Hunderettung auf La Palma

Vor dem Abflug verschwunden

Von Hans-Christian Rößler, Madrid
22.10.2021
, 10:01
Fernsehaufnahmen einer Drohne: Die Hunde waren in der Gegend von Todoque von Lavaströmen umschlossen.
Auf La Palma sollten Drohnen vier Hunde aus einer Insel inmitten der Lavaströme bergen. Doch eine mysteriöse Gruppe kommt den Rettern zuvor.

Die gewagte Rettungsaktion wurde seit Tagen vorbereitet. Aus dem nordspanischen Galicien war eine Spezialfirma ins Katastrophengebiet im Westen von La Palma geflogen. Mit Drohnen wollte sie vier Hunde auf der Atlantikinsel retten, deren Schicksal in Spanien zeitweise mehr Aufsehen zu erregen schien als das Leid der Menschen, die zu Hunderten vor den neuen Lavaströmen flohen.

In einem Wasserbassin bei Todoque waren die vier Tiere seit gut zwei Wochen von Lavaströmen umschlossen. Aus der Luft wurden sie tagelang versorgt, bis alles für die erste Rettungsaktion dieser Art bereit war, für die die Behörden eigens eine Sondergenehmigung erteilt hatten; für Hubschrauber herrscht ein Flugverbot. Erst sollten sie mit Futter angelockt und dann Netze über sie geworfen werden, um sie mit einer Frachtdrohne zu bergen.

Menschliche Spuren auf der Vulkanasche

Aber auf einem der letzten Erkundungsflüge waren die Hunde plötzlich verschwunden, wie die Firma „Aerocameras“ mitteilte. Stattdessen fand man aus der Luft menschliche Spuren auf der Vulkanasche und ein großes Plakat an einer Mauer. Ein „Team A“, wie es sich selbst nennt, schreibt in roter Schrift: „La Palma sei stark. Den Hunden geht es gut.“ Das war auch in einem Videofilm zu sehen, den das Onlineportal Palmerus verbreitete. Die einzigen Lebewesen, die die Kameras entdeckten, waren zwei wilde Kaninchen, berichtete die spanische Zeitung El País.

Die Retter mussten bis zu 160 Grad heiße Lava überwinden, die das Bassin umgab und die Sperrzone der Polizei ignorieren, die das Gebiet abgeriegelt hat. Deshalb ist es wenig wahrscheinlich, dass sie selbst an die Öffentlichkeit gehen. Tierschützer glauben auch nicht, dass sich die Hunde selbst auf den Weg gemacht haben könnten, da sie weder Hunger noch Durst litten und sich daher selbst nicht in Gefahr brächten. Auch wenn weiterhin jede Spur von ihnen fehlte, ging man in La Palma davon aus, dass sie wohlbehalten und in Sicherheit sind.

Gleichzeitig mussten sich die Bewohner mehrerer Viertel von Tazacorte mit ihrem Hab und Gut in Sicherheit bringen, nachdem sich ein Lavastrom auf einmal in Richtung des Hafenortes bewegte, der bisher weitgehend verschont geblieben war. Der neue, gut 1100 Grad heiße Strom könnte bald das Meer erreichen. Die Lava hat fast 2200 Gebäude zerstört und bedeckt inzwischen eine Fläche von gut 860 Hektar.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Rößler, Hans-Christian
Hans-Christian Rößler
Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.
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