Studie

Verhalten von Hunden hängt kaum von der Rasse ab

29.04.2022
, 15:34
Hunde-Rassen: Körperliche Merkmale sind definierende Kriterien
Rottweiler sind besonders aggressiv und Golden Retriever ach so lieb? Eine Studie zeigt, dass Verhaltensunterschiede zwischen einzelnen Hunden größer sind als der Unterschied zwischen Rassen. Die Gründe dafür liegen auch in der Hundezucht.
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Die Rasse eines Hundes sagt nur wenig über das Temperament des Vierbeiners aus. Zwar sind einer aktuellen Studie zufolge viele Verhaltensweisen erblich, also etwa ob ein Hund eher verspielt, gelehrig oder wachsam ist. Allerdings sind die Unterschiede zwischen einzelnen Hunden zumeist größer als die zwischen einzelnen Rassen, berichtet ein Team um die Erstautorin Kathleen Morrill von der University of Massachusetts Chan Medical School (Worcester/USA) im Fachmagazin „Science“.

Die modernen Hunderassen seien weniger als 160 Jahre alt – ein Wimpernschlag in der Evolutionsgeschichte im Vergleich zum Ursprung der Hunde vor mehr als 10 000 Jahren, schreiben die Wissenschaftler. Menschen züchteten Hunde seit etwa 2000 Jahren, und zwar die meiste Zeit mit Blick auf die Aufgaben, die sie übernehmen sollten, etwa als Hütehunde, Jagdhunde oder Wachhunde. Erst später seien Hunde nach einem körperlichen Ideal und mit der Vorstellung möglichst reiner Linien gezüchtet worden. Den dabei entstandenen Rassen werden bis heute Verhaltensweisen zugeschrieben, die auch auf ihre ehemaligen Einsatzgebiete zurückgeführt werden.

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Ob das so stimmt, prüften die Forscher nun an einer großangelegten Studie. Sie sammelten Angaben von 18 385 Hundebesitzern zum Wesen und Verhalten ihrer reinrassigen und gemischtrassigen Gefährten. Zudem analysierten sie die genetischen Daten von insgesamt 2155 Hunden und verknüpften sie mit den berichteten Verhaltensweisen der Hunde.

Verhaltensunterschiede zwischen modernen Hunde-Rassen nur gering

Die Auswertung der Befragungsdaten zeigte unter anderem, dass Verhaltensunterschiede zwischen modernen Rassen grundsätzlich nur gering ausgeprägt sind.

Insgesamt identifizierten die Forscher elf Bereiche im Hundegenom, die mit Verhaltensunterschieden in Verbindung stehen. Zwar fanden die Forscher dabei gewisse Muster, aber keine Verhaltensweise, die ausschließlich in einer Rasse zu finden ist. So jaulen etwa Beagles und Bluthunde häufiger, während Border Collies besonders gehorsam sind; es gab aber immer auch Ausnahmen. So gelten Labradore zwar als Rasse, die kaum heult, einige Halter berichteten aber dennoch, dass ihre Tiere das manchmal oder häufig tun. Von Greyhounds sagt man, dass sie ihre Spielzeuge nicht verbuddeln, aber auch dieses Verhalten wurde von einigen Haltern berichtet. Zudem änderte sich das Verhalten mit dem Alter: Welpen vieler Rassen waren etwa so verspielt wie die als besonders Spielzeug-versessen geltenden Schäferhunde.

Die Analyse der Gendaten ergab, dass einzelne Rassen nur sehr wenige genetische Besonderheiten aufwiesen. Die Rasse habe nur einen geringen Wert bei der Vorhersage des Verhaltens eines Hundes, schreiben die Forscher. Die meisten Verhaltensweisen seien zwar erblich, allerdings seien sie durch mehrere Gene sowie durch die Umwelt beeinflusst. Die Rasse allein erkläre nur etwa neun Prozent der Unterschiede im Verhalten einzelner Hunde. Bei einigen Verhaltensweisen, wie etwa der Tendenz zu Heulen oder der Lust am Apportieren fielen die Werte höher aus. Huskys, Beagles oder Bluthunde heulten demnach besonders gerne, Border Collies zeigten sich besonders fügsam.

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„Während die Genetik eine Rolle bei der Persönlichkeit eines individuellen Hundes spielt, ist eine bestimmte Hunderasse kein guter Indikator für diese Züge“, sagt Studienautorin Elinor Karlsson vom Broad Institute der US-Universitäten MIT und Harvard. „Die definierenden Kriterien eines Golden Retrievers sind seine körperlichen Merkmale – die Form seiner Ohren, die Farbe und Beschaffenheit seines Fells, seine Größe – und nicht, ob er freundlich ist.“

Jack hat an der Studie teilgenommen.
Jack hat an der Studie teilgenommen. Bild: dpa

Geselligkeit von Hunden mit Menschen „unglaublich vererbbar“

Bei der Wahl eines passenden Hundes helfe der Blick auf die Rasse insgesamt aber nur sehr bedingt weiter, erläutert Marjie Alonso von The International Association of Animal Behavior Consultants (Cranberry Township, USA). „Die Rasse wird nicht darüber entscheiden, ob wir mit einem Hund glücklich werden oder der Hund mit uns. Das Aussehen sagt einfach wenig darüber aus, wie sich der Hund verhalten wird.“

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Bei ihrer Untersuchung machten die Forscher weitere interessante Entdeckungen. So sei die Geselligkeit von Hunden im Umgang mit dem Menschen „unglaublich vererbbar“, auch wenn sie nicht durch die Rasse bestimmt werde, sagte Studienautorin Kathleen Morrill.

Die Forscher fanden in der DNA der Hunde einen Abschnitt, der vier Prozent der Unterschiede bei Geselligkeit erklärten könnte. Ein vergleichbarer Abschied im menschlichen Erbgut ist demnach verantwortlich für die Bildung des Langzeitgedächtnisses.

Morrill zufolge könnte die Forschung an Hunden auch helfen zu verstehen, wie das menschliche Gehirn sich entwickelt und lernt - und auch ein besseres Verständnis für psychische Probleme und Verhaltensstörungen beim Menschen schaffen. „Wir kratzen da noch an der Oberfläche“, sagte Morrill

Hinweise darauf, dass bestimmte Verhaltensweisen eine Folge der Züchtung der Rassen sind, fanden die Wissenschaftler nicht. Die meisten Verhaltensweisen, die als Merkmale bestimmter moderner Hunderassen angesehen werden, seien höchstwahrscheinlich Tausende Jahre früher entstanden, sagte Seniorautorin Elinor Karlsson in einer Pressemitteilung.

Quelle: dpa / AFP
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