Brände in Türkei und Italien

Heftige Feuer im Mittelmeerraum

Von Rainer Hermann und Matthias Rüb
30.07.2021
, 21:36
Einsatz in Kirli: Feuerwehrleute versuchen ein Feuer in der türkischen Provinz Antalya unter Kontrolle zu bringen.
In der Türkei und in Italien brennen die Wälder. Schuld sind womöglich Brandstifter. Eine seit Anfang der Woche andauernde Hitzewelle in Griechenland geht indes auf ihren Höhepunkt zu – mit Temperaturen von bis zu 45 Grad.

In der Türkei wüten die schlimmsten Waldbrände seit Jahren. Seit Mittwoch sind in 21 der 82 Provinzen insgesamt 63 teilweise verheerende Brände ausgebrochen. Das Ministerium für Land- und Forstwirtschaft in Ankara teilte mit, dass bis zum Freitag erst 43 Feuer unter Kontrolle gebracht worden seien. Bislang starben vier Menschen als Folge der Brände, mindestens 183 Menschen wurden verletzt. Zehntausende Hektar Wald sind zerstört, ebenso große landwirtschaftliche Flächen und mindestens 20 Häuser.

Betroffen sind besonders Provinzen entlang des Mittelmeers von Mugla im Westen über Antalya und Mersin nach Adana im Osten, aber auch Provinzen im Landesinneren wie Kayseri, Kahramanmaras und Diyarbakir sowie im Nordwesten Balikesir und Kocaeli. Die Löscharbeiten dauern unvermindert an. Im Einsatz sind nach Angaben der Regierung drei Flugzeuge, 38 Hubschrauber und 4000 Rettungskräfte. Widersprechende Aussagen liegen zu den Ursachen der ungewöhnlich heftigen Waldbrände vor. Unbestritten ist, dass starke Winde eine Rolle spielen. Nicht ausgeschlossen wird jedoch auch Brandstiftung.

Flammen nahe Urlaubsziel Manavgat

Am schlimmsten wütet das Feuer um die Mittelmeerstadt Manavgat, die wegen der zahlreichen kleineren Wasserfälle bei Urlaubern beliebt ist. Die ersten Brände waren dort am Mittwoch an vier Orten zur gleichen Zeit ausgebrochen. Angefacht vom Nordwind, breiteten sich die Flammen rasch aus. Einheimische griffen nahe dem Feuer zwei Personen tätlich an, denen sie vorwarfen, das Feuer absichtlich gelegt zu haben. Erst das Eingreifen der Polizei verhinderte, dass die beiden gelyncht wurden.

Eine Frau nahe dem Touristenziel Manavgat beobachtet die wütenden Flammen.
Eine Frau nahe dem Touristenziel Manavgat beobachtet die wütenden Flammen. Bild: Reuters

In der Tourismusstadt Marmaris stoppten die Feuerwehren das Feuer nur wenige Meter vor der Stadt und ihren Hotels, einzelne Stadtteile wurden evakuiert. Die Staatsanwaltschaft von Marmaris hat Ermittlungen zur Ursache des Feuers eingeleitet. Auch nahe der Urlaubsstadt Bodrum wurden zwei Hotels evakuiert.

Landwirtschaftsminister Bekir Pakdemirili sagte, die Waldbrände seien als Sabotageakte gezielt gelegt worden. Ein Indiz dafür sei, dass viele Feuer zur gleichen Zeit begonnen hätten. Der Staatssender TRT beschuldigte die PKK, die Feuer zu legen. Demgegenüber sagte Engin Özköc, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der oppositionellen CHP im türkischen Parlament, nach einem Treffen mit Innenminister Süleyman Soylu, für Sabotage gebe es keine Belege. Vielmehr seien die zahlreichen Waldbrände eine Folge der aktuellen Hitzewelle mit Temperaturen von 40 Grad.

