FAZ plus ArtikelJagd in Corona-Zeiten

Systemrelevant hinterm Zielfernrohr

Von Oliver Bock
Aktualisiert am 17.11.2020
 - 15:22
Feuer frei: Damwild, Rehwild, Keilern und Co. geht es, Corona-Pandemie hin, Corona-Pandemie her, auch in dieser Jagdsaison ans Leder.
Gesellschaftsjagden sind ein effektives Mittel zur Begrenzung der Wildbestände. Darauf kann auch während der Pandemie nicht verzichtet werden. Halali, Umtrunk und Jägerlatein sind freilich ausgeschlossen.

Das anrückende Rudel Damwild kündigt sich durch ein leises Rascheln im spätherbstlichen Laubwald an. Gut 80 Meter vor dem Hochsitz zieht das Leittier vorbei. Das Fadenkreuz des Jägers liegt auf dem Körper des nachfolgenden Damwildkalbs. Die ökologisch korrekte, bleifreie Kugel verlässt den Büchsenlauf und bannt die Beute im Knall auf den Waldboden. Das Rudel flüchtet. Jagd vorbei, kein Halali. Kein gemeinsames Legen der Jagdstrecke nach dem Ende der Jagd, keine Signale der Jagdhornbläser, kein Überreichen kleiner Nadelbaumzweige an die erfolgreichen Jäger, kein „Schüsseltreiben“ zum geselligen Abschluss, kein Umtrunk, kein Jägerlatein.

Die traditionelle Gesellschaftsjagd im Herbst und Winter ist unter stark veränderten Vorzeichen auch in Corona-Zeiten unverzichtbar, denn sie gilt als besonders effiziente Jagdform, um mit einem vergleichsweise geringen Aufwand den Wildbestand im Zaum zu halten. Notwendig ist die Jagd nicht nur wegen der vielen Wildschweine und der deshalb hohen Gefahr durch die Afrikanische Schweinepest, die in Brandenburg und Sachsen längst deutschen Boden erreicht hat.

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Quelle: F.A.Z.
Oliver Bock - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Oliver Bock
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.
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