<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Eine sanftmütige Dame

Lady Gaga, die schönste deutsche Kuh, ist tot

Von Alfons Kaiser
Aktualisiert am 06.12.2019
 - 17:11
Lady Gaga, die schönste schwarzbunte Kuh Deutschlands, mit ihrem Besitzer Henrik Wille auf seinem Hof in Essen bei Cloppenburg.
Breite Brust, straffes Euter und großes Herz. Lady Gaga erreichte Spitzenwerte, von denen andere Bauern und ihre Kühe nur träumen konnten. Jetzt ist die schönste unter den Schwarzbunten gestorben. Ein Nachruf.

Sie war groß, sie war stattlich, sie war imponierend: Und das war nur der erste Eindruck, den man von Lady Gaga haben durfte, wenn man das Glück hatte, sie kennenzulernen. Der zweite Eindruck war noch positiver. Denn die gutherzige Dame, 1,67 Meter groß, also zwölf Zentimeter größer als ihre singende Namensvetterin, riss nicht am Strick und ließ sich kinderleicht führen. Lady Gaga war die Sanftmut in Person.

Nun ist sie nicht mehr. Lady Gaga, geboren am 17. September 2006, Herdbuch-Nummer FR5454809453, ist am Dienstag verendet, im Alter von 13 Jahren. Und das betrübt nicht nur ihre Besitzer Henrik Wille und Friedrich Köster. Das reißt auch eine Lücke in der internationalen Community der Holstein-Züchter.

Denn die Tochter von Regancrest-LH Modest aus Iowa und Enkeltochter von Comestar Lheros aus Quebec in Kanada gewann nicht nur die Schau der Besten in Verden (2016) und viele internationale Titel. Sie wurde auch zweimal zur schönsten Kuh Deutschlands gekürt, im Juni 2015 und im Juni 2017 – das hatte in der Geschichte des Deutschen Holstein-Verbands zuvor nur eine geschafft. Ihre 97 Punkte in der Exterieurbewertung waren ein Spitzenwert, der sogar in den Vereinigten Staaten und in Kanada selten erreicht wird. Dort waren die aus Holstein stammenden Kühe einst hochgezüchtet worden, und Sperma-Importe aus Amerika brachten auch die Schwarzbunten in Europa wieder auf internationales Niveau.

An Lady Gaga war wenig auszusetzen: der Körperbau robust, die Brust so breit, dass ein großes Herz darin die Milchproduktion anschieben konnte, die Klauen gesund, das Euter hoch aufgehängt, die Milchadern schön ausgeprägt, der Euterboden auch nach acht Kälbern noch auf Höhe des Sprunggelenks. Und das bei einer Durchschnittsleistung von stets mehr als 10.000 Litern Milch pro Jahr und einer Lebensleistung von 125.000 Litern.

Zur Belohnung ließ Henrik Wille sie auf seinem Hof in Essen bei Cloppenburg im alten Hofgebäude leben. Sie musste nicht zu den anderen 100 Kühen in den Boxenlaufstall nebenan, sondern lag auf frischem Stroh und sauberen Sägespänen, umsorgt wie eine liebe Erbtante. Alle paar Tage wurde sie gewaschen, Silo, Mais, Heu, Kraftfutter waren zum freien Verzehr angerichtet. „Je zufriedener die Kuh, desto mehr Milch gibt sie“, meint Wille, der mit Lady Gaga bewies, dass man Kühe nicht nach der zweiten oder dritten Laktation zum Schlachten bringen muss: Langlebigkeit sollte ein wichtiges Zuchtziel sein.

Wille nannte sie „Mäuschen“, und schon diese Metapher zeigte, dass er sie nicht nur als Macherin schätzte. Ihre Leistung bleibt – aber ihr Charakter ist ebenfalls unvergessen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Kaiser, Alfons
Alfons Kaiser
Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.
Facebook
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.