Jewgenij Sinitschew

Russischer Minister stirbt bei Übung

Von Friedrich Schmidt, Minsk
08.09.2021
, 16:41
Der Kreml teilte mit, „viele Jahre gemeinsamer Arbeit“ verbänden Wladimir Putin und Sinitschew; der Präsident spreche dessen Familie und Freunden sein Beileid aus.
Der russische Katastrophenschutzminister ist in der Arktis bei einer Übung ums Leben gekommen. Er soll versucht haben, das Leben des Regisseurs Alexandr Melnik zu retten.

Der russische Katastrophenschutzminister Jewgenij Sinitschew ist am Mittwoch nahe der nördlich des Polarkreises gelegenen Stadt Norilsk ums Leben gekommen. Das Ministerium für Ausnahmesituationen, so die russische Bezeichnung, teilte mit, Sinitschew sei während Katastrophenschutzübungen in der Arktis „tragisch umgekommen“, als er versucht habe, das Leben eines anderen Menschen zu retten. Später bestätigte das Ministerium Medienberichte, nach denen der 55 Jahre alte Minister versuchte, das Leben des Regisseurs Alexandr Melnik zu retten.

Der Dreiundsechzigjährige wollte demnach Material für einen Film über die russischen Pläne zur Entwicklung der Arktis und der Nördlichen Seeroute drehen, auf der nach Moskauer Plänen ein großangelegter Gütertransport von Asien nach Europa möglich werden soll. Die Leiterin des Staatssenders RT, Margarita Simonjan, schrieb, ein Kameramann – gemeint war Melnik – habe mit dem Minister am Rande eines Vorsprungs gestanden und sei ins Wasser gerutscht. „Es gab genug Augenzeugen – als noch niemandem klar war, was passiert war, stürzte Sinitschew ins Wasser dem abgestürzten Menschen hinterher und zerschmetterte an einem vorspringenden Stein.“

Laut Medienberichten kam der Regisseur ebenfalls ums Leben. Der Vorfall ereignete sich demnach an einem See rund 120 Kilometer von Norilsk, nach unterschiedlichen Darstellungen an einem Felsen respektive einem Wasserfall. Die beiden Männer sollen noch mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus der Stadt geflogen worden sein, indes vergebens.

Der Kreml teilte mit, „viele Jahre gemeinsamer Arbeit“ verbänden Wladimir Putin und Sinitschew; der Präsident spreche dessen Familie und Freunden sein Beileid aus. Sinitschew, der seit 1987 im Geheimdienst KGB diente, arbeitete lange in dessen für Personenschutz zuständigen Nachfolgegeheimdienst FSO, von 2006 bis 2015 als persönlicher Leibwächter Putins, den er auf vielen Reisen begleitete. Dann stieß er zum Inlandsgeheimdienst FSB in der Exklave Kaliningrad, deren geschäftsführender Gouverneur Sinitschew im Juli 2016 wurde. Doch kam er schon im Herbst jenes Jahres als stellvertretender Leiter des FSB nach Moskau zurück. Seit Mai 2018 war Sinitschew Katastrophenschutzminister sowie Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats. Er war verheiratet, hatte einen Sohn und drei Enkelkinder.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt/ Schmidt, Friedrich
Friedrich Schmidt
Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.
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