Garmisch-Partenkirchen

Alle Vermisstenfälle des Zugunglücks geklärt

05.06.2022
, 19:18
Mit einem Kran wird einer der verunglückten Wagen geborgen.
Nach dem Unglück in Bayern wurden alle Opfer identifiziert, die Aufräumarbeiten werden Pfingstmontag wieder aufgenommen. Verkehrsminister Wissing versprach eine umfangreiche Untersuchung der Unfallursachen.

Nach dem schweren Zugunglück von Garmisch-Partenkirchen hat die Polizei bis zum Pfingstsonntag alle Vermisstenfälle klären können. Die Aufräumarbeiten an der Unglücksstelle wurden derweil unterbrochen. Am Montag soll es weitergehen.

Ein Waggon war am Sonntag zerteilt und eine Hälfte davon abtransportiert worden, wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn sagte. Die entgleisten Wagen müssen zerlegt werden, damit sie überhaupt über die Straße mit Tiefladern weggefahren werden können. Die Unglücksstelle sei „gesichert, abgesperrt und bewacht“, sagte ein Sprecher der Polizei. Am Pfingstmontag in der Früh werde weitergearbeitet.

Mittlerweile wisse man von allen Menschen, die seit Freitagnachmittag als vermisst gemeldet worden waren, wo sie sind, teilte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd am Sonntag mit. Am Samstagmittag galten noch sieben Menschen als vermisst.

Wie die Beamten am Sonntag außerdem mitteilten, wurde die Identifizierung der Toten „weitestgehend abgeschlossen“ – demnach sind auch ein Teenager sowie Medienberichten zufolge zwei Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine unter den Opfern.

Bei dem Bahnunglück am Freitag nahe Garmisch-Partenkirchen waren fünf Menschen ums Leben gekommen. Zunächst galten auch zahlreiche Menschen als vermisst, weil die mehr als 40 Verletzten in verschiedene Krankenhäuser gebracht worden waren und zudem noch unklar war, ob sich weitere Menschen unter den umgestürzten Wagen befanden.

Sonderkommission ermittelt

Mit einem Spezialkran und weiteren schweren Gerätschaften waren die Einsatzkräfte am Sonntag am Werk. Zudem ging die Ursachenforschung weiter: Warum entgleiste der Zug? Eine Soko „Zug“ arbeite seit Freitag daran, den Unfall zu rekonstruieren, teilte die Polizei mit. Die Leitung liege bei der Staatsanwaltschaft München II. Unterstützt würden die Ermittler von Sachverständigen.

Nach Angaben der Polizei handelt es sich bei den Todesopfern um drei Frauen im Alter von 32, 39 und 70 Jahren sowie nach bisherigen Erkenntnissen um eine 51-Jährige. Das fünfte, am Samstag geborgene Opfer sei ein Junge im Teenageralter. Unter den Frauen sollen Medienberichten zufolge zwei vor dem Krieg geflüchtete Ukrainerinnen sein – eine hatte laut „Bild“ ihr Kind dabei, das verletzt wurde. Die Polizei vor Ort konnte diese Informationen vorerst nicht bestätigen und verwies auf die noch laufenden Obduktionen. Von den mehr als 40 Verletzten befinde sich ein Mensch noch in kritischem Zustand. Die Verletzten seien in zehn Krankenhäuser gebracht worden, auch nach Österreich.

Aufräumarbeiten laufen weiter

Der von einem Bagger zerteilte und am Sonntag auf einem Tieflader abtransportierte Wagen ist einer von dreien, die bei dem Unfall umgestürzt waren. Einsatzkräfte hatten ihn am Samstag mit Kränen auf die Bundesstraße 2 neben das Gleisbett gehoben. Am Sonntag wurde ein weiterer Wagen auf die Straße gehievt.

Mit Hilfe eines 250 Tonnen schweren Spezialkrans sollte unter anderem die Lok wieder auf das Gleis gestellt werden. Diese und die restlichen Waggons sollten dann möglichst auf dem Schienenweg abtransportiert werden. Die Arbeiten dürften noch einige Zeit dauern, so die Polizei. Auch bei der Bahn hieß es, es sei noch nicht abzuschätzen, wann die Strecke geräumt sei. „Eine Prognose, wann die Strecke wieder freigegeben werden kann, ist daher noch nicht möglich“, schrieb das Unternehmen am Sonntag in einer Mitteilung.

Erschwert werden könnten die aufwendigen Aufräumarbeiten durch das Wetter: Für den späten Nachmittag und den Abend waren am Sonntag für die Region schwere Gewitter vorhergesagt. Die Einsatzleitung vor Ort werde dann die Arbeiten natürlich unterbrechen, sagte ein Polizeisprecher.

Weshalb die Regionalbahn am Freitagmittag kurz nach ihrer Abfahrt Richtung München aus den Gleisen sprang, war am Sonntag weiterhin unklar. Eine Kollision mit einem anderen Fahrzeug hatte es nicht gegeben. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP), der mit Bahnchef Richard Lutz am Samstag den Unglücksort besucht hatte, versprach eine umfangreiche Aufarbeitung des Unglücks. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) sagte, den Experten vor Ort zufolge sei ein technischer Defekt „die wahrscheinlichste Ursache“.

Quelle: dpa/AFP
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