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Heimliche Videoaufnahmen

Tausende Schafe qualvoll auf australischem Frachtschiff verendet

Von Tanja Unterweger
 - 14:37
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Auf einem Frachtschiff, das australische Schafe lebend nach Qatar transportieren sollte, sind im Sommer 2017 laut dem australischen Landwirtschaftsministerium rund 2400 Tiere qualvoll verendet. Heimliche Aufnahmen von Bord zeigen Schafe in ihren eigenen Fäkalien liegend, krank und eng aneinander gedrängt. Die australische Regierung ordnete nun eine Untersuchung der Bedingungen für Tiere auf Frachtschiffen an.

Ans Licht gekommen waren die besorgniserregenden Zustände durch ein Video der leidenden und an der Hitze in den Frachträumen verendenden Schafe an Bord des Transportschiffs Awassi Express, aufgenommen von einem Informanten und ausgestrahlt in der australischen Fernsehsendung „60 Minutes Australia“ am Sonntag. Das von einem auszubildenden Steuermann des Schiffs gefilmte Videomaterial zeigte australischen Bauern dem Bericht zufolge erstmals, was mit ihren Tieren auf deren Weg über das Meer passiert.

Laut der australischen Tierschutzorganisation „Animals Australia“ handelt es sich nicht um einen Einzelfall. 60 Jahre lang sollen Schafe auf Exportschiffen, die sie lebend in die ganze Welt fahren, unsägliche Qualen gelitten haben. „Animals Australia“ spricht von 100.000 Litern Urin und Fäkalien, die sich auf den Transportschiffen auf See jeden Tag ansammeln und in welchen die Tiere tage- und wochenlang leben, bis das Schiff im nächsten Hafen angelegt hat. Insbesondere im Sommer seien die Zustände katastrophal, berichtet die Tierschutzorganisation. Wenn die Temperaturen steigen und die Tiere sich ermüdet von den Strapazen hinlegen, laufen sie demnach gar Gefahr, von Exkrementen begraben zu werden. Infolge der heißen, sommerlichen Temperaturen und dem Ammoniak in der Luft würden die Tiere auf den Transporten erst ohnmächtig, bevor sie „buchstäblich lebend gekocht“ werden, so Animals Australia.

Die heimlich aufgenommenen Bilder zeigen auch Lämmer, die an Bord geboren werden. Sie liegen am von Fäkalien bedeckten Boden des Schiffes. Solche Geburten auf See sind eigentlich gesetzlich verboten, die Transportunternehmen sind dazu verpflichtet, mittels Ultraschall sicherzustellen, dass keines der Schafe vor dem Transport trächtig ist. Laut „Animals Australia“ käme kaum eines der auf dem Schiff geborenen Lämmer lebend an Land. Sterben die Tiere nicht an den Folgen der unhygienischen Zustände, schlitzen ihnen „verzweifelte Besatzungsmitglieder“ nach Angaben der Organisation die Kehle auf.

Mit all diesen Informationen sind die Transporte in den Mittleren Osten nach Einschätzungen der Tierrechtsorganisation nicht nur grausam, sondern auch illegal. Die heimlich erstellten Videoaufnahmen würden den Beweis dafür liefern. Das australische Landwirtschaftsministerium fordern sie auf, umgehend zu handeln, da bestehende Gesetze nicht eingehalten wurden. Die Lebendtransporte hielten neben australischen Gesetzen auch die international geltenden Standards der „World Animal health organisation“ (OIE) nicht ein, da es den Tieren selbst am Nötigsten, wie beispielsweise Wasser, Futter, Platz und medizinischer Versorgung, mangele.

Der australische Landwirtschaftsminister David Littlerproud zeigte sich gegenüber dem amerikanischen Fernsehsender ABC bestürzt. Auf den Schiffen befänden sich die Existenzen australischer Bauern – „das ist ihr ganzer Stolz und ihre Freude“, so Littleproud. Er habe eine Untersuchung der Zustände angeordnet.

Das Schiff, dessen leidende Fracht gefilmt wurde, liegt laut der Sendeanstalt von „60 Minutes Australia“ derzeit in Fremantle im Westen Australien vor Anker und warte auf eine neue Lieferung von mehr als 60.000 Schafen. Nicholas Daws, Direktor des Unternehmens Emanuel Exports, gab in einem Statement an, das Unternehmen würde umgehend Maßnahmen ergreifen, um Vorfälle wie jenen im August 2017 zu vermeiden. Die Ladung auf künftig auslaufenden Schiffen sei beispielsweise um 17,5 Prozent geringer.

Das Ziel von „Animals Australia“, 175.000 Unterstützungserklärungen gegen die Transporte in den Mittleren Osten zu sammeln, hat die Tierrechtsorganisation beinahe erreicht. Mehr als 160.000 Menschen haben sich auf der Homepage der Organisation gegen die Transporte ausgesprochen. Auch die „Western Australian Farmers Federation“ (WAFarmer) zeigte sich geschockt. WAFarmers-Präsident Tony York gab an, dass, sollten sich die Zustände nicht verbessern, Schiffe mit lebendiger Fracht nicht länger auslaufen dürften. Die Industrie in Westaustralien fußt primär auf Lebendexporten, wie die New York Times berichtet. Im Gegensatz zu anderen australischen Regionen würden die Tiere hier weit seltener vor Ort geschlachtet.

Quelle: FAZ.NET
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