<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Auf den Faröern

Google Sheep View

Von Maria Wiesner
 - 07:53
Kennt sich hier aus: Schaf mit 360-Grad-Kamera auf einer Faröer Inselzur Bildergalerie

Was macht man, wenn man auf einer sehr kleinen Inselgruppe zwischen Island und Schottland lebt und Google Street View partout nicht seine Kameraautos vorbeischicken will? Man nimmt die Sache selbst in die Hand und stattet die Inseleigenen Schafe einfach mit 360-Grad-Kameras aus. „Auf den Faröern leben rund 50.000 Menschen und beinahe doppelt so viele Schafe, über die stolpert man hier fast schon. Selbst in der Hauptstadt laufen sie herum. Also dachten wir uns, warum nehmen wir nicht die Schafe zu Hilfe und filmen unsere Insel selbst“, sagt Durita Dahl Andreassen. Sie hat das Projekt „Sheep View“ mit auf die Beine gestellt.

Die Idee ist simpel: Auf dem Rücken eines Schafes wird eine 360-Grad-Kamera mit Hilfe eines Ledergeschirrs befestigt. Das Schaf geht seiner Wege und filmt dabei die Insel in all ihrer spröden Schönheit ab. Damit die Batterie der Kamera länger hält, hat man sie zusätzlich mit einem kleinen Solarpanel ausgestattet. Für die Entwicklung des Geschirrs bedurfte es jedoch der Hilfe eines Spezialisten, der bereits Erfahrung in anderen Tierbeobachtungsprojekten hatte, sagt Andreassen. „Wir haben im April sehr behutsam mit dem ersten Schaf begonnen, denn wir wollten erst einmal sehen, ob der Gurt das Tier vielleicht stört. Aber das Schaf fand das alles völlig uninteressant.“

Mittlerweile seien mehrere Kamera-Schafe auf zwei Inseln im Einsatz. Die ersten Videos kann man auf der Tourismusseite der Faröer und auf deren Youtube-Kanal anschauen, was bereits mehr als 72.000 Menschen taten. Die Kameraperspektive des Videos suggeriert den Ritt auf einer ungemein flauschigen weißen Schäfchenwolke. Im Schafstrott und -galopp geht es dann über Faröer Wiesen und Hügel. Manches Schaf unterbricht die Tour auch plötzlich, um sich intensiver mit dem Gras zu beschäftigen. Das jedoch nimmt Andreassen mit Humor: „Die Schafe laufen eben, wie es ihnen gefällt – wir kartographieren hier also nicht so sehr die Straßen als vielmehr unsere Natur.“ Die Videos und Bilder lädt sie selbst auf Google Street View.

Die Faröer sind nicht die einzige Region der Welt, in die Google Street View bisher noch nicht vorgedrungen ist. 2007 startete der Dienst mit ausgewählten Städten in den Vereinigten Staaten, mittlerweile haben die Autos mit der 360-Grad-Kamera Amerika fast flächendeckend erfasst. Auf der Seite von Google Street View selbst heißt es, „besichtigen Sie Sehenswürdigkeiten in aller Welt“. Mehr als 65 Länder auf sieben Kontinenten könne man einsehen. Hauptfokus liegt dabei jedoch noch immer auf Amerika und Europa. Ein Blick auf den afrikanischen Kontinent genügt, um zu sehen, dass auch hier gerade Mal eine Handvoll Länder erfasst wurde, besonders Zentralafrika für Google Street View noch immer Terra incognita ist.

Dass Google Street View durchaus bereit ist, noch unbekannte Regionen aufzunehmen, zeigte zuletzt ein Projekt im Amazonasdelta. 2011 habe man Kameras auf Booten befestigt, um Aufnahmen des Regenwalds zu machen, heißt es auf dem Projekt-Blog bei Google Street View. Entstanden sei das Projekt damals in Zusammenarbeit mit der Amazonas Sustainable Foundation. Auf ähnlichen Erfolg hofft man auf den Faröern nun durch die Kamera-Schafe.

Die gebürtige Fähringerin Durita Dahl Andreassen hatte bereits seit ihrer Kindheit mit Schafen zu tun. Die Tiere sind nicht nur im Wappen ihrer Heimatinseln enthalten, auch Andreassens Großvater war Schafhirte. „Schafe waren also schon immer Teil meines Lebens“, sagt die junge Frau. So war es für sie auch ein Leichtes, die Schafhirten für ihre Idee zu gewinnen. „Wir haben diejenigen in der spezifischen Region angesprochen, die wir aufnehmen wollten und alle fanden die Idee originell. Sie haben für uns auch die Schafe ausgesucht, die sich am besten für das Projekt eigenen“, sagt Andreassen. Eigentlich war sie wegen der Arbeit nach Kopenhagen gezogen, für das Projekt aber pendelt sie nun wieder vermehrt zwischen der dänischen Hauptstadt und ihrer Heimat.

Auf die ist sie nach wie vor stolz. „Wir machen Dinge hier auf unsere eigene Art. Das war schon immer so, denn wir sind so klein, dass wir auf manchen Karten nicht einmal verzeichnet sind“, sagt Andreassen. Aber daran arbeitet sie ja nun.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Wiesner, Maria
Maria Wiesner
Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.
FacebookTwitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenDahl