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Nasa-Satellitenbild zeigt

Es brennt – vor allem in Afrika

Von Horst Rademacher, San Franciso
 - 17:56
Ein Satellitenbild zeigt die aktiven Waldbrände auf dem Planeten.

Die Waldbrände im riesigen Amazonasgebiet zu erfassen, wäre ohne Erdsatelliten unmöglich. Mit einer Fläche von mehr als sieben Millionen Quadratkilometern nimmt das Amazonasbecken nämlich fast fünf Prozent der Landfläche der Erde ein, drei Viertel des Beckens sind mit Regenwald bewachsen. In einem so großen Gebiet, das zu weiten Teilen unzugänglich ist, gibt es keine schnelle Waldbrandüberwachung vom Boden oder von Flugzeugen aus.

So sind es vor allem unbemannte Erderkundungssatelliten, mit denen Wissenschaftler und Behörden das Auftreten und das Ausmaß von Waldbränden aus dem Orbit überwachen. Neben den zwei europäischen Sentinel-Satelliten kommen dafür die Nasa-Kunstmonde Aqua und Terra zum Einsatz. Aus ihren Messungen wird die Waldbrandaktivität in aller Welt in Datenbanken erfasst, die frei im Internet zugänglich sind. Angesichts all der Berichte über die Feuer in Brasilien und Bolivien ist es dabei überraschend, dass es zurzeit in Afrika südlich der Sahara viel mehr Waldbrände gibt als im Amazonasbecken.

Die beiden Nasa-Satelliten, die unsere Erde in etwa 700 Kilometern Höhe umkreisen, sind mit Modis-Spektrometern ausgerüstet. Dabei handelt es sich um Kameras, die ununterbrochen Bilder vom Erdboden in mehr als 30 verschiedenen Sprektralbereichen aufnehmen. Darunter sind auch Bänder im Infrarotbereich des Spektrums, in denen die Herde von aktiven Waldbränden als Hotspots besonders hell strahlen. Da die beiden Satelliten dieselbe Gegend der Erdoberfläche etwa alle 36 Stunden überfliegen, lassen sich aus den Daten die Zahl und Ausdehnung der Brände auch in sonst unzugänglichen Gebieten mit einer Genauigkeit von etwa einem Kilometer erfassen. Die Sensoren an Bord der in einem knapp 800 Kilometer hohen Orbit fliegenden europäischen Sentinel-Satelliten arbeiten nach dem gleichen Prinzip.

Höchster Wert seit sieben Jahren

Bei der Auswertung von mehr als 250 Infrarotbildern, die Sentinel allein in den ersten drei August-Wochen vom Amazonasgebiet aufgenommen hatte, zählten Mitarbeiter der europäischen Weltraumagentur (Esa) mehr als 4000 aktive Waldbrände. Im gleichen Zeitraum des Vorjahrs waren es nur 1100. In der auf den Messungen der beiden Nasa-Satelliten beruhenden Datenbank sind die Waldbrände für jede Region kumulativ erfasst. Demnach gab es seit dem offiziellen Beginn der mit der Trockenzeit im Amazonasraum einhergehenden Waldbrandsaison Anfang Mai mehr als 80.000 Waldbrände in dem Gebiet. Im vergangenen Jahr waren es weniger als halb so viele. Der diesjährige Wert ist der höchste der vergangenen sieben Jahre – seit die Datenbank also besteht.

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So entstehen Waldbrände

Forscher des von Spenden finanzierten unabhängigen Instituts für Umweltforschung im brasilianischen Teil des Amazonasraumes (IPAM) haben die Messungen auf der Suche nach den Ursachen der Waldbrände analysiert. Ihre Untersuchungen beruhen auf mehr als 32.000 Bränden, die bis zum Stichtag am 14. August erfasst wurden. Der Mittelwert für den gleichen Zeitraum der vergangenen drei Jahre betrug dagegen nur wenig mehr als 20.000 Brände pro Jahr. Einen Zusammenhang der erhöhten Zahl der Brände mit einer ausgedehnten Dürre konnten die Forscher nicht finden. So gab es in den vergangenen drei Jahren während der Trockenzeit im brasilianischen Amazonasbecken bis zum Stichtag im Mittel 32 regenfreie Tage. In diesem Jahr war es erheblich feuchter: Es gab nur 19 Tage ohne Niederschlag. Dennoch traten wesentlich mehr Waldbrände auf.

Selbst gelegte Feuer greifen über

Stattdessen gibt es nach Meinung der IPAM-Forscher einen klaren Zusammenhang zwischen der Zahl der Waldbrände und jener Urwaldfläche, die in den vergangenen Jahren gerodet wurde. Seit den Rekordjahren 1995 und 2004, als jeweils mehr als 30.000 Quadratkilometer Urwald in Brasilien abgeholzt wurden, ist die jährlich gerodete Fläche auf um die 7500 Quadratkilometer zurückgegangen. In diesen abgeholzten Gebieten ist es in diesem Jahr zu der besonders großen Zahl an Bränden gekommen. Das spricht dafür, dass die meisten Feuer von Landwirten gelegt werden, um ihre Felder für die Saat vorzubereiten. Immer wieder greifen die Feuer dann aber auf den Regenwald über.

Die vom IPAM-Forscher Divino Silvério geleitete Studie zeigt einen weiteren klaren Zusammenhang zwischen der Zahl der Brände und der in diesem Jahr frisch gerodeten Urwaldfläche. So treten die meisten Waldbrände in frisch abgeholzten Gebieten auf. Das wird besonders in der Gegend rund um die Stadt Altamira im brasilianischen Bundesstaat Pará deutlich, die am Amazonas-Nebenfluss Xingu liegt. In dieser Gegend wurden knapp 300 Quadratkilometer Urwald gerodet. Anschließend wurden dort bis zum 14. August mehr als 1630 Waldbrände erfasst, also etwa fünf Prozent der Gesamtzahl der Brände.

Angola und Kongo sind Rekordhalter

Der Zusammenhang zwischen den Bränden und der Landwirtschaft wird besonders klar, wenn die Messungen der Infrarotsensoren mit herkömmlichen Satellitenbildern überlagert werden. Dabei sieht man immer wieder Rauchwolken über den zum Teil riesigen Feldern, die durch Abholzungen entstanden sind. Dort werden hauptsächlich Sojabohnen angebaut.

Ein Blick in die Datenbanken zeigt aber auch, dass Amazonien keineswegs die Weltgegend mit den meisten Waldbränden ist. Die Rekordhalter sind vielmehr Angola und Kongo, wo in den Satellitendaten allein am vergangenen Wochenende mehr als 10.000 Wald- und Buschbrände gezählt wurden. In Brasilien brannten etwa 2100 Feuer, hinzu kamen 750 im zu Bolivien gehörenden Teil des Amazonasbeckens. Wie Amazonien, so befinden sich auch Angola und Kongo momentan in ihrer trockenen Jahreszeit. Viele afrikanische Landwirte nutzen die trockenen Monate, um ihre Felder für die nächste Wachstumssaison vorzubereiten. Die Asche der verbrannten Biomasse dient als Dünger für das kommende Jahr.

Quelle: F.A.Z.
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