Wal im Hafen von Neapel

Ein toter Riese im Mittelmeer

Von Matthias Rüb, Rom
21.01.2021
, 15:23
Auf der Suche nach einem orientierungslosen Walkalb hat die italienische Küstenwache vermutlich den Kadaver des Muttertiers geborgen. Taucher fanden das knapp 20 Meter lange und rund 70 Tonnen schwere Tier in etwa 20 Meter Tiefe.

Der Kadaver eines vor Sorrent verendeten Wals ist in der Nacht zum Donnerstag von der italienischen Küstenwache in den Hafen von Neapel geschleppt worden. Bei dem knapp 20 Meter langen und rund 70 Tonnen schweren Tier dürfte es sich nach Auskunft der Küstenwache um einen der größten Meeressäuger handeln, die jemals im Mittelmeer registriert wurden. Taucher hatten den Wal am Sonntag nahe Sorrent in etwa 20 Meter Tiefe entdeckt, nachdem Anwohner dort ein orientierungsloses Walkalb im Hafenbecken gesichtet und die Behörden informiert hatten. Bei der Suche nach dem Kalb stießen die Taucher auf den Kadaver des Tiers, bei dem es sich offensichtlich um das Muttertier handelte.

Erste Untersuchungen legen nahe, dass sie um den 14. Januar verendet ist. Das Jungtier hat inzwischen ohne fremde Hilfe offenbar wieder das offene Meer erreicht. Es ist unklar, ob es ohne seine Mutter überlebensfähig ist. Meeresbiologen wollen nun bei einer Autopsie die genaue Todesursache feststellen und mittels DNA-Analyse die Herkunft des Tiers sowie dessen Alter ermitteln. Erste Hinweise deuten dabei auf eine Infektion mit einem Masernvirus hin, die sodann zu Lungen- und Hirnhautentzündungen sowie einer allgemeinen Schwächung des Immunsystems führt.

Spuren einer Kollision mit einem Schiff oder andere äußere Verletzungen wurden nicht gefunden. Das bei dem Jungtier beobachtete und mit Handyaufnahmen dokumentierte Verhalten im Hafenbecken deutet darauf hin, dass auch das Walkalb nach einer Infektion mit dem Masernvirus erkrankt sein könnte. Bei Walen im Mittelmeer handelt es meist um einheimische Tiere, mitunter schwimmen aber auch Spezies aus dem Atlantik in das Binnenmeer. Die DNA-Analyse soll das nun klären. Gewöhnlich schwimmen Wale aus dem Atlantik allenfalls bis zu den Balearen ins Mittelmeer. Das Skelett des Wals von Sorrent soll aufbereitet und im Parco Marino di Punta Campanella südwestlich von Sorrent ausgestellt werden.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Rüb, Matthias (rüb)
Matthias Rüb
Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.
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