Herzblatt-Geschichten

Benimm dich, du Bagel!

Von Sascha Zoske
Aktualisiert am 26.07.2020
 - 12:13
Verona Pooth wird von ihrem Sohn San Diego als „Kontrollfreak“ bezeichnet. Papa Franjo holt sogar nach jeder Heimkehr des Filius den Alkoholtester hervor.zur Bildergalerie
Die Beziehung von Johnny Depp und Amber Heard wird von einem Friedensforscher analysiert, Prinz Ernst August hat Ärger mit der Polizei, und San Diego Pooth muss zum väterlichen Alkoholtest. Die Herzblatt-Geschichten.

Wer den Schmerz sucht, der geht ins Studio. Kunstkenner wählen das Tattoostudio, Freunde der Seelenqual zieht es zu Maybrit Illner ins Fernsehstudio, Anhänger körperlicher Züchtigung entscheiden sich fürs BDSM-Studio (in Berlin jetzt trotz Corona wieder geöffnet, weil die Kundschaft ohnehin Maske trägt). Auch Yasmina Filali und Thomas Helmer ergeben sich den Wonnen physischer Pein, allerdings nicht im Lack-und-Leder-Ambiente, sondern im Zeichen der Lotusblüte.

Wie sie der „Bunten“ im großen Paar-Interview erzählen, unterziehen sich die Beautybloggerin und der Fußballprofi a.D. gern zu zweit der Thai-Massage, in der Frau Filali auch eine Art passive Aggressionstherapie zu sehen scheint: „Er hat immer die Therapeutin, die er ,die Mörderin‘ getauft hat. Ich liebe es, ihr dabei zuzusehen, wie sie ihm den Hals um 180 Grad dreht – und denke mir, wie schön, dann muss ich das nicht machen.“

„Richard Gere ist wie eine Ziegelwand“

Die Nachfrage der „Bunten“, ob sie ihren Mann liebe, beantwortet seine Leidensgenossin in Radio-Eriwan-Manier, nicht ohne hinzuzusetzen, dass die Liste der Dinge, die sie an ihrem Thomas nervten, „von Hamburg bis Polen reichen würde“. Herr Helmer wiederum gibt sich als „totaler Harmoniemensch“ zu erkennen, was angesichts der Tatsache, dass die Ehe der beiden nun schon 15 Jahre hält, für eine Schmerztoleranz von Hiob’schen Ausmaßen spricht.

Nicht lange miteinander ausgehalten haben es Marilyn Monroe und Tony Curtis, an deren Hassliebschaft das „Neue Blatt“ in seiner vom Grund des Sommerlochs gefischten Collage „Diese Traumpaare konnten sich nicht riechen“ erinnert. Das Bonmot von Mister Curtis über seine Kurzzeitpartnerin („Die Monroe küssen – das war wie Adolf Hitler küssen“) kannten wir schon; neu war uns, zu welchem Vergleich sich Debra Winger von ihrem Ko-Star in „Ein Offizier und Gentleman“ inspiriert fühlte: „Richard Gere ist wie eine Ziegelwand.“

Das Ekel von Partner

Eher so dick wie die Mauern von Fort Knox sind die emotionalen Barrieren zwischen einem Paar, auf das die „Bunte“ den Friedensforscher Friedrich Glasl angesetzt hat: „Von Stufe zu Stufe verhärten sich die Konflikte immer weiter. Es entstehen Polarisierung, Schwarz-Weiß-Denken ... Am Schluss streitet man über alles, sucht sich Verbündete, um das Ekel von Partner endlich loszuwerden.“ Gemeint sind nicht Donald Trump und Angela Merkel, sondern Johnny Depp und Amber Heard, die gerade vor dem Londoner High Court in der Asche ihrer Ehe-Hölle stochern. Auf der Glasl’schen Beziehungs-Eskalationsskala haben sie die Stufen sieben bis neun erreicht, die „begrenzte Vernichtungsschläge, Zersplitterung und den gemeinsamen Weg in den Abgrund“ umfassen.

Gepriesen sei die Fügung, die verhindert hat, dass das Albtraumpaar Depp/Heard während seiner 15 Monate währenden Mesalliance auch noch Nachwuchs zeugte. Vermutlich hätte Mister Depp schon beim Versuch, sich mit der Mutter auf einen Namen für das Kind zu einigen, eine weitere Fingerkuppe verloren. Zwischen Usain Bolt und seiner Freundin Kasi Bennett hat es dagegen der „Bunten“ zufolge keine Diskussionen gegeben. War doch klar, wie die neugeborene Tochter des schnellsten Manns der Welt und achtfachen Goldmedaillengewinners heißen muss: Olympia Lightning.

Bis die junge Miss Bolt ihr erstes 100-Meter-Rennen gewinnt, wird es noch dauern, und bis dahin füllt zuverlässig ein altbekannter Doppel-Vorname die Schlagzeilen: Ernst August. Mal einfühlsam („Tragödie“, „Frau im Spiegel“), mal rüde („Ab in die Klapse“, „In“) kommentiert die Fachpresse den jüngsten Zusammenstoß des Welfenprinzen mit österreichischen Sicherheitskräften, der für ihn in einer psychiatrischen Klinik endete. Während die Ordnungshüter Herrn von Hannover hochaggressives Verhalten vorwerfen, das in der Bedrohung der Beamten mit einem Messerschleifer kulminiert habe, sieht sich Ernst August als Opfer staatlicher Brutalität. Ein Polizist, klagt er laut „Kronen Zeitung“, habe ihn ins Gesicht geschlagen: „Ich habe wahrscheinlich zurückgeboxt. Ich war so erstaunt. So ein unverschämter Lümmel.“

Bereit für den „Poothcast“?

Das Wort „Lümmel“ finden wir in seiner Antiquiertheit ähnlich reizvoll wie das Synonym für „ungezogenes Kind“, nach dem das „Echo der Frau“ seine Leser im Quiz „für gewiefte Rate-Füchse“ suchen lässt. Nur kurz haben wir uns irreführen lassen und geglaubt, die richtige Antwort auf die Frage „Was ist ein Bagel?“ laute „ringförmiges Gebäck“. Beim Stichwort „ungezogenes Kind“ fällt uns San Diego Pooth ein, der im „Gala“-Gespräch mit seiner Mutter Verona ähnlich putzig herumzickt wie die Massagefans Helmer und Filali in der „Bunten“. Die strenge Erziehung, die Verona ihrem Sohnemann nach eigenen Worten zuteilwerden lässt, hindert den frechen Bagel nicht daran, sie im Interview als „Kontrollfreak“ zu titulieren. Dabei träfe die Bezeichnung eher auf seinen Vater Franjo zu, der einen Alkoholtester gekauft hat, in den der Filius nach jedem abendlichen Ausgang pusten muss.

Übrigens gehen auch Verona und San Diego gerne zum Quälen ins Studio. Dort zeichnen sie einen Podcast auf, den „Poothcast“. Verona ahnt: „Das kann ganz schön peinlich werden.“ Dann doch lieber Maybrit Illner.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Zoske, Sascha
Sascha Zoske
Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.
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