Höchsttemperaturen in Südasien

Tote nach Hitzewelle in Indien

Von Till Fähnders, Singapur
03.05.2022
, 15:06
Hitzerekord in Neu Delhi: Ein Mann geht durch das ausgetrocknete Flussbett des Yamuna.
Die Extremtemperaturen fordern in Indien erste Opfer. Allein der Bundesstaat mit der zweitgrößten Bevölkerung meldet 25 Tote, die möglicherweise in Folge eines Hitzschlags starben.

Die ungewöhnlich frühe Hitzewelle in Südasien soll nach indischen Behördenangaben schon Dutzende Todesopfer gefordert haben. Wie die indische Presse berichtete, haben die Behörden im indischen Bundesstaat Maharashtra, der die zweitgrößte Bevölkerung hat und in dem auch die Metropole Mumbai liegt, in diesem Jahr bei 25 Fällen den Verdacht auf einen Hitzschlag als Todesursache. Dies seien mehr Fälle als im gleichen Zeitraum in den sechs Jahren davor. Die tatsächliche Zahl dürfte allerdings noch höher liegen. Während dort für einige Gebiete auch in den kommenden Tagen noch Extremtemperaturen angesagt sind, hatte sich die Lage am Dienstag in vielen Regionen Südasiens etwas entspannt. Die indische Wetterbehörde meldete leichte Bewölkung und eine Abkühlung in einigen betroffenen Bezirken. Die Hitzewelle erklärte sie dort vorerst für beendet. Die Temperaturen sollen in den kommenden sechs bis sieben Tagen voraussichtlich nicht wieder steigen.

In der vergangenen Woche hatten die Behörden eine Hitzewarnung ausgegeben, nachdem in Nordwest- und Zen­tralindien Höchsttemperaturen von 43 bis 46 Grad gemessen worden waren. In dem Gebiet war es der heißeste April seit 122 Jahren. Zwar sind solche Temperaturen in Indien im Sommer an sich nicht ungewöhnlich. Jedoch wurden sie in diesem Jahr deutlich früher gemessen als sonst. Manche sprachen von einem „frühlingsfreien“ Jahr. Die Folgen sind schon jetzt dramatisch. In einigen Gebieten kommt es zu stundenlangen Stromausfällen, weil die Kohle durch den gewachsenen Elektrizitätsverbrauch knapp geworden ist. Vielen Menschen fehlt es an Wasser. „Diese Hitzewelle testet die Grenzen der menschlichen Überlebensfähigkeit“, sagte die Klimawissenschaftlerin Chandni Singh dem Sender CNN.

Aktuelle Temperaturen in Indien

Toxischer Qualm verpestet die Luft

In den sozialen Medien demonstrierten einige Nutzer die Hitze, indem sie Fladenbrot auf ihren Motorhauben zubereiteten. Für viele Menschen in Südasien haben die Höchsttemperaturen sehr ernste Konsequenzen. Einschließlich der Landwirtschaft geht fast die Hälfte aller Arbeiter in Indien einer Tätigkeit im Freien nach. Für sie gibt es kaum Möglichkeiten, der Hitze zu entfliehen. Schon jetzt wird mit erheblichen Ernteeinbußen durch die frühe Sommerhitze gerechnet. Für einige Kinder in den betroffenen Gebieten haben nun schon die Ferien begonnen, da diese wegen der extremen Temperaturen vorgezogen worden waren. Mancherorts haben die Schulen auch den Unterrichtsbeginn vorgezogen, damit die Kinder nicht in den heißen Mittagsstunden im Klassenraum schwitzen müssen.

Südasien gehört nach Angaben von Klimawissenschaftlern zu den Regionen, die besonders stark von der Erderwärmung betroffen sind. Der Weltklimarat (IPCC) hatte in seinem jüngsten Bericht gewarnt, dass der Klimawandel dort zu intensiveren und längeren Hitzewellen führe. Seit 2010 sollen in Indien infolge von Hitzewellen rund 6500 Menschen ums Leben gekommen sein. In diesem Jahr führt auch das Wetterphänomen La Niña zu hohen Temperaturen. Die Gefahr von Bränden nimmt zu. So brennt in Delhi seit einer Woche eine riesige Müllhalde. Toxischer Qualm verpestet die Luft. Es ist der vierte Brand innerhalb weniger Wochen an einer der Müllhalden, die sich am Stadtrand der Millionenmetropole befinden. Das Feuer soll sich an organischen Müllbestandteilen entfacht haben.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Fähnders, Till (fäh.) (Bild)
Till Fähnders
Politischer Korrespondent für Südostasien.
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