Begünstigt durch heftigen Nordwind

Für den türkischen Forstwissenschaftler Tuncay Neyisci ist das Ausmaß der Waldbrände keine Überraschung. Begünstigt habe die schnelle Ausbreitung des Feuers in Manavgat der heftige Nordwind Poyraz, der im Tal des Aksu-Flusses auf keinen Widerstand stoße. Die Wissenschaft schlage seit Langem konkrete Maßnahmen wie das Pflanzen von Zypressen zum Brechen des Windes vor. Geschehen sei indessen nichts. Man müsse daher auch künftig mit verheerenden Waldbränden in der flachen Region um Manavgat rechnen. Neyisci kritisiert ferner, es würden kaum wirksame Maßnahmen ergriffen, um Siedlungen vor dem Feuer zu schützen.

Auch in Italien zeichnete sich am Freitag keine Entspannung ab. Nachdem die Feuerwehren die seit Wochenbeginn wütenden Brände im Westen Sardiniens unter Kontrolle gebracht hatten, spitzte sich die Lage auf Sizilien zu. In der Nacht zum Freitag konzentrierten sich die Löscharbeiten auf die Gegend um die Ortschaften Altofonte und Piana degli Albanesi südlich von Palermo. Starker Wind fachte die Flammen zusätzlich an. Mehrere Löschflugzeuge waren im Einsatz. Rauchschwaden zogen auch am Freitag über die Region. Bereits am Donnerstag waren Dutzende Einsätze im Zusammenhang mit Wald- und Buschbränden gemeldet worden.

Hitzewelle in Griechenland und der Türkei

Den gesamten Freitag galt auf Sizilien wie auch auf Sardinien die höchste Brandrisiko-Stufe. Auf beiden Mittelmeerinseln herrschte trockene Hitze mit Temperaturen deutlich über 30 Grad. Auch vom Festland, vor allem aus Süditalien, wurden mehrere Brände gemeldet.

Unterdessen hat die italienische Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts der Brandstiftung eingeleitet. Es wurde untersucht, ob die Feuer in der Gegend um den Monte Ferru in der Provinz Oristano durch Fahrlässigkeit oder mutwillige Brandstiftung verursacht wurden. Wie die Nachrichtenagentur Ansa meldete, gibt es noch keinen konkreten Tatverdacht. Die Flammen hatten in der Westprovinz große Zerstörungen angerichtet. Rund 20.000 Hektar Land, zumal Olivenhaine, wurden zerstört. Hunderte Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Der Schaden liegt nach Medienberichten im dreistelligen Millionenbereich. Die Regionalregierung in Cagliari teilte mit, das Verfahren für die Bewilligung von Hilfsgeldern werde beschleunigt, damit Bürger und Unternehmen schneller Unterstützung erhielten. Der Landwirtschaftsverband Coldiretti teilte mit, die Wiederaufforstung der Wälder und Olivenhaine werde bis zu 15 Jahre dauern.

Eine seit Anfang der Woche andauernde Hitzewelle in Griechenland geht indes auf ihren Höhepunkt zu. Um die 40 Grad soll es am Wochenende heiß werden, in der neuen Woche dann noch heißer. Meteorologen rechnen mit Temperaturen in Mittelgriechenland bis zu 45 Grad. Nachts werden die Werte in den Ballungszentren nicht unter 30 Grad fallen.

Diese Hitzewelle sei eine der längsten seit Jahrzehnten, sagten Wetterexperten im Staatsfernsehen. Die Temperaturen sollen demnach tagsüber erst nach dem 8. August wieder unter 40 Grad fallen.

Der Zivilschutz ordnete an, Arbeiten im Freien einzustellen oder so weit wie möglich zu reduzieren. Städte haben klimatisierte Hallen aufgemacht, in denen Menschen Zuflucht finden können, die keine Klimaanlage zu Hause haben. Ärzte rieten Einwohnern und auch Touristen, sich nicht in der prallen Sonne aufzuhalten und keinen Alkohol zu trinken. Man sollte öfter duschen und helle weite Baumwollkleidung tragen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Hermann, Rainer
Rainer Hermann
Redakteur in der Politik.
Autorenporträt / Rüb, Matthias (rüb)
Matthias Rüb
Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.
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