Baumkauf

Charakterdarsteller im Garten

Von Birgit Ochs
16.04.2013
, 09:35
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Ob Buche, Eiche oder Obstgehölz - im Garten sind stattliche Bäume gefragt. Sie sollen Format haben, ausdrucksstark sein und dicke Früchte tragen. Doch solche Exemplare sind keine Massenware.
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Der Kunde aus Prag kam mit klaren Vorstellungen. Der Baum, den er suchte, sollte nicht nur der perfekte Kletterbaum sein, sondern obendrein stabil genug, um ein Baumhaus tragen zu können. Die Wahl fiel auf eine Buche: 11 Meter hoch, mit einem Stammumfang von mehr als 130 Zentimetern am unteren Ende und einem Kronendurchmesser von fast 10 Metern. Um die 30 000 Euro zahlte der Käufer. Die Baumschule Lorberg bei Berlin, in deren Bestand er fündig geworden war, lieferte ihm das stattliche Exemplar nach Hause - per Tieflader.

“Wir haben dem Mann nicht nur einen Baum verkauft, sondern auch Zeit“, sagt Johannes Grothaus, der die Geschäfte von Lorberg mit leitet. Rund 50 Jahre hat der Baum gebraucht, um zu werden, wie er ist. So lange kann nicht warten, wer seinem Sohn noch zur Kinderzeit ein Baumhaus schenken will.

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Doch nicht nur Baumhausbauherren haben ein begrenztes Zeitfenster. Auch sonst scheinen immer mehr private Gartenbesitzer die Freude am langsamen Wachsen und Gedeihen zu verlieren. Die Hainbuchenhecke soll möglichst hoch und blickdicht sein, der Apfelbaum garantiert dicke Früchte tragen und die Eiche unter ihrer mächtigen Krone zum Verweilen einladen. Nicht erst eines fernen Tages, sondern sofort.

Trend zum Instant-Garten

Zudem herrscht mittlerweile bei vielen die Vorstellung, dass jeder Baum und jede Heckenpflanze in der gewünschten Größe das ganze Jahr über erhältlich seien - so wie Zahnpasta oder Brot. Der Trend geht zum Instant-Garten. „Die Leute nehmen sich immer weniger Zeit“, stellt Grothaus fest.

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Anders als es das Sprichwort nahelegt, ist es kein Problem, einen alten Baumschulbaum zu verpflanzen. Denn diese werden im Schnitt aller vier Jahre umgesetzt. Durch das Verschulen, wie der Fachterminus heißt, bilden sich sehr feine Wurzeln. Dadurch kann die Pflanze problemlos an einen neuen Standort umziehen. Manche Bäume werden von mehreren Generationen von Baumschulern gepflegt, ehe sie einen Käufer finden. Dann allerdings haben sie einen entsprechend hohen Preis, der deutlich höher liegen kann als der, den der Käufer aus Prag für die Buche zahlte.

Einen alten Baum verpflanzt man nicht? Von wegen. Die Baumschulbäume werden alle vier Jahre umgesetzt. Daher bilden sie nur feine Wurzeln.
Einen alten Baum verpflanzt man nicht? Von wegen. Die Baumschulbäume werden alle vier Jahre umgesetzt. Daher bilden sie nur feine Wurzeln. Bild: Mutter, Anna

Wer die nötigen finanziellen Mittel besitzt, investiert in ein Gehölz von Format, das dem eigenen Garten eine besondere Note verleiht. Nicht von ungefähr heißt denn auch die Parzelle, auf der die Baumschule Lorberg ihre Baum-Unikate präsentiert, „Theater“. Dessen Charakterdarsteller sind Katharina von Ehren bestens vertraut. Als Spross der Hamburger Baumschuldynastie von Ehren kennt die Gartenbauingenieurin nicht nur den Familienbetrieb, sondern auch den Bestand der Konkurrenz. Seit die 46 Jahre alte Baum-Expertin vor gut zwei Jahren nach einem Zwist aus der Baumschule von Ehren ausschied und sich selbständig machte, spürt sie für ihre Kunden ganz besondere Bäume auf.

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Kreativität der Baumschulen

Die Idee dazu brachte sie aus den Vereinigten Staaten mit. Tree-Broker nennen sich dort die Pflanzenhändler, die sich in der Regel nahe der großen Baumschulen ansiedeln, im Auftrag von Kunden oder auch spekulativ Bäume erwerben, die sie weiterverkaufen. Auch in Nordamerika ist das ein Ausnahmeberuf. In Deutschland sind Katharina von Ehren und ihre Geschäftspartnerin Maike Rohde die einzigen Tree-Broker. Nicht nur am heimischen Markt, sondern auch in Dänemark und den Beneluxstaaten reisen sie regelmäßig von Plantage zu Plantage, um auf dem Laufenden zu sein.

