Dekra zur Verkehrssicherheit

Jung, männlich, betrunken – tot

Von Gustav Theile
12.05.2022
, 06:04
Fast ein Drittel aller tödlichen Verkehrsunfälle werde durch Rasen und Geschwindigkeitsverstöße verursacht, heißt es in dem neuen Report der Dekra.
Die Zahl der Verkehrstoten ist unter Männern, die jünger sind als 25 Jahre, fast viermal so hoch wie unter Frauen, analysiert die Dekra in ihrem neuen Verkehrssicherheitsreport. Und sie warnt vor Rasern und Auto-Narren.

Junge Männer, die zu schnell unterwegs sind und alkoholisiert, sind im Straßenverkehr statistisch gesehen besonders gefährdet. Darauf weist der diesjährige Verkehrssicherheitsreport der Dekra hin, der der F.A.Z. vorab vorliegt. Auf der ganzen Welt sind demnach 4 von 5 Verkehrstoten im Alter zwischen 15 und 24 Jahren Männer. Ganz ähnlich sind die Werte für Deutschland: Die Zahl der Verkehrstoten ist unter Männern, die jünger sind als 25 Jahre, fast viermal so hoch wie unter Frauen.

Im Jahr 2019 – das sind die neuesten verfügbaren Zahlen laut dem Stuttgarter Unternehmen – starben 11,4 von 100.000 Männern zwischen 18 und 20 Jahren im Straßenverkehr, unter Frauen waren es nur 3,1 je 100.000. In der Altersgruppe zwischen 21 und 24 Jahren liegen die Werte für Männer bei etwa 7 und für Frauen bei knapp 2 Verkehrstoten je 100.000. In keiner Bevölkerungsgruppe starben mehr Menschen im Straßenverkehr als unter jungen Männern. Nur unter männlichen Senioren ab 75 Jahren ist der Wert ähnlich hoch. Generell wird der Straßenverkehr jedoch immer sicherer, die Zahl der Verkehrstoten sinkt.

Durch Smartphone abgelenkt

Die Dekra, einer der größten Prüfkonzerne der Welt, der in Deutschland viele Fahrzeuguntersuchungen macht, begründet die besondere Gefährdung junger Menschen mit mangelnder Erfahrung, Selbstüberschätzung und erhöhter Risikobereitschaft. Die Fahrer würden häufig etwa durch ihr Smartphone abgelenkt. Zudem spielten neben Alkohol „auch Drogen wie Cannabis“ eine zunehmende Rolle. Der Konzern empfiehlt, den Fokus in der Fahrschule zu verschieben. Man solle sich nicht nur auf die Regelkunde und das eigentliche Fahren konzentrieren, sondern auch „sicherheitsrelevante Einstellungen, Selbstkontrolle, Selbstbeobachtung und die Akzeptanz von Verkehrsregeln“ stärker vermitteln.

Dass junge Männer stärker gefährdet seien, führt der Konzern vor allem auf eine „höhere Risikoakzeptanz“ zurück. Sie würden im Vergleich zu Frauen ein „weitaus weniger defensives Verkehrsverhalten“ an den Tag legen. Dass Männer stärker am Straßenverkehr teilnähmen, spiele auch eine Rolle, jedoch eine geringere. In den Daten fällt vor allem auf, dass Männer sehr viel häufiger als Frauen ums Leben kommen, wenn sie Autos oder Motorräder selbst fahren. Getötete Frauen sind dagegen im Vergleich zu Männern häufiger Beifahrer. Diese Zusammenhänge gelten über alle Bevölkerungsgruppen hinweg, unter weiblichen Motorradfahrern gibt es insgesamt nur sehr wenige Verkehrstote. Alte Menschen über 75 Jahren kommen im Straßenverkehr besonders häufig als Fahrradfahrer oder Fußgänger ums Leben.

Führerscheinalter auf 16 absenken?

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) schreibt in einem Beitrag für den Report, das Unfallrisiko junger Menschen müsse gesenkt werden. Das geplante begleitete Fahren ab 16 Jahren solle dazu beitragen. Die Bundesregierung habe „die Europäische Kommission gebeten, das Führerscheinalter in einem Modellvorhaben auf 16 Jahre absenken zu dürfen“. Insgesamt solle die Zahl der Verkehrstoten bis 2030 um 40 Prozent sinken.

Rasen und Geschwindigkeitsverstöße

Die Dekra knöpft sich in dem Report auch Raser und die Teilnehmer illegaler Straßenrennen vor. Fast ein Drittel aller tödlichen Verkehrsunfälle werde durch Rasen und Geschwindigkeitsverstöße verursacht. „Extremes Schnellfahren im Sinne von Rasen“ werde unter „jüngeren Fahrern verstärkt beobachtet“, heißt es im Report. Raser seien häufig Auto-Narren, wobei „die Selbstdarstellung des Auto-Posers einem Profilierungsdrang mit durchaus zwanghaften Zügen gleicht“. Typische Situationen seien etwa der „Ampelstart“ oder wenn mehrere Autofahrer den Verkehr hinter sich gemeinsam aufstauten, damit sie vor sich Platz haben, um „in den Geschwindigkeitswettbewerb treten“ zu können. Die Dekra fordert: „Wer wegen einer Teilnahme an illegalen Autorennen verurteilt wurde, dessen Fahreignung sollte in jedem Einzelfall medizinisch-psychologisch untersucht werden.“

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Theile, Gustav
Gustav Theile
Wirtschaftskorrespondent in Stuttgart.
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