Herzblatt-Geschichten

Sexualität ist wie ein Reihenhaus

Von Jörg Thomann
24.01.2021
, 14:34
Was macht ein König im Frauengefängnis? Gehört Putin der Protz-Palast? Und ist Armin Laschet auch in der Ehe nur Kompromisskandidat? Neue Herzblatt-Geschichten.

Das ist ja ein echtes Mysterium, das es in Russland zu bestaunen gibt: Da lanciert der Kreml-Kritiker Nawalnyj einen Film über ein im Bau befindliches Anwesen am Schwarzen Meer, das alle „Putin-Palast“ nennen, einen Mega-Protzbau auf einem Grundstück, welches für 39 Fürstentümer Monaco Platz böte – und dann erklärt der Kreml, Putin gehöre das Ding gar nicht. Wir glauben das sofort, ist uns doch Putin aus den Staatsmedien als demütiger, bodenständiger Gesell bekannt, der seine knappe Freizeit damit verbringt, mit freiem Oberkörper halb vereiste Flüsse zu durchwaten.

Würde sich ein solcher Mann einen Palast mit hauseigener Austernfarm bauen lassen, mit Amphitheater und unterirdischer Eishockeyhalle? Und wenn ja: Würde ein Putin es hinnehmen, dass an dem Anwesen nun seit fünfzehn Jahren schon gewerkelt wird, als handele es sich um einen schnöden deutschen Hauptstadtflughafen? Für Putin als Eigentümer spricht allerdings, dass es dort auch eine Bar mit Poledance-Stange geben soll; das können wir uns ganz gut vorstellen, wie Putin als körperbewusster Mensch fröhlich an der Stange umherwirbelt.

König im Knast

Allerhöchstens als Dritt- oder Viertwohnsitz akzeptieren würde den Palast der standesbewusste thailändische König Rama X., den neue Bilder zeigen, wie er mit seiner Partnerin den Hof eines Frauengefängnisses fegt. „Auch die Geliebte hat dort eine Strafe abgesessen und war im September begnadigt worden“, weiß Frau im Spiegel, und das ist nun wirklich romantisch: Wo andere Pärchen die Plätze besuchen, an denen sie sich erstmals geküsst haben, schaut der König mit seiner Liebsten im Knast vorbei, wo sie vermutlich aufgrund von Unbotmäßigkeit vorübergehend residieren musste: Schau mal, Schatz, deine Pritsche!

Mit den Besenbildern, wird vermutet, wolle der König Volksnähe demonstrieren, und das klingt logisch: Wenn immer mehr Leute inhaftiert sind, weil sie die Monarchie zu kritisieren wagten, kommt man dem Volk im Gefängnis am nächsten. Dass die Fege-Aktion von großem Nutzen war, muss indes bezweifelt werden: Wie die Bilder zeigen, mussten alle anderen außer dem König und seiner Begleiterin auf den Knien rutschen, womit der Boden bestimmt eh längst sauber war.

Links und rechts nichts Besseres

Ein noch viel volksnäherer Herrscher ist da doch Armin Laschet, über dessen Ehefrau Susanne Bunte schreibt, sie komme „aus einer der feinsten Familien Aachens“, ein Ausdruck, bei dem wir sofort an feinste Aachener Printen denken müssen. Wie er sie einst für sich gewinnen konnte, hat Susanne Laschet auch mal verraten: „Er hatte schöne Augen und irgendwie, ich fand ihn ganz nett.“ Und irgendwie ganz nett: Das klingt weit natürlicher als die Lobeshymnen, die die meisten Prominenten über ihre Partner loswerden zu müssen meinen. Als „patente und pragmatische Frau“ lobt Bunte Susanne Laschet auch wegen des Bekenntnisses: „Wir haben beide immer nach links und rechts geguckt. Aber wir haben nichts Besseres gefunden.“ Klar, das ging den Delegierten jüngst bei der Wahl zum neuen CDU-Parteichef ganz genauso.

Für Interesse in der Partei dürfte auch die Nachricht sorgen, dass der Komiker Bernhard Hoëcker, wie er dem Neuen Blatt anvertraut, „um ein paar Ecken mit Helmut Kohl verwandt“ ist. Angesichts von Hoëckers zarter Statur mag das verwundern, es sind dann aber auch ein paar mehr als nur ein paar Ecken: „Mein Uropa hat eine Frau geheiratet, die nach dessen Tod einen Mann geheiratet hat, dessen Vater der Großvater des Ururururur-Großvaters von Helmut Kohl war – glaube ich ...“. Für die nächste Familienfeier dürfte ein Scherzkeks wie Hoëcker jedenfalls bereichernd sein, die Stimmung unter den Hinterbliebenen soll ja nicht die allerbeste sein.

Für innerfamiliären Gesprächsbedarf wird auch die Entscheidung der Schauspielerin Claudelle Deckert, 46, gesorgt haben, noch einmal nackt für den Playboy zu posieren – diesmal gemeinsam mit Tochter Romy, 23. Gala ist hin- und hergerissen: Eine Redakteurin findet es schlau, denn die Mutter sehe „neben der Tochter immer noch scharf aus“, eine andere empört sich: „Sexualität ist doch kein Mehrgenerationenhaus!“ Mag sein, aber was für eine Räumlichkeit ist Sexualität denn dann? Ein schnittiger Bungalow, ein Reihenhaus, plüschiges Séparée, ein Palast am Schwarzen Meer? Der Playboy jedenfalls darf sich freuen über die Aufmerksamkeit und plant vermutlich schon einen neuen Coup mit den Deckerts: Beim nächsten Shooting könnten dann auch Oma Hilde und Großonkel Erwin mit dabei sein.

Nach ihrem Glücksrezept für eine lange Partnerschaft fragt Das neue Blatt die Geissens. „Das dürfen wir nicht sagen!“, lautet Robert Geiss’ überraschende Antwort. „Es wird vielleicht irgendwann einen Eheratgeber von uns geben. Wenn ich jetzt alles verrate, habe ich mein Pulver verschossen.“ Nun, wenn er fürchtet, alles in einer Interview-Antwort zu enthüllen, dann wird das Buch wohl eher schmal ausfallen. Dann aber meldet sich auch noch Ehefrau Carmen zu Wort: „Man muss natürlich immer miteinander reden. Das ist das Allerwichtigste.“ So ein Pech: Jetzt hat sie den ganzen Inhalt des Buches doch noch verraten.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Thomann, Jörg
Jörg Thomann
Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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