“Die Kreativität der einzelnen Baumschulen ist riesig“, sagt Katharina von Ehren und präsentiert auf ihrem Tabloid Raritäten wie jenen sieben Meter hohen Hügel aus Eiben, der mit einem Durchmesser von fast 20 Metern ein gewaltiges Ausmaß hat. Da finden sich 70 Jahre alte Blutbuchen, die allein schon ihres schwarzen Laubs wegen besonders wirken, von den Baumschulern aber zudem noch in Bienenkorbform geschnitten wurden. Weiter gibt es fünfzigjährige Thujen, die wie Kegel auf dem Feld stehen, Eisenholzbäume, deren Kronen Kästen gleichen, Hainbuchen mit mehreren Stämmen, die sich malerisch umeinander winden, prächtige Birnbäume.

Obst ist eindeutig im Trend. Nicht nur als einzelner Blickfang sind Kernobstgewächse begehrt. Immer häufiger sollen sie in großen wie kleinen Gärten Spalier stehen. So liefern sie nicht nur leckere Früchte zur Erntezeit, sondern teilen auf charmante Weise Grundstücke und schirmen Terrassen von den Blicken der Nachbarn ab.

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Obstbäume und Kiefer sind gefragt

Die Begeisterung für Obstbäume rührt aus dem allgegenwärtigen „Zurück zur Natur“. Je komplizierter, künstlicher und digitaler die Welt einerseits wird, desto mehr wächst andererseits die Sehnsucht nach etwas, das man für natürlich hält. Dazu zählen heimische Arten. „Die sind besonders gefragt“, bestätigt Jan-Dieter Bruns. Seine Baumschule im niedersächsischen Bad Zwischenahn gilt unter den etwa 3000 hiesigen Anbietern als die größte.

Dicke Früchte: Spalier stehende Obstbäume sind derzeit besonders gefragt.
Dicke Früchte: Spalier stehende Obstbäume sind derzeit besonders gefragt. Bild: Lüdecke, Matthias

Befragt nach einem Modebaum, nennen Baumschuler wie Bruns die Kiefer. Das Gehölz ist nicht nur robust und hält deshalb auch den strammen Wintern auf der nördlichen Halbkugel stand. In den Baumschulen kann man ihm zudem einen Schnitt verpassen, der ihn zum Beispiel wie eine Pinie aussehen lässt. Das ist dann zwar nicht mehr ganz so natürlich, aber wer nimmt es schon so genau, wenn der Baum etwas italienisches Flair in den deutschen Garten zaubert.

Bäume nach dem Geschmack der Kunden zu trimmen zählt zum Hauptprogramm der Baumschulen. Denn die hiesige Nachfrage nach Formschnitten (Topiary) ist derzeit ausgesprochen hoch. „Das wird aber wieder nachlassen“, erwartet Bruns. Noch allerdings stehen in seiner Baumschule Legionen kugeliger Buxbäume in großen Töpfen. Das Containern, wie die Baumschuler es nennen, wenn Bäume statt in der Erde im Plastiktopf wachsen, hat einen großen Vorteil: Dank dieser Methode ist das ganze Jahr über Saison. Anders als Erle, Bux und Kirsche, die in der Erde wachsen, können Container-Pflanzen auch außerhalb der vegetationsfreien Zeit verpflanzt werden. Denn der eigentlich obligatorische Wurzelschnitt, den die Bäume erhalten, ist bei ihnen nicht nötig.

Nicht alle betrachten das Containern als Segen. „Wir kommen völlig von der Zeitschiene der Natur ab“, klagt Christoph Dirksen von der Baumschule Ley im Rheinland. Ein im Herbst gepflanzter Baum kann in Ruhe anwachsen und muss im Sommer nicht unentwegt gewässert werden. „Das tut ihm gut, er gedeiht wunderbar und macht weniger Arbeit“, sagt Dirksen.

Auswählen und pflanzen

Gute Planung Welcher Baum passt auf das Grundstück? Soll der Garten insgesamt umgestaltet werden? Um diese Fragen zu klären, zieht der Laie am besten einen Gärtner oder Gartenarchitekten zu Rate. Der hilft, das passende Gehölz zu finden, weiß, welche Vorbereitungen nötig sind und was die richtige Tiefe ist, um den Baum zu pflanzen.

Aus dem Vollen schöpfen Auch wenn die Baumschulen das ganze Jahr verkaufen, am üppigsten ist das Sortiment im Herbst. Pflanzzeit .

Die Natur lässt sich oft austricksen Doch für viele Bäume gibt es optimale Zeiten, um sie zu setzen. Grundsätzlich gilt die Zeit nach dem Laubfall bis Anfang Mai als günstig. Zedern und andere immergrüne Nadelhölzer setzt man am besten im September. Eichen schätzen es, erst spät im November umgesetzt zu werden. Obstbäume sollte man bis Ende März gepflanzt haben. Das hängt aber auch von der Witterung ab. Am besten mit dem Gärtner besprechen.

Akklimatisieren Damit der Baum gut anwächst, braucht er etwas Pflege. Baumschuler empfehlen einen leichten Grundschnitt.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Ochs-Koffka, Birgit
Birgit Ochs
Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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