FAZ plus ArtikelVulkanausbruch auf La Palma

Wo Häuser standen, türmt sich die Lava auf

Von Hans-Christian Rößler, El Paso
22.09.2021
, 18:45
Unaufhaltsam: Auf dem Weg Richtung Meer hat die Lava schon mehr als 300 Häuser zerstört