Brasilien

Flammen zerstören Unesco-Welterbe Biotop

Von Tjerk Brühwiller
10.09.2020
, 00:03
Es ist eines der artenreichsten Naturgebiete der Welt. Seit Juli breiten sich die Brände im Naturschutzgebiet Pantanal in Brasilien unaufhaltsam aus. Unzählige Tiere sind schon in den Flammen ums Leben gekommen.

In der Stadt Cuiabá war der Rauch in den vergangenen Wochen wiederholt so dicht, dass selbst der Wetterbericht nicht Sonne oder Regen anzeigte, sondern Rauch. Dabei liegt Cuiabá, die Hauptstadt von Mato Grosso, weit von den Brandherden in dem brasilianischen Bundesstaat entfernt. 24000 Brände zählt Mato Grosso in diesem Jahr schon. Sie verteilen sich auf den gesamten Bundesstaat, der größer ist als die Türkei und vom Amazonas-Regenwald im Norden bis zum Pantanal-Feuchtgebiet im Süden reicht.

Seltene Tierarten bedroht

Im Pantanal ist die Lage besonders dramatisch. Seit Juli breiten sich die Brände unaufhaltsam aus. Es sind die schlimmsten Brände seit 15 Jahren, die in dem geschützten Feuchtbiotop registriert wurden, das im Jahr 2000 zum Unesco-Welterbe erklärt wurde. Auf dem Gebiet von Mato Grosso wurden schon rund zwei Millionen Hektar oder mehr als zehn Prozent der Vegetation des Pantanal zerstört. Biologen sprechen von einer Katastrophe, handelt es sich beim Pantanal doch um eines der artenreichsten Naturgebiete, das viele seltene Tierarten beheimatet. Zu ihnen zählen Jaguare, Riesenotter, Kaimane und Hyazinth-Aras. Unzählige Tiere sind in den Flammen ums Leben gekommen, Naturschützer versuchen verzweifelt, auch einzelne Tiere mit schweren Brandverletzungen zu retten.

Die Brände im Pantanal werden durch die derzeitigen klimatischen Bedingungen begünstigt. Die letzte Regenzeit zwischen Oktober und März war schwach. Die Vegetation ist äußerst trocken und die Luftfeuchtigkeit mit unter zehn Prozent vergleichbar mit einer Wüste. Heiße Winde begünstigen die Verbreitung der Feuer. Doch das Problem ist nicht das Wetter allein. Untersuchungen zeigen, dass die Brände in vielen Fällen von Menschen verursacht wurden. Häufigste Ursache ist die „Reinigung“ von Feldern mit Hilfe von Feuern, die dann außer Kontrolle geraten. Neben dem Tourismus ist auch die Viehzucht im Pantanal weit verbreitet.

Druck auf brasilianische Regierung

Auch in zahlreichen anderen Regionen des Bundesstaats brennt es. Mehrere Schutzgebiete und Indianerreservate sind betroffen. Laut dem Umweltsekretariat sind im gesamten Gebiet des Bundesstaats rund 2500 Personen und 50 Löschflugzeuge im Einsatz, um der Brände Herr zu werden. Doch ein Ende ist nicht abzusehen vor dem Beginn der Regenzeit im Oktober. Die Brände im Pantanal sind zwar nur bedingt mit denen in Amazonien vergleichbar, wo die Ursache meist eindeutig dem Landraub zugeschrieben werden kann. Der schreitet aktuell trotz eines Armeeeinsatzes noch rascher voran als im vergangenen Jahr. Dennoch erhöht die Katastrophe im touristisch bedeutenden Pantanal zusätzlich den Druck auf die brasilianische Regierung, die sich vorwerfen lassen muss, das Problem der Waldbrände in Amazonien und im Pantanal nicht kontrollieren zu können – oder nicht zu wollen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Brühwiller, Tjerk
Tjerk Brühwiller
Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.
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