Herzblatt-Geschichten

Schnucki-schnucki soll es sein

Von Jörg Thomann
Aktualisiert am 08.11.2020
 - 13:14
Gleich zückt er den Sauger: Stefan Mross und Anna-Carina Woitschack
Welcher Sänger ist der größte Saubermann des Schlagers? Hätte ein Beatle fast Bond gespielt? Und brauchen wir eigentlich Zahnpasta? Neue Herzblatt-Geschichten.

Als tobten nicht schon genug Konflikte auf dieser Welt, müssen wir im Echo der Frau nun auch noch dies lesen: Es gibt Zoff mit dem Mond. „Mit dem Mond“, entnehmen wir Fische-Geborenen nämlich unserem Horoskop, „kann es zu kleinen Differenzen kommen, die sich aber schnell wieder in Luft auflösen.“ Wie solche Differenzen mit dem Mond wohl ablaufen mögen? Wir stellen uns das in etwa so vor: Unvorsichtigerweise fragen wir ihn, ob er zuletzt wieder zugenommen habe, worauf er sich sehr schnell verfinstert. Und obwohl wir hoffen, dass er nur wieder mal so eine Phase hat, lässt er uns die ganze Nacht nicht schlafen.

Eher anstrengend stellen wir uns auch den Alltag mit Stefan Mross vor, der mit seiner Gattin Anna-Carina Woitschack mit einem Wohnmobil durchs Land fährt und, wie Das neue Blatt schreibt, Wert legt auf einen „gepflegten Haushalt“ – oder, wie Mross selbst formuliert: „Das muss schon immer schnucki-schnucki sein.“ Damit es schnucki-schnucki ist, muss zweimal am Tag „durchgewischt werden“, und Anna-Carina Woitschack verrät: „Er bügelt auch Handtücher!“

Auch die Morgentoilette verläuft nicht immer tiefenentspannt, wenn man sein Leben mit Mross teilt: „Denn der lauert schon um die Ecke, sobald sie sich ihre lange Mähne bürste, gibt Stefan mit einem Augenzwinkern zu: ‚Dass Haare fliegen, ist so, aber dann bin ich schon mit meinem Akkustaubsauger hinterher.‘“ Hoffentlich saugt er nur die ein, die nicht mehr am Kopf hängen, sonst kann das böse ziepen. Und vermutlich springt er, sobald sie aus dem Badezimmer raus ist, gleich selbst hinein, um alles zu desinfizieren und das Ende des Toilettenpapiers wieder hübsch ordentlich zu falten.

Wenn die Krümel verschwinden

Möglicherweise sollte Stefan Mross daher besser mit Nena zusammenleben, die laut Echo der Frau ebenso gern staubsaugt: „Die Entertainerin liebt das Gefühl, wenn die Brotkrümel plötzlich verschwinden. Früher sei es noch viel schlimmer gewesen. Da habe sie sogar extra Krümel verstreut ...“ Mit Nena an ihrer Seite hätten Hänsel und Gretel nie den Weg zurück aus dem Wald gefunden. Dass Stefan Mross auch extra gern Haare auf dem Boden verteilt, können wir uns nicht vorstellen, die machen beim Einsaugen auch kein so nettes Geräusch.

Wer sich weder bei Mross noch bei Nena wohlfühlen würde, das ist anscheinend die Leserschaft des Goldenen Blatts. Dieses nämlich überrascht in seiner Rubrik „Gut zu wissen“ mit der Frage: „Brauche ich überhaupt Zahnpasta?“ Wir lesen: „Oft denkt man, Zahnpasta sei ein unnötiges Utensil. Aber weit gefehlt.“ Und während Das Goldene Blatt nun ausführlich darlegt, dass Zahnpasta dabei hilft, Zahnbeläge zu entfernen, grübeln wir, ob seine Leserschaft wohl tatsächlich so eine lässige Einstellung zur Mundhygiene hat. Andererseits lassen sich dritte Zähne ja auch mit Tabletten reinigen, da braucht es dann gar keine Zahnpasta.

Eine andere Körperregion ist Sängerin Romina Power wichtig: „Natürlich wäre es schön, manchmal eine Schulter zu haben, an die ich mich anlehnen könnte“, erklärt sie im Neuen Blatt. „Aber an der Schulter hängen eben noch eine Menge anderer Sachen dran.“ Stimmt, zum Beispiel ein Arm, ein Rumpf, letztlich halt ein ganzer Mann. Schultern einzeln gibt’s in der Regel nur beim Metzger, vom Lamm etwa oder vom Schwein, aber zum Anlehnen taugt das nicht wirklich gut.

Am Tresen mit Sean Connery

Ist man vom Partner getrennt, hat das aber auch, wie Gala weiß, sein Gutes: „Mit jedem Partner lernen wir uns selbst besser kennen, und nach jeder Trennung sehen wir klarer, was nicht ins eigene Leben gehört.“ Von daher kennen sich umtriebige Herren wie Boris Becker oder Gerhard Schröder längst aus dem Effeff, während wir langweilig Monoverpartnerten uns selbst bis heute fremd geblieben sind.

Abschied nehmen mussten wir gerade von Sean Connery, an den in Bild Norbert Körzdörfer erinnert. Connery, erfahren wir, sei 1962 nicht der Favorit des Bond-Erfinders Ian Fleming gewesen, welchem Körzdörfer das Zitat zuschreibt: „Ich wollte keinen Stuntman, sondern einen Gentleman wie David Niven, Cary Grant oder George Harrison.“ Ach was: Fleming hätte die Rolle lieber dem 1962 gerade 19-jährigen Beatles-Gitarristen George Harrison gegeben? Gut, die Rubrik heißt schließlich „Körzdörfers Legenden“ und nicht „Körzdörfers Wahrheiten“.

Persönlich getroffen, jedenfalls so etwas in der Art, hat Körzdörfer Connery auch einmal. In einer New Yorker Kneipe, schrieb er vor ein paar Monaten zu Connerys Neunzigstem, habe er vor langen Jahren neben ihm an der Bar gestanden: „Wir standen nebeneinander, tranken und schwiegen. Um 23.50 Uhr wollte ich ihn zu einem Bier einladen – als er plötzlich lächelnd zahlte und mir zunickte: ,Bye!‘ Er schlenderte in die Nacht.“ Zu Connerys Tod holt Körzdörfer die Anekdote nun noch einmal raus, schreibt diesmal aber: „Um 23.30 Uhr wollte ich ihn zum Feier-Bier einladen.“ Kann der Mann denn nicht mal richtig von sich selbst abschreiben?

Die Pointe freilich bleibt auch diesmal gleich: Sobald er mit Connery ein Bier trinken möchte, sucht der rasch das Weite – und in diesem Fall können wir uns ganz gut vorstellen, dass das der Wahrheit entspricht.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Thomann, Jörg
Jörg Thomann
Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot