Naturschutz

Ein Nistplatz für den Steinschmätzer

Von Jan Schiefenhövel
20.03.2022
, 08:10
Wählerisch: Steinschmätzer brüten nicht etwa in Bäumen oder Bodenmulden – der Zugvogel brütet in Steinhaufen.
Für seine Nester braucht der Steinschmätzer Höhlen zwischen Steinen. Naturschützer helfen der bedrohten Art und schichten Haufen aus Steinbrocken auf.
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Der Vogel hat besondere An­sprüche. Für sein Nest sucht sich der Steinschmätzer nicht etwa eine Astgabel oder eine Hecke, sondern einen Steinhaufen. Zwischen den Brocken wird das Nest angelegt, nicht obenauf, sondern im Inneren des Haufens. Dafür sucht der Vogel, der etwas kleiner als eine Amsel ist, sich ei­nen Weg zwischen den Steinen hindurch, am liebsten einen halben Meter weit hi­nein. In der Höhle werden die Eier bebrütet und nach dem Schlüpfen die Jungtiere versorgt, dort sind sie gut vor Fressfeinden geschützt, wie Barbara Helling, Ge­schäftsführerin des Vereins Naturlandschaft und Streuobst, erläutert. Der Vogel nistet zum Beispiel in Bruchsteinmauern in Weinbergen, in der Natur im Hochgebirge oder in den Dünen an der Nordseeküste.

Ausgerechnet auf der Mülldeponie in Flörsheim-Wicker hat sich der vom Aussterben bedrohte Singvogel in ansehnlicher Anzahl angesiedelt. Dort befindet sich die größte Population dieser Art in Hessen. Dass die Lebensbedingungen dort so gut zu seiner Lebensweise passen, ist Zufall, wie Helling sagt. So fühlte sich der Steinschmätzer von dem auf der Deponie abgelegten Bauschutt angezogen, weil sich diese Berge aus einzelnen Brocken bestens für seine Nester eigneten. Von Lärm oder Be­wegung in seiner direkten Nachbarschaft lässt dieser Vogel sich nicht irritieren, so baut er auch Nester in Böschungen von We­gen, auf denen Lastwagen fahren. Als einmal erkannt war, dass eine seltene Art dort ihren Lebensraum gefunden hatte, half die Deponieverwaltung den Vögeln, indem sie künstliche Steinhaufen als Nistplätze anlegte.

In diesen Steinhaufen soll der Steinschmätzer demnächst nisten.
In diesen Steinhaufen soll der Steinschmätzer demnächst nisten. Bild: Marcus Kaufhold

Das bekam den Tieren gut, wie Helling berichtet. Vor zwei Jahren gab es eine gu­te Saison für die Brut, 72 Jungvögel schlüpften, von Helfern gezählt und be­ringt, um sie weiter verfolgen zu können. Das vergangene Jahr war dagegen kein gutes für den Steinschmätzer, weil es zu der Jahreszeit, in der die frisch geschlüpften Jungvögel im Nest gefüttert werden, sehr viel geregnet hat – schlecht für In­sekten, welche die Nahrung des Steinschmätzers bilden. Um diese seltene Art noch mehr zu fördern, haben Helfer des Vereins Naturlandschaft mit finanzieller Unterstützung vom Land Hessen weitere vier Steinhaufen aufgeschichtet, dieses Mal am Rand der Nachbarstadt Hochheim. Die Brutplätze befinden sich auf dem Gelände eines Regenrückhaltebeckens, das ohnehin eingezäunt ist, sodass der Nachwuchs ungestört bebrütet werden kann.

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Folie soll Vegetation von Brutplätzen fernhalten

Die kleinen und großen Steinbrocken stammen aus der Weilbacher Kiesgrube in Flörsheim und bestehen aus rotem Sandstein, der für die Gegend entlang des Mains typisch ist. Mit dem Ablegen der Steine war es al­lerdings nicht getan, wie die Umweltschützerin sagt. Da der Steinschmätzer mit seinen besonderen Ansprüchen keine Vegetation in seinen Haufen mag, wurden eine Folie und eine Kokosmatte un­tergelegt, damit keine Pflanzen zwischen die Steine wuchern können.

Noch sind die Brutplätze nicht belegt, weil der Steinschmätzer als Zugvogel den Winter in Afrika verbringt. Ende März kehren die Tiere zurück, bevor sie sich im April ihr Revier für die Fortpflanzung su­chen. Ihre Nester bauen sie dann im Mai. So wird man in den nächsten Wochen den Steinschmätzer sehen können, denn er versteckt sich nicht in seinem Steinhaufen, sondern sitzt obenauf und hält nach Insekten Ausschau.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schiefenhövel, Jan (höv.)
Jan Schiefenhövel
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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