Lagerhalle in Spanien

Ein riesiger Zoo der toten Tiere

Von Hans-Christian Rößler, Madrid
11.04.2022
, 16:45
Spanien, Valencia: Beamte der Guardia Civil untersuchen und dokumentieren eine Vielzahl ausgestopfter Tiere, die sie in einer Lagerhalle entdeckt haben.
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Die Sammlung reichte von Eisbären und Elefanten über Löwen und Nashörnern: In einer Lagerhalle hat die spanische Polizei 1090 ausgestopfte Tiere entdeckt. Fast die Hälfte der Tiere steht unter Naturschutz.
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Als sich die Tore öffneten, fanden sich die Beamten in einem riesigen Zoo der toten Tiere wieder. Auch am Montag hatten sie damit zu tun, sich einen Überblick zu verschaffen. Nach monatelangen Ermittlungen waren Sonderermittler der Guardia Civil in der Kleinstadt Bétera, rund 20 Kilometer nordwestlich von Valencia, auf 1090 ausgestopfte Tiere gestoßen. Ihr Wert wird auf mehr als 29 Millionen Euro geschätzt. „Das ist der größte Fund geschützter Arten auf nationaler Ebene und einer der größten in Europa“, teilte die spanische Polizei mit.

Die Entdeckung ist vor allem wegen der großen Zahl der Exemplare beunruhigend, die durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen über den Handel mit gefährdeten Arten frei lebender Tiere und Pflanzen (Cites) geschützt sind. Insgesamt waren es 405, von denen einige ausgestorben sind, wie das Präparat einer Säbelantilope, die einst in der Sahara lebte. Die Polizisten fanden auch ein Exemplar der Mendesantilope, die auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN steht. Von ihr haben weniger als 100 Exemplare in freier Wildbahn überlebt. Ähnlich bedroht sind bengalische Tiger, deren Lebensraum immer weiter schrumpft. Zu den Präparaten zählten neben dieser Tigerart laut Guardia Civil auch weitere Tiere mit unterschiedlichen Schutzstufen wie Leopard, Löwe, Gepard, Eisbär, Schneeleopard, Breitmaulnashorn und Luchs. Dazu kamen 198 Stoßzähne von Elefanten. Mehrere Hundert Fundstücke müssen erst noch identifiziert werden.

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Elefant, Löwe und Co
Riesiger Bestand an präparierten Wildtieren entdeckt
Video: Reuters, Bild: dpa

Die Präparate wurden zum größten Teil in einer 50.000 Quadratmeter großen Halle entdeckt, deren Größe sieben Bundesliga-Fußballfeldern entspricht. Sie war wie ein Museum mit Naturszenen an den Wänden gestaltet. Bei der Durchsuchung wurden auch Hocker aus Elefantenbeinen, ein Sofa mit Krokodilhaut und andere Möbelstücke gefunden.

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Ermittlungen dauern an

„Wir dachten, die Sammlung würde groß sein, aber als wir die Halle betraten, übertraf sie unsere Erwartungen bei Weitem. Es war eine danteske Szene“, sagte der Leiter der Polizeieinheit Seprona in Valencia. Die Operation Valcites, deren Namen auf das Artenschutzabkommen Cites anspielt, lief schon seit dem vergangenen November. Damals hatten die spanischen Ermittler einen ersten Hinweis auf die Sammlung erhalten. Auch die europäische Polizeibehörde Europol unterstützte sie bei ihrer Arbeit.

Unter den Funden waren auch Stoßzähne.
Unter den Funden waren auch Stoßzähne. Bild: dpa

Vor wenigen Tagen war nach spanischen Presseberichten ein Ermittlungsverfahren gegen einen der Söhne eines bekannten valencianischen Geschäftsmannes wegen Schmuggels und des Verstoßes gegen den Artenschutz eröffnet worden; ihm könnte eine mehrjährige Freiheitsstrafe drohen. Der Beschuldigte habe mitgeteilt, er habe den größten Teil der Sammlung von seinem Vater geerbt. Die Polizei selbst machte keine näheren Angaben und teilte nur mit, dass sie die Dokumente überprüfe, die der Eigentümer vorgelegt habe. „Der schwierige Teil der Operation beginnt erst jetzt“, heißt es in Valencia. Die Beamten versuchen herauszufinden, wie die getöteten Tiere aus so weit entfernten Ländern wie Kanada, Iran, Afghanistan und Sibirien nach Spanien gelangen konnten, ohne dass der Zoll oder Präparatoren misstrauisch wurden. Am Ende könnten sie wegen ihres guten Erhaltungszustands in einem naturkundlichen Museum landen, das dann auch der Öffentlichkeit zugänglich ist.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Rößler, Hans-Christian
Hans-Christian Rößler
Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.
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