Nach Explosion in Leverkusen

Keine Rückstände von Dioxin in Rußpartikeln festgestellt

Von Jonas Jansen, Leverkusen
30.07.2021
, 14:59
Spurensuche: Nach dem Brand in der Müllverbrennung des Chemieparks Leverkusen
Die Untersuchungen der Rußrückstände, die nach dem Brand in Leverkusen in den umliegenden Wohngebieten niedergingen, haben nur eine geringe Schadstoffbelastung ergeben. Entwarnung bedeutet das gleichwohl nicht.

Eine „nur geringe Schadstoffbelastung“ hat das nordrhein-westfälische Landesumweltamt in dem Ruß und Staub gefunden, der nach der Explosion in der Sondermüllanlage im Chemiepark in Leverkusen im Stadtgebiet niedergegangen ist. Das teilte die Behörde am Freitag mit. „Im Gegensatz zu den Befürchtungen und Erwartungen haben wir jetzt keine kritischen Werte an Dioxin und PCB gefunden“, sagte Ulrich Quaß, der den Sondereinsatz für das LANUV leitet. Das sei eine gute Nachricht. „Wir wissen aber natürlich noch nicht, ob es eventuell weitere Stofffreisetzungen gegeben hat, die wir noch nicht messen konnten in der kurzen Zeit“, sagte Quas. Den genauen Inhalt der explodierten Tanks habe das Amt erst am Donnerstag von dem Chemieparkbetreiber Currenta mitgeteilt bekommen.

Mitte der Woche hatte das Umweltamt noch gewarnt, dass in der Rauchwolke nach der Explosion möglicherweise Dioxine und PCB sowie Kohlenwasserstoffe ausgetreten seien. Bei den Polychlorierten Biphenylen (PCB) und den sogenannten Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) seien nun sehr geringe Werte gemessen worden, die unterhalb der Bewertungsgrenzen liegen. Dioxine konnten demnach nicht nachgewiesen werden. Die sogenannten Reaktionsbedingungen, also etwa die Temperatur der „unkontrollierten Verbrennung“, wie das LANUV die Explosion nennt, hätten die Bildung der Stoffe nicht begünstigt, „oder haben diesen Prozess sogar gehemmt“, hieß es. Messungen der Luft nach Schadstoffen durch die Feuerwehr und das Umweltamt hätten zudem keine Auffälligkeiten ergeben. Entwarnung bedeutet das gleichwohl nicht. „Zur Zeit dauern die Ermittlungen, welche weiteren Stoffe bei dem Unfall beteiligt waren, noch an“, teilt das LANUV mit.

Daher gelten die Vorsichtsmaßnahmen weiterhin: Anwohner sollten Obst und Gemüse aus dem Garten derzeit nicht verzehren, verunreinigte Flächen sollen sie nicht anfassen und auch nicht selbst reinigen. Das gelte für das betroffene Stadtgebiet Leverkusen und die unmittelbar angrenzenden Bereiche der Städte Leichlingen und Opladen. Den Untersuchungsbericht will das Landesumweltamt auf seiner Internetseite bereitstellen.

Mangelnde Aufsicht der Behörden?

Am Dienstagmorgen waren auf dem Gelände der Sondermüllverbrennungsanlage Tanks explodiert, die Produktionsabfälle der Chemieparkkunden enthalten. Mindestens fünf Menschen sind dabei gestorben, zwei Personen werden noch vermisst. Verletzt wurden bei dem Unglück 31 Personen, eine davon schwer.

Ins Blickfeld gerät derweil eine möglicherweise mangelnde Aufsicht der Behörden. So berichtete die Zeitschrift Der Spiegel, dass die Abfallströme der mit giftigen Lösungsmitteln befüllten Tanks von der Bezirksregierung Köln zum letzten Mal im Januar 2016 gesondert überprüft worden seien. Eine Sprecherin der Bezirksregierung bestätigte das auf Anfrage. Alle Prüfungen seien aber fristgerecht durchgeführt worden. Die große Störfall- und Umweltinspektion des Gesamtbetriebes habe am 8. April begonnen, jedoch hätte erst im August eine tatsächliche Prüfung an Ort und Stelle stattfinden sollen. Wegen der Coronapandemie seien die Gespräche mit der Betreiberfirma Currenta zunächst in Videokonferenzen erfolgt. Die letzte Störfall- und Umweltprüfung habe im Jahr 2018 stattgefunden.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Jansen Jonas
Jonas Jansen
Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.
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