FAZ plus ArtikelHunde aus dem Internet

Erst süß, dann krank

Von Petra Kirchhoff
27.08.2018
, 11:38
Das Internet ist voll mit niedlichen Welpen, die ein Zuhause suchen. Tierfreunde schmelzen dahin. Doch nur ein Kaufvertrag gibt Sicherheit. Und auch sonst sollten Käufer ihren Verstand einschalten.

Tierschützer beklagen sich seit Jahren über die Welpenmafia im Internet, die junge Hunde von Massen-Züchtern kaufen, um sie dann schnell und mit Gewinn weiterzuverkaufen. Solches Geschäftsgebaren verstößt schon deshalb gegen das Tierschutzgesetz, weil die Jungtiere in der Regel zu früh auf den Markt gebracht werden. Mindestens acht Wochen – Hunde aus dem Ausland mindestens 15 Wochen – nach der Geburt sollen sie noch bei der Mutter sein, damit sie eine ausreichende Immunisierung und Sozialisierung aufbauen. Gesundheits-Check, Wurmkur, Impfungen – solche kostspieligen Untersuchungen schenken sich unseriöse Händler und tricksen auch bei den Papieren. Impfscheine und Ahnentafeln sind dann gefälscht.

Doch manchmal sind solche Tricks gar nicht nötig, weil Käufer blauäugig ans Werk gehen. Gerade sorgte ein Fall, der vor dem Königsteiner Amtsgericht verhandelt wurde, für Schlagzeilen. Die Klägerin hatte ihren Hund, einen Malteser-Welpen, für 460 Euro bei einem angeblichen Hundezüchter aus Bad Soden gekauft, ohne Kaufvertrag oder eine Quittung. Gegen den Mann, der seit Jahren einen schwunghaften Welpenhandel betreibt, laufen Ermittlungen wegen Betrugs und illegalen Welpenhandels. Der Malteser-Käuferin schob er einen Hund unter, der viel zu jung und dazu auch noch krank war. Vor Gericht ging es jetzt darum, wer die offene Tierarztrechnung in Höhe von 1300 Euro zahlen muss.

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Tipps für den Hundekauf

Wer sich einen Hund zulegen will, sollte sich zunächst fragen, welches Tier zu den eigenen Lebensumständen passt, und dabei Emotionen möglichst außen vor lassen, rät die Stiftung Warentest. Für seriöse Tierhändler und Züchter sprechen ein liebevoller Umgang mit den Hunden, ausreichend Platz und ein Tier, das gesund und zufrieden wirkt. Das können Käufer freilich nur bei einem Besuch oder am besten mehreren Besuchen an Ort und Stelle überprüfen. Die Mitgliedschaft in einem anerkannten Zuchtverein ist ebenfalls ein gutes Zeichen. Grundsätzlich ist es sinnvoll, beim Kauf eines Haustiers einen Vertrag abzuschließen, zunächst mit allgemeinen Angaben wie Alter, Farbe, Abstammung sowie eventuell Tätowierungs- oder Chipnummer. Je mehr Details darin festgehalten werden, umso mehr Sicherheit hat der Käufer. Soll ein Hund zum Beispiel ein Haus bewachen, sollte auch das im Vertrag festgehalten werden. Mit in den Kaufvertrag gehören auch Angaben zu möglichen Krankheiten und erfolgten Operationen. Wichtig ist außerdem eine Liste aller Impfungen. Rechtlich sind Tiere Verkaufsgüter. Gewerbliche Anbieter haften zwei Jahre nach dem Kauf für Mängel, die sie zu verantworten haben. (hoff.)

Quelle: F.A.Z.
Petra Kirchhoff - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Petra Kirchhoff
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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