Flugzeugabsturz in Nepal

„Es gibt noch sehr wenig Chancen, Überlebende zu finden“

Von Till Fähnders
30.05.2022
, 12:56
Wrackteile liegen an der Absturzstelle des Flugzeugs im nepalesischen Mustang-Bezirk.
Am Sonntagmorgen stürzt ein Flugzeug mit 22 Menschen an Bord in Nepal ab. Die Behörden rechnen nicht damit, noch Überlebende zu finden. Auch zwei Deutsche aus Hessen sollen in der Maschine gewesen sein.

Es sollte nur ein kurzer Flug sein, aber über unwirtliches Gelände: Bei dem Absturz eines nepalesischen Flugzeugs im Himalaja sind nach Angaben des Auswärtigen Amts zwei Deutsche ums Leben gekommen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa handelt es sich um einen Mann und eine Frau aus Hessen. Das Auswärtige Amt konnte die genaue Herkunft der F.A.Z. wegen der diplomatischen Gepflogenheiten in so einem Fall aber nicht bestätigen. Die Angehörigen würden von der Botschaft in Kathmandu wie üblich konsularisch betreut.

Die Behörden in Nepal gingen am Montag davon aus, dass keiner der 22 Menschen an Bord des Passagierflugzeugs der nepalesischen Fluggesellschaft Tara Air das Unglück überlebt hat. „Es gibt noch sehr wenig Chancen, Überlebende zu finden“, sagte Deo Chandra Lal Karna von der nepalesischen Luftfahrtbehörde der Agentur Reuters. Nach nepalesischen Angaben wurden bisher vierzehn Leichen geborgen. Bilder vom Absturzort zeigten ein Trümmerfeld am Berghang. Auf einem Bild war klar die Registrierungsnummer des Flugzeugs 9N-AET zu sehen.

Der Absturzort befindet sich in etwa 4400 Meter Höhe am Berg Manapathi nicht weit von der Grenze nach Tibet. Das Flugzeug war bei bewölktem Wetter am Sonntagmorgen etwa fünf Minuten vor der geplanten Ankunftszeit in dem Ort Jomsom von den Radarschirmen verschwunden. Nachdem die Sucharbeiten über Nacht eingestellt worden waren, hatte die Armee am Montag den Absturzort entdeckt. Zu der Zeit waren schon etwa 20 Stunden seit Verschwinden des Flugzeugs vergangen. Nach nepalesischen Presseberichten war das Flugzeug um 9.55 Uhr in dem Touristenort Pokhara etwa 200 Kilometer westlich der Hauptstadt Kathmandu gestartet. Bei dichter Bewölkung und schlechter Sicht hatten die Luftfahrtkontrolle um 10.07 Uhr den Kontakt verloren.

Eine der gefährlichsten Flugrouten weltweit

Das zweimotorige Flugzeug gehört zum Typ DHC-6-300 Twin Otter des Herstellers de Havilland Canada. Es soll den Angaben nach 43 Jahre alt sein und sich seit 1998 im Dienst der Airline befinden. An Bord befanden sich neben den beiden Deutschen auch vier Inder und 16 Nepalesen. Drei der Personen waren Besatzungsmitglieder. Anwohner hatten der nepalesischen Presse berichtet, dass das Flugzeug eine Zeit lang tiefer geflogen sei und wegen des schlechten Wetters offenbar die Richtung gewechselt hatte. Der Gipfel des Manapathi liegt in 6380 Metern Höhe im gewaltigen Dhaulagiri-Massiv. Zwischen dem Gebirgsmassiv und dem Annapurna-Massiv liegt die Kali Gandaki Gorge, eine der tiefsten Schluchten der Welt. Die Verhältnisse gelten dort wegen tückischer Winde und Wolkenbildung als besonders schwierig.

Touristen fliegen nach Jomsom, um die Region Mustang zu besuchen, die für ihre tibetisch beeinflusste Kultur bekannt ist. Der dortige Muktinath-Schrein lockt außerdem hinduistische und buddhistische Pilger an. Die Verbindung Pokhara-Jomsom gilt als eine der gefährlichsten weltweit.

Den Angaben nach war das Wetter am Sonntag besonders schlecht. Nepal wird derzeit von frühen Monsun-Regenfällen heimgesucht. Die meisten Unfälle ereignen sich in der Region wegen schlechter Sicht. In den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten sind Dutzende Menschen bei Flugzeugunglücken in dem Gebiet ums Leben gekommen. Das schlechte Wetter und das schwierige Terrain erschweren auch die Such- und Rettungsarbeiten. Ein Hubschrauber, der vor 20 Jahren in dem Gebiet verschwunden war, ist bis heute nicht gefunden worden.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Fähnders, Till (fäh.) (Bild)
Till Fähnders
Politischer Korrespondent für Südostasien.
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