Stuttgart senkt Gebühren

Weniger Steuern für einen Tierheimhund

Von Rüdiger Soldt
06.03.2020
, 17:14
Max und Moritz: Die beiden Yorkshire-Terrier wurden im Tierheim Stuttgart gepflegt, nachdem sie ausgesetzt worden waren. Die Stadt hofft, dass durch die neue Regel mehr Menschen einen Hund aus den überlasteten Tierheimen nehmen.
Die baden-württembergische Hauptstadt will finanzielle Anreize setzen: Damit weniger Leute sich einen Hund vom Züchter holen, senkt Stuttgart den Steuersatz für Tierheimhunde.
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Ausgerechnet die Kehrwochenstadt Stuttgart will neuerdings hundefreundlicher werden: Wer seinen Hund aus einem Tierheim holt und nicht vom Züchter, bekommt von der baden-württembergischen Landeshauptstadt künftig einen Hundesteuer-Sondertarif. Er zahlt statt 108 Euro im Jahr nur noch 54 Euro. Der Spartarif gilt nur für den Ersthund und auch nicht für sogenannte Kampfhunde. Wer sich einen Hund zur Abschreckung und Einschüchterung der Mitbürger hält, muss auch weiterhin richtig tief ins Portemonnaie greifen: In Stuttgart zahlt er dann 612 Euro pro Jahr.

Die Änderung der Hundesteuersatzung geht auf einen Initiative der grünen Gemeinderatsfraktion zurück. Zunächst diskutierte man, die Hundesteuer nur im ersten Jahr nach der Abholung aus dem Tierheim zu reduzieren, dann entschied man, die Ermäßigung für das gesamte Hundeleben zu gewähren. Damit wollen die Grünen vor allem die Vermittlung von herrenlosen Hunden aus dem Tierheim erleichtern: Bislang entscheiden sich pro Jahr nur etwa 200 Stuttgarter für einen Tierheim-Hund; die meisten Hundeliebhaber kaufen ihre Begleiter immer noch beim Züchter.

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In zehn Jahren, das haben die Kommunalpolitiker berechnet, fehlen im städtischen Etat Stuttgarts dann Einnahmen aus der Hundesteuer in Höhe von 108.000 Euro, dabei muss man allerdings berücksichtigen, dass auch das Tierheim von der Stadt jährlich mit etwa 500.000 Euro subventioniert wird. In den meisten Städten Deutschlands gibt es eine Hundesteuerbefreiung nur für Blinden- oder Zivilschutzhunde.

Die Fachleute in den Tierheimen weisen darauf hin, dass die Hundesteuer nur einen geringen Anteil der Hundehaltungskosten ausmacht: Tierärztliche Behandlungen, Futter oder Medikamente sind häufig um ein Vielfaches höher als die Hundesteuer-Jahresgebühr. Viele Tierheime verlangen für das Kastrieren, die Impfung, tierärztliche Untersuchung sowie das „Chippen“ des Tieres schon beim Abholen aus dem Heim eine Gebühr von 300 Euro. Ob die überfüllten Tierheime sich durch die neue Hundesteuerpolitik tatsächlich leeren, werden erst die nächsten Jahren zeigen.

In vielen deutschen Städten ist in den vergangenen Jahren an der Hundesteuer-Schraube zugunsten von Tierheim-Hunden gedreht worden: Im hessischen Eschborn entfällt die Hundesteuer im ersten Jahr nach der Abholung aus dem Tierheim. Mannheim, Tübingen, Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt haben ebenfalls Steuerbegünstigungen in der Hundesteuersatzung beschlossen. Zwischen 40 bis 50 neue Hundehalter beantragen dort jährlich die Steuerbefreiung. In vielen Städten kam der Anstoß zur Verbesserung des Tierschutzes von grünen Kommunalpolitikern.

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Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Soldt, Rüdiger
Rüdiger Soldt
Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.
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