Herzblatt-Geschichten

Sie ist meine Momentane

Von Jörg Thomann
Aktualisiert am 09.08.2020
 - 12:15
Auf der Flucht: Wandbild von Juan Carlos in Valencia
Flieht Juan Carlos nach Deutschland? Landet das Dschungelcamp in Schottland? Und warum braucht jedes Paar einen Mixer? Die neuen Herzblatt-Geschichten.

Mit Spannung verfolgen wir gerade die mediale Beantwortung der Frage, ob der Schauspieler Peter Weck, beinahe neunzig, in seiner Bekannten Joanna, 47, eine neue Liebe gefunden hat. Die einen meinen ja, die anderen nein, und Weck selbst scheint mal diese und mal jene These zu befeuern. Dem Neuen Blatt etwa versichert Weck, es sei „nichts“ an der Geschichte dran: „Weder bin ich mit der Dame zusammengezogen, noch ist sie meine neue Partnerin.“

In Bunte klingt es etwas anders: „Es ist ein angenehm wohliges Gefühl“, gibt Weck dort zu Protokoll und: „Meine Liebesfähigkeit ist noch da.“ Von einer Heirat aber will er nichts wissen: „Joanna ist nicht meine Zukünftige, sondern meine Momentane.“ Das hört sich weniger romantisch als ziemlich nüchtern an, aber so ist das halt mit knapp neunzig: Nicht die Zukunft, sondern einzig und allein der Moment zählt.

Carpe momentum

In Bild wiederum klingt es fast so, als sei der Moment schon wieder vorbei: „Ich bin doch kein dummer Bub“, sagt Weck hier. „Wir haben beide keine Absichten.“ Es handele sich vielmehr um eine „wichtige Freundschaft“. Wir an Wecks Stelle wären durchaus geschmeichelt, wenn derart eifrig spekuliert würde, ob wir in unserem gesegneten Alter noch, nun ja, „Absichten“ hegten. So oder so, lieber Herr Weck: Alles Gute und carpe diem. Beziehungsweise momentum.

Eher skeptisch, was Amouren zwischen jüngeren Frauen und gesetzteren Herren angeht, ist der Bild-Adelsfachmann Alexander von Schönburg. „Darum ist diese Frau sein Niedergang“, schreibt er über Corinna zu Sayn-Wittgenstein, weil Juan Carlos von Spanien, der bei vorherigen Affären bewundernswert „diskret und elegant“ agiert habe, sich für sie „zum Affen gemacht“ habe: „Armer alter, verliebter Mann!“

Nach dieser Logik wäre der große Fehler des Altkönigs nicht die angebliche Annahme von Schmiergeldern gewesen, sondern die angeblich mit deren Hilfe besorgte Unterstützung der Geliebten. Wir erkennen hier ein Muster, denn schon beim royalen Abgang Prinz Harrys stand für Schönburg die Schuldige fest: „Ich halte Meghan für eine gefährliche Person.“ Doch die ist nun zum Glück ja weg, und wenn die Royals vielleicht noch Camilla, Kate und natürlich die Queen rausschmeißen, hat England endlich wieder eine stolze, männliche Monarchie.

Flucht nach Deutschland

Echo der Frau spekuliert derweil, dass Juan Carlos Zuflucht in Deutschland suchen könnte: „Hier hat er einflussreiche Freunde und durch seine zahlreichen Jagd-Urlaube Bezugspunkte.“ Wir wissen nicht, ob da was dran ist, raten aber all den Heimaturlaubern, die derzeit durch unsere Wälder streifen, gut auf sich achtzugeben. Vor allem, wenn sie die Statur eines Elefanten haben.

Umziehen wird womöglich auch das Dschungelcamp. Laut Frau im Spiegel soll die Show 2021 „nicht wie gewohnt in Australien stattfinden, sondern in den schottischen Highlands“. Für die Kandidaten wäre die Herausforderung damit noch extremer: Campen in Kälte und Dauerregen, viel Spaß allerseits. Auch bei den Ekelprüfungen gäbe es eine weitere Eskalationsstufe: Nach Känguruhoden und Kakerlakenpüree bekämen die Teilnehmer dann bestimmt Haggis serviert. Widerlich!

Ein Leben wie Wurst

Apropos Kulinarik: Iris Berben schwärmt im Gespräch mit Bunte von Momenten der Unsicherheit, die sie „nicht missen“ möchte, „sonst wäre das Leben wie abgepackte Wurst. Die ich auch nicht esse.“ So ganz überzeugt uns dieses Bild nicht, denn dann müsste abgepackte Wurst uns ja ein Gefühl der Sicherheit verleihen – obwohl wir uns ganz im Gegenteil immer fragen, was da wohl alles drinstecken mag.

Momente der Unsicherheit sind dem Erfolgsphilosophen Richard David Precht vermutlich fremd; Bunte verleiht ihm die „Goldene Spectra“ für sein neues Buch „Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens“. Nicht schlecht, Herr Precht: Wo Kollegen sich immer nur an einem Sujet abarbeiten, verknüpft er zwei Megathemen zu einem. Da sind wir schon gespannt auf seine nächsten Werke: „Das Leben nach dem Tod und können Tiere denken?“, „Außerirdische Existenzen und so werden Sie Millionär“, „Die Geburt des Universums und wie man an der Frischhaltefolie ziehen muss, damit man ein Stück von exakt der gewünschten Länge herauskriegt“.

Mit der großen Frage der Liebe befasst sich im Goldenen Blatt Sängerin Alexandra Hofmann: „Jeden Morgen sagen wir uns, wie dankbar wir für unsere tolle Ehe sind.“ Stellen wir uns entzückend vor, die morgendlichen Gespräche bei Hofmanns: „Du, Schatz?“ – „Ja?“ (gähnt) – „Wir sind dankbar für unsere tolle Ehe.“ – „Ja. Sind wir.“

Und wenn’s mal nicht so toll läuft, dann hilft vielleicht das Geheimrezept, das Sänger Christoff de Bolle im Echo der Frau verrät: „Ein Mixer rettete meine Beziehung.“ In der Quarantäne-Zeit nämlich hockten Partner Ritchie und er „24 Stunden am Tag aufeinander“ und wären „fast wahnsinnig geworden“ – bis sie sich eine Küchenmaschine zulegten: „Und damit beschäftigten wir uns dann den ganzen Tag.“ Und sollte am Ende des Tages alles weggemixt sein und die Stimmung zu kippen drohen, dann würden wir empfehlen, das Gerät einfach weiterlaufen zu lassen: Dann hört man zumindest das Gequengel des Partners nicht.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Thomann, Jörg
Jörg Thomann
Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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