Panne am Cern

Wiesel legt „Large Hadron Collider“ lahm

30.04.2016
, 13:06
Im LHC-Tunnel hat ein Wiesel jede Menge Auslauf.
Das kleine Kerlchen hatte am Freitag einen Kurzschluss im Tunnel des Teilchenbeschleunigers am europäischen Forschungszentrum Cern bei Genf ausgelöst. Wie es in die streng bewachte Anlage eindringen konnte, ist unklar.
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Der größte Teilchenbeschleuniger der Welt ist von einem kleinen Raubtier lahmgelegt worden: Ein Wiesel sei in den unterirdischen Tunnel des 27 Kilometer langen „Large Hadron Collider“ (LHC) eingedrungen und habe einen Kurzschluss ausgelöst, verzeichnet das Arbeitsprotokoll des europäischen Forschungszentrums Cern bei Genf. Die Anlage musste daraufhin den Betrieb einstellen, wie Cern-Sprecher Arnaud Marsollier dem britischen Sender BBC sagte.

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Der Eindringling überlebte seinen Ausflug in eine 66-Kilovolt-Transformator-Anlage des Beschleunigers nicht. Er wurde von einem Stromschlag getötet. Bis die Folgen des Kurzschlusses behoben sind und der LHC wieder hochgefahren werden, könnten nach Einschätzung des Sprechers einige Tage vergehen.

Wie kam das Wiesel in den LHC-Tunnel

Wiesel und Steinmarder sind dafür berüchtigt, dass sie Autos lahmlegen, indem sie Kabel durchbeißen. Wie das Tier in die streng bewachte Cern-Beschleunigeranlage nördlich von Genf gelangen konnte, war auch am Samstag noch unklar. Die Tatsache an sich sei aber nicht unbedingt verwunderlich, erklärte Marsollier: Die Forschungseinrichtung liege halt in einer eher ländlich geprägten Region zwischen dem französischen Jura und dem Genfer See.

Putziges Kerlchen mit großer Wirkung: Im CERN hat ein Marder einen Kurzschluss ausgelöst.
Putziges Kerlchen mit großer Wirkung: Im CERN hat ein Marder einen Kurzschluss ausgelöst. Bild: dpa

Der Large Hadron Collider war im Juni 2015 nach umfangreichen Modernisierungsarbeiten wieder in Betrieb genommen worden. Zuvor hatten die Cern-Wissenschaftler mit Hilfe des LHC die Existenz des Higgs-Boson nachgewiesen, des wichtigsten Elementarteilchens im Standardmodell der Materie. Mit dem runderneuerten LHC suchen sie nach Hinweisen für die Existenz von Dunkler Materie.

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Suche nach den letzten Fragen der Physik

Eigentlich sollte der LHC dafür drei Jahre lang rund um die Uhr laufen. Die Kollisions-Energie, mit der die fast auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigten Teilchen aufeinanderprallen, beträgt nun 13 Teraelektronenvolt (TeV) nahezu doppelt so viel wie im alten LHC.
Damit können viel mehr Zerfallsprodukte von Elementarteilchen untersucht werden als früher.

Dass die Forscher nun durch den Marder ausgebremst wurden, wird im LHC-Protokoll so kommentiert: „Not the best week for LHC!“ (Nicht die beste Woche für den LHC!) Für den letzten ähnlichen Zwischenfall im Cern war im November 2009 ein Vogel „verantwortlich“. Wie damals eine Cern-Sprecherin bestätigte, hatte er Brotstücke fallengelassen, die in einer elektrischen Anlage unweit der Cern-Gebäude einen Kurzschluss auslösten. Davon war das Kühlsystem des Beschleunigers betroffen, so dass die Temperatur zu stark anstieg. Der Vogel sei unverletzt entkommen, habe aber sein Essen eingebüßt, erklärte die Sprecherin damals.

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Quelle: F.A.Z.net/dpa/mli
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