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Sommerzeit

Warum die Zeitumstellung noch nicht abgeschafft wurde

28.03.2022
, 09:33
Zweimal im Jahr dreht Deutschland an der Uhr. Bild: dpa
Die Zeitumstellung ist ein besonders in Deutschland unbeliebtes Ritual. Die Gründe sind eigentlich längst hinfällig. Doch abgeschafft ist sie noch immer nicht.
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Es ist wieder so weit: Am 27. März werden die Uhren umgestellt. Am Sonntag beginnt dann die Sommerzeit, obwohl die Abschaffung der Zeitumstellung immer wieder diskutiert wird.

Was bringt die Zeitumstellung?

Die Zeitumstellung wurde eingeführt, um Energie zu sparen. Wenn es eine Stunde länger taghell ist, ist der Verbrauch für Strom geringer. So zumindest der Plan.

Warum soll die Zeitumstellung abgeschafft werden?

Die Energiespareffekte sind jedoch umstritten und sollen kaum nachweisbar sein. Im Sommer werde zwar durchaus weniger Energie für Licht verbraucht. Dafür werde im Frühjahr und Herbst morgens mehr geheizt.

Die Deutschen sind keine Fans der Zeitumstellung. In Umfragen sprechen sich regelmäßig rund drei Viertel der Befragten für eine Abschaffung aus und beschweren sich über die „geklaute Stunde“ im Frühjahr.

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In diesem Jahr scheint die halbjährliche Debatte über Sinn und Zweck dieser Maßnahme angesichts des Ukraine-Kriegs sehr viel kleiner oder ganz auszufallen. Physiker Andreas Bauch von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig, die für die Übermittlung der gesetzlichen Zeit in Deutschland zuständig ist, nimmt keine Politiker-Stimmen zu dem Thema wahr. Auch blieben die sonst üblichen Anfragen an seine Behörde weitestgehend aus.

Was ist die Normalzeit?

Zu Beginn der Sommerzeit – also im März – wird die Uhr von zwei Uhr auf drei Uhr vorgestellt. Im Oktober startet die Normalzeit, indem die Uhren von drei auf zwei Uhr zurückgestellt werden. Die sogenannte Winterzeit ist die Normalzeit, die Mitteleuropäische Zeit (MEZ). Sie dauert fünf Monate, von Ende Oktober bis Ende März. Die übrigen sieben Monate gilt die Sommerzeit (MESZ). Zeitumstellung ist immer in der Nacht auf den letzten Sonntag im Oktober beziehungsweise in der Nacht auf den letzten Sonntag im März.

Welche Probleme können durch die Zeitumstellung entstehen?

Die Zeitumstellung hat Auswirkungen auf den Biorhythmus der Menschen. Doch die Sommerzeit kann auch Tiere verwirren. Das führt meist dann zu Problemen, wenn sie auf Menschen treffen. Milchkühe sollten stets zur gleichen Zeit gemolken und gefüttert werden. Um die Tiere an die neuen Arbeits- und Aufstehzeiten der Menschen zu gewöhnen, passen manche Betriebe die Melkzeit nach und nach dem neuen Rhythmus an und beginnen zwei Wochen vor der Zeitumstellung, die Kühe Tag für Tag fünf Minuten früher zu melken. Pünktlich zur Zeitumstellung sind Mensch und Tier dann im selben Biorhythmus.

Auch Wildtiere orientieren sich weniger an der angezeigten Uhrzeit auf Smartphone und Armbanduhr als an Tageslicht und Dämmerung. Rehe und anderes Wild überqueren Straßen bevorzugt während der Dämmerung. Darauf weist der ADAC Autofahrerinnen und Autofahrer hin. Fällt der Berufsverkehr zwischen 6 und 7 Uhr in den Tagesanbruch, bestehe erhöhte Kollisionsgefahr. Nicht von ungefähr sei die Zahl der bei einem Unfall getöteten Rehe im April besonders groß.

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Der Technik macht die Umstellung der Uhren keine Probleme. Die genaue Zeit geben die Atomuhren der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig vor. Funkuhren passen sich automatisch an. Längst Routine ist die Zeitumstellung auch für die Deutsche Bahn.

Wann soll die Zeitumstellung abgeschafft werden?

Die EU diskutiert seit langem über ein Ende der Zeitumstellung. 2018 sollte es so weit sein, die EU-Kommission legte einen entsprechenden Gesetzentwurf vor. Auch das Europäische Parlament stimmte zu, verschob aber das für 2019 geplante Ende der Zeitumstellung auf 2021. Doch die Mitgliedsstaaten zogen nicht mit. Damit liegen die Pläne auf Eis.

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Warum ist die Zeitumstellung noch nicht abgeschafft?

Die EU-Länder sind sich uneinig, welche Zeit abgeschafft werden soll: die auch Normalzeit genannte Winterzeit oder doch die Sommerzeit. Einige EU-Länder wollen die Zeitumstellung überhaupt nicht abschaffen. Einen Flickenteppich aus mehreren Zeitzonen will die EU vermeiden.

Auch ein Kompromissvorschlag steht im Raum. Biljana Borzan aus Kroatien, stellvertretende Fraktionschefin der Sozialdemokraten im EU-Parlament, soll der EU-Kommission vorgeschlagen haben, die Uhren in Zukunft nur noch um eine halbe Stunde zu verstellen. Dann wäre es immer 12.30 Uhr, wenn die Sonne am höchsten steht, und nicht wie bisher 12.00 Uhr im Winter und 13.00 Uhr im Sommer. Die Erfolgsaussichten mit einer halben Stunde dürften aber gegen null tendieren.

„Diese Frage zur saisonalen Zeitumstellung ist auch eine saisonale Frage, die wir zweimal im Jahr jeweils vor der Zeitumstellung erhalten", sagte ein Sprecher der EU-Kommission vor sechs Monaten. Der Ball liege im Feld der EU-Staaten. Aktuell teilte die französische Ratspräsidentschaft mit, dass man nicht vorhabe, das Thema auf die Agenda zu setzten. Frankreich hat noch bis Ende Juni turnusgemäß den Vorsitz unter den EU-Ländern inne.

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In keinem Land der EU ist die Zeitumstellung ein so umstrittenes Thema wie in Deutschland. EU-weit nahmen im Jahr 2018 insgesamt 4,6 Millionen Teilnehmer an einer Onlinebefragung zum Thema teil – drei Millionen kamen davon allein aus Deutschland.

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Wo werden die Uhren überall umgestellt?

Viele Länder außerhalb Europas haben die Umstellung bereits abgeschafft oder streben dies an. In den USA hat der Senat in der vergangenen Woche dafür gestimmt, die Sommerzeit dauerhaft einzuführen. Vorausgesetzt das Repräsentantenhaus stimmt auch zu, tritt dies im November 2023 in Kraft. Es ist aber unklar, ob es eine Mehrheit dafür gäbe und ob US-Präsident Joe Biden ein entsprechendes Gesetz unterzeichnen würde. Ein absehbarer Vollzug ist also – ähnlich wie in Europa – überhaupt nicht sicher.

Wie lange gibt es schon Sommerzeit und Winterzeit?

Die Zeitumstellung gibt es seit 1916. Am 30. April 1916 führten das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn die Zeitumstellung ein, damals war sie vor allem eine Kriegsmaßnahme. Die Abende im Sommer sollten verlängert werden, um das natürliche Tageslicht in der Rüstungsindustrie und Landwirtschaft auszunutzen statt auf künstliche Beleuchtung zurückgreifen zu müssen.

Das Intermezzo dauerte aber nur drei Jahre. Zu Beginn der Weimarer Republik wurde die Zeitumstellung rückgängig gemacht – um mit dem Zweiten Weltkriegs wieder eingeführt zu werden. 1940 gab es wieder die Sommerzeit. Zwischen 1950 bis 1979 wurde nicht an der Uhr gedreht. Am 6. April 1980 wurde die Sommerzeit schließlich, nach dem Vorbild Frankreichs und weiterer europäischer Staaten, in BRD und DDR offiziell eingeführt – abermals um Energie zu sparen.

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Es dauerte noch bis 1996, bis die unterschiedlichen Sommerzeitregelungen in der Europäischen Union vereinheitlicht wurden.

Warum wird die Uhr um 3 Uhr umgestellt?

Die korrekte Antwort, die jeden deutschen Bürokraten freuen dürfte, auf die Frage, warum die Uhren um 3 Uhr beziehungsweise 2 Uhr umgestellt werden: Weil es so in der „Verordnung über die Einführung der mitteleuropäischen Sommerzeit ab dem Jahr 2002 (Sommerzeitverordnung - SoZV)“ steht.

Wie gewöhnt man Babys an die Zeitumstellung?

Babys und kleinen Kindern fällt es oft schwer, zur gewohnten Zeit einzuschlafen, wenn es draußen noch hell ist. Das Apothekenmagazin „Baby und Familie“ rät Eltern, den Rhythmus der Kinder ganz allmählich umstellen: Bringt man das Kind eine Woche lang immer 10 Minuten früher ins Bett, streckt man die Zeitverschiebung auf eine Woche statt auf nur eine Nacht. Außerdem sollte das Schlafzimmer abends gut abdunkelt werden und das Kind morgens dennoch zur gewohnten Uhrzeit geweckt werden. Helligkeit im Zimmer erleichtert das frühere Aufstehen.

Können wir länger schlafen?

Die schlechte Nachricht: Bei der anstehenden Zeitumstellung können wir nicht länger schlafen. Sommerzeit bedeutet: Eine Stunde weniger Schlaf. Denn die Nacht ist beim Sprung auf die Sommerzeit eine Stunde kürzer. Bei der Umstellung auf die Winterzeit werden die Uhren eine Stunde zurückgestellt. Im Oktober gibt es dann also eine Stunde mehr Schlaf.

Eselsbrücken für die Zeitumstellung

Für die „richtige Richtung“ der Zeitumstellung gibt es ein paar Eselsbrücken. Ganz praktisch wird es bei der Gartenmöbel-Regel: Die stellt man im Frühjahr VOR die Tür, im Herbst stellt man sie ZURÜCK in den Keller. Gleiches gilt für die Zeiger der Uhr. Oder man denkt an ein Thermometer: Die Temperaturen gehen im Frühling wie die Zahlen der Digitaluhr HOCH, im Herbst HERUNTER. Die O-und-I-Eselsbrücke: Im Sommer wird die Uhr nach vorne gestellt, im Winter nach hinten. Wenn Sie es lieber auf Englisch haben: im spring (englisch für Frühjahr) springen die Zeigen der Uhr vor, im fall (englisch für Herbst) fallen die Zeiger zurück.

Quelle: mpr./dpa/AFP
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