Weltnaturerbe bedroht

Sorge vor neuer Korallenbleiche am Great Barrier Reef

Von Till Fähnders, Singapur
18.03.2022
, 14:33
Das Hardy Reef nahe der Whitsunday Islands
Die Meerestemperatur rund um das größte Korallenriff ist derzeit überdurchschnittlich hoch. Das setzt die Korallen unter „Stress“ und könnte zu einer Bleiche führen – der vierten in nur sechs Jahren.
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Kurz vor dem Besuch einer UNESCO-Expertenkommission, die sich über den Zustand des Great Barrier Reef in Australien informieren soll, schlägt die zuständige Behörde wegen einer neuen Korallenbleiche an dem Weltnaturerbe Alarm. Die überdurchschnittlichen Temperaturen in den oberen Meeresschichten im März setzten die Korallen unter „Stress“, der zu einer Bleiche und im schlimmsten Fall sogar zu einem Absterben führe, sagte der Chefwissenschaftler der Marineparkbehörde, David Wachenfeld, am Freitag in seinem Bericht über die Lage des Riffs. Die Behörde habe deshalb begonnen, den Zustand des Naturwunders aus der Luft zu prüfen.

Bisher sei etwa die Hälfte des mehr als 2300 Kilometer langen Riffsystems untersucht worden, zunächst im besonders betroffenen Mittelteil sowie im hohen Norden, wo die Lage besonders unklar gewesen sei. „Wir haben ausgedehnte, aber variable Bleichen in diversen Regionen entdeckt“, sagte Wachenfeld. Die Auswirkungen auf das Riff reichten von „geringfügig bis schwerwiegend“. Fachleute befürchten eine neue Massenbleiche, die sechste insgesamt und die vierte in nur sechs Jahren nach 2016, 2017 und 2020.

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Kampf gegen den Klimawandel entscheidend

Der Lagebericht wurde nur wenige Tage vor dem geplanten Besuch einer Delegation der UNESCO veröffentlicht, die sich in Australien über den Zustand des Riffs und die Maßnahmen der Regierung zu seinem Schutz informieren soll. Die Regierung in Canberra will die UN-Organisation davon abbringen, das Riff als „gefährdet“ herabzustufen, weil es sich von einer solchen Einstufung unter anderem negative Auswirkungen auf den Tourismus erwartet.

Canberra bezeichnet das Naturwunder als das Riff „mit dem besten Management“ der Welt. Die Regierung hat Investitionen in den Riffschutz von einer Milliarde Dollar in den kommenden neun Jahren auf den Weg gebracht. Umweltschützer kritisieren aber die unzureichenden Klimaschutzmaßnahmen der Regierung, die weit unter dem blieben, was notwendig sei, um die Klimaerwärmung unter dem Ziel von 1,5 Grad Celsius zu halten. Fachleute sehen die Erderwärmung als entscheidenden Faktor für die wiederkehrenden Korallenbleichen an dem weltberühmten Riffsystem.

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Australien gehört zu den weltweit größten Pro-Kopf-Emittenten von Kohlendioxid und zu den führenden Kohleexporteuren. Die Regierung in Canberra hatte sich zwar bei der Klimakonferenz in Glasgow erstmals auf das Erreichen der Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 festgelegt, aber an seinen bestehenden Einsparzielen bis zum Jahr 2030 festgehalten.

Bei besseren Bedingungen könnte das Riff sich erholen

Die Temperaturen rund um das größte Korallenriff der Welt hätten in der vergangenen Woche zwischen einem halben Grad und zwei Grad, in manchen Gebieten sogar bis zu vier Grad über dem üblichen März-Durchschnitt gelegen, sagte Wachenfeld. Das Problem habe sich seit Anfang des Monats noch verstärkt, was ungewöhnlich für diese Jahreszeit sei, wenn in Australien der Herbst beginnt und es kühler wird.

Im Fall einer Bleiche verlieren die Korallen ihre grünlich-braune oder auch bunte Färbung, wenn sie unter Stress die Algen abstoßen, mit denen sie normalerweise in Symbiose leben. Dadurch fehlt es den Korallen an Nährstoffen. Der Wissenschaftler Wachenfeld erklärte, dass gebleichte Korallen aber noch am Leben seien und sich wieder erholen könnten, sofern sich die Bedingungen verbesserten. Die am schlimmsten betroffenen Gebiete befänden sich derzeit außerhalb der Stadt Townsville. In den Touristengebieten bei Cairns und Port Douglas sei derzeit keine schwerwiegende Beeinträchtigung der Korallen festzustellen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Fähnders, Till (fäh.) (Bild)
Till Fähnders
Politischer Korrespondent für Südostasien.
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