Monster und Maschine

Ein Foto aus Indonesien alarmiert Umweltschützer

Von Till Fähnders, Singapur
Aktualisiert am 28.10.2020
 - 22:40
Unheimliche Begegnung: Bei einem Bauprojekt auf Rinca treffen Arbeiter einen Komodowaran an.
Eine indonesische Insel soll zu einer Tourismusattraktion werden – und prompt begegnen sich dort ein Lastwagen und ein Komodowaran. Tierschützer sind alarmiert.

Das Foto zeigt nicht gerade „Godzilla gegen Megalon“, aber wohl das, was dem japanischen Science-Fiction-Film aus den siebziger Jahren auf dieser Erde heute am nächsten kommen dürfte. Zu sehen ist ein stattlicher Komodowaran, inklusive Schwanz fast drei Meter lang, der einem Lastwagen den Weg versperrt. Das Fahrzeug hat Metallstangen geladen, seine Räder scheinen in der erdigen Fahrrinne zu versinken. Vom Dach der Fahrerkabine schauen zwei Arbeiter sichtlich eingeschüchtert auf den vierbeinigen Koloss hinab.

Aufgenommen wurde das Bild offenbar vergangene Woche auf Rinca, einer Nachbarinsel der für ihre urtümlichen Riesenechsen bekannten indonesischen Insel Komodo. Dort haben Unternehmen von der Regierung die Erlaubnis bekommen, eine neue Tourismusattraktion aufzubauen. Das Projekt ist als „Jurassic Park“ bekannt. Ein Werbefilm für die Anlage, der mit Musik aus dem gleichnamigen Hollywood-Film unterlegt ist, zeigt ein modernes Gehege, in dem Besucher die Warane von einer Plattform aus beobachten können.

Ungewohnte Geräusche und Gerüche für die Tiere

Das Foto wurde in den vergangenen Tagen tausendfach in den sozialen Medien geteilt. Der Indonesier Gregorius Afioma, der sich für den Schutz der Warane einsetzt, hatte es auf seinem privaten Instagram-Account veröffentlicht. Er sagt der F.A.Z. telefonisch am Mittwoch, ein Freund habe es ihm zur freien Veröffentlichung zugespielt. Genauer wolle er sich nicht äußern, da mittlerweile die Behörden nach dem Fotografen suchten. Dabei hat selbst ein Mitarbeiter des Umweltministeriums eingestanden, dass das Foto wohl authentisch sei. Der Mitarbeiter wies aber darauf hin, dass die Begegnung nicht zwangsläufig gefährlich für das Tier gewesen sein muss. Dem widerspricht Gregorius Afioma. „Es ist das erste Mal, dass ein Lastwagen und anderes schweres Gerät im Nationalpark sind“, sagt er. Die damit verbundenen Geräusche und Gerüche seien für die Tiere ungewohnt.

Das Tourismusprojekt ruft Tierschützer auf den Plan, die verheerende Folgen für die kleinen Godzillas befürchten. „Die Begegnung ist der Beweis, dass die Komodowarane durch das großangelegte Bauprojekt gestört werden“, sagte ein Umweltschützer der „Jakarta Post“. Schon jetzt leben nur noch etwa 3000 der als gefährdet eingestuften Tiere auf Komodo, Rinca, Padar und einigen kleineren Nachbarinseln.

Das Gebiet wurde im Jahr 1991 von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt. Doch die Regierung von Joko Widodo hat damit noch einiges vor. Unter Anspielung auf Indonesiens berühmteste Urlaubsinsel hat der Präsident angekündigt, landesweit „zehn Balis“ schaffen zu wollen. Im Fall von Komodo sollen die Rucksacktouristen vermehrt Luxusgästen Platz machen. So gab es auch Pläne, den Zugang zur Insel nur gegen Kauf eines Jahrestickets für umgerechnet mehr als 900 Euro zu erlauben. Neben der Luxusdestination Komodo wäre der „Jurassic Park“ auf der Nachbarinsel Rinca dann für weniger gut betuchte Touristen da.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Fähnders, Till (fäh.) (Bild)
Till Fähnders
Politischer Korrespondent für Südostasien.
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