Bergunfallstatistik

Mehr Tote in den Bergen – bei weniger Unfällen

Von Bernd Steinle
Aktualisiert am 05.08.2020
 - 15:07
Gut vorbereitet: Ein Bergwachtmann bei einer Lawinenübung in Bayern 2018
Das Risiko, in den Bergen zu verunglücken, geht weiter zurück. Allerdings stieg die Zahl der Todesfälle in der Saison 2019 auf 54, das waren 23 mehr als in der Saison 2018. Der größte Anteil entfiel auf Wanderer.

Das Risiko, in den Bergen zu verunglücken, geht nach Erkenntnissen des Deutschen Alpenvereins (DAV) weiter zurück. Der Verband hat in der Saison 2019 deutlich weniger Unfälle von Mitgliedern verzeichnet als im Vorjahr. Die Bergunfallstatistik des DAV, die am Mittwoch in München vorgestellt wurde, weist mit 877 gut 100 Fälle weniger auf als 2018. Die Unfallquote lag damit so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr. Auffallend ist vor allem die geringere Zahl der Wintersportunfälle.

Der Rückgang sei auch auf die Extremsituation in den Nordalpen im Januar vergangenen Jahres zurückzuführen, als in vielen Landkreisen wegen starken Schneefalls Katastrophenalarm geherrscht habe, sagte Stefan Winter, Ressortleiter für Sportentwicklung im DAV. Straßensperrungen, Skigebietsschließungen und dauerhaft hohe Lawinengefahr hätten dazu geführt, dass „deutlich weniger Wintersportler unterwegs waren“. Nur ein Prozent aller verzeichneten Unglücke ging 2019 auf einen Lawinenunfall zurück.

Allerdings stieg die Zahl der Todesfälle im Bergsport auf 54, das waren 23 mehr als in der Saison 2018. Der größte Anteil (43 Prozent) entfiel auf Wanderer – „aber es gehen eben auch 80 Prozent unserer 1,3 Millionen Mitglieder wandern“, sagte Winter. Die Unglücksursachen waren in vier von fünf Fällen ein Sturz oder körperliche Probleme wie Kreislaufversagen. Männer verunglückten etwa doppelt so häufig tödlich wie Frauen – ein Befund, der sich seit Jahren bestätigt und laut Untersuchungen vor allem mit höherer Risikobereitschaft und Entscheidungsfreude von Männern zusammenhänge. Trotz des Anstiegs sei die Quote von 0,004 Prozent tödlicher Unfälle bezogen auf die Mitgliederzahl im langjährigen Vergleich immer noch sehr gering, so Winter – „auch wenn jeder einzelne Fall tragisch ist“.

Die Bergunfallstatistik erfasst Unglücke von DAV-Mitgliedern im Zeitraum von November 2018 bis Oktober 2019. Noch keine exakten Aussagen ließen sich daher über die Folgen der Corona-Pandemie auf die Zahl der Bergunfälle treffen. Die Befürchtungen, dass Rettungskräfte während des Lockdowns durch Einsätze am Berg überlastet sein könnten, hätten sich allerdings nicht bestätigt. „Es gab sehr wenige Aktivitäten am Berg, die Leute haben sich sehr gut an die Einschränkungen gehalten“, sagte Winter. Nach der Öffnung seien dann aber nach übereinstimmenden Eindrücken viel mehr Menschen in den Bergen unterwegs gewesen als sonst, auch viele Bergneulinge. Wie sich der Ansturm auf Alpen-Hotspots im Allgäu und in Oberbayern auf die Unfallstatistik auswirkt, wird sich 2021 zeigen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Steinle, Bernd
Bernd Steinle
Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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