, Prinzessinnen, Sängerinnen, allesamt werden sie im Wochenturnus schwanger, weil die Schreiber sich das so wünschen, weil sie glauben, dass ihre Leser sich das so wünschen. Die Vorstellung, dass Frauen sich anderen Dingen widmen könnten als repräsentativ zu lächeln und nebenbei permanent Kinder zu gebären, scheint in diesen Kreisen noch nicht allzu verbreitet.

Dem Reproduktionsjournalismus sind keinerlei Grenzen gesetzt. Selbst eine Letizia von Spanien mit ihren 49 Jahren bekommt Woche für Woche nicht nur ein Kind, sondern gleich zwei, denn – das erklärt dann ein meist namenloser, sprich erfundener Mediziner – mit dem Alter steigt die Chance auf Mehrlingsgeburten. Wir können solche Sätze längst mitsprechen. Dass Letizia rank und schlank ist, davon darf man sich nicht täuschen lassen, denn in den ersten Wochen ihrer Schwangerschaft, auch das dürfen wir immer wieder lesen, nehmen Frauen oft ja auch ab.

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Die bessere Quote

Dass von all den angekündigten Kindern am Ende nur ganz wenige geboren werden, das zeugt von der – nennen wir es: Genügsamkeit der Klatschheftleserschaft. Das Verhältnis von vermeldeten zu tatsächlich geborenen Prinzessinnenbabys schätzen wir auf 10.000 zu 1, mindestens. Eine weit bessere Quote vorzuweisen hat da Matthias Reim: Der Schlagersänger bekommt, wie die Fachpresse akribisch protokolliert, sein siebtes Kind von der sechsten Frau. Wie Das Neue berichtet, genießt Reim „die Schwangerschaft seiner Frau: ,Christin schläft mehr als früher. Ich sitze dann bei einem Bier daneben – und bin glücklich.‘“ Ist ja für einen Herrn von fast 64 Jahren auch ganz schön, wenn die 32 Jahre junge Gattin eine Zeit lang mal nicht so hippelig ist. Doch aufgepasst: Wenn der Nachwuchs dann auf der Welt ist, hat es mit dem gemütlichen Biertrinken erst mal ein Ende.

Auch mal auf dem Trockenen: Camilla und Charles
Auch mal auf dem Trockenen: Camilla und Charles Bild: AP

Generell würden sich viele Paare vielleicht besser verstehen, wenn der Partner seltener wach wäre. Ein anderes Ehemodell für „ein friedvolles Miteinander“ leben laut Das Neue Charles und Camilla vor: Sie „haben einen Weg gefunden, ihre Beziehung erträglicher zu machen. Sie trinken sich ihre Ehe einfach schön.“ Auch diese Story ist logischerweise komplett ausgedacht, aber sogar mal auf ganz nette Weise: „,Cheers, Herzogin Promilla‘, lacht Charles vor dem knisternden Kamin.“ Zwar sagen die Engländer statt Promille alcohol level, womit sich kein albernes Wortspiel machen lässt, aber geschenkt: Wir wünschen Prinz Cheers und Herzogin Campari weiterhin frohes Picheln.

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Überglücklich im Privatjet

Kollege Fürst Albert von Monaco hat seine sechsjährigen Zwillinge derweil nach Glasgow mitgenommen. „Sonntag stiegen Gabriella und Jacques überglücklich in den Privatjet und reisten mit ihm zum Klimagipfel“, schreibt Bunte und zitiert den Fürsten mit dem Satz, er „glaube, dass ihre Teilnahme an der Reise viel Wert hat“. Und es ist bestimmt eine unvergessliche Erfahrung für die Kleinen, nicht nur so früh vom Klimawandel zu erfahren, sondern sogar aktiv dazu beitragen zu dürfen.

Carsten Maschmeyer durfte mit seinem Sohn schon dessen Hochzeit feiern – und es ist nicht sehr nett von Frau im Spiegel, neben das Bild von Maschmeyer, der mit zerzaustem Haar vorm hannoverschen Rathaus steht, zu schreiben: „Windig, aber glücklich.“ So ganz klar ist es nämlich nicht, ob sich das „windig“ hier auf das Wetter bezieht oder doch auf den Geschäftsmann persönlich.

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In die Irre geführt hat uns auch eine Schlagzeile der Bild-Zeitung: „Impf-Chaos bei Fritz Wepper – ,Mami wurde abgewiesen‘“. Erst haben wir uns gefreut, dass Wepper, 80, und anscheinend auch seine Mutter so gute Gene haben. Dann aber haben wir gelesen, dass die Frau, die für ihre Drittimpfung ein paar Tage zu früh dran war und die Fritz Wepper „Mami“ nennt, seine 77 Jahre junge Schwiegermutter ist. Da wünschen wir Mami und auch dem Schwiegersöhnchen, dass es beim nächsten Mal mit dem Booster klappt.

Seine echte Mami mit seinem ersten Roman vergrätzt hat Ken Follett: Sie habe das Buch sofort weggelegt, „weil auf der ersten Seite ein Schimpfwort stand. Meine Mutter war sehr konservativ“, erzählt er Bunte. Sie fing erst wieder an zu lesen, als er seine Bücher „gesammelt in gekürzter Version rausbrachte. Darin wurden alle schlimmen Wörter und jede Form von Sex rausgestrichen.“ Gewalt und hin und wieder ein paar Morde hingegen haben die Mutter anscheinend nicht gestört.

Moderatorin Andrea Kiewel, informiert uns Freizeitwoche, sortiert nicht nur ihre Kleider nach Farben, sondern auch ihre „Bücher nach Themen“ – eine Anregung, der wir gleich gefolgt sind. Wir konnten uns nur lange nicht entscheiden, ob Marcel Prousts „Suche nach der verlorenen Zeit“ thematisch besser ins Regal „Subjektivität der Wirklichkeitserfahrung“ passt oder in „Kritische Betrachtung der gehobenen französischen Gesellschaft des Fin de Siècle“. Am Ende haben wir es dann neben „Wir lernen die Uhr mit den Heinzelmännchen“ gestellt.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Thomann, Jörg
Jörg Thomann
Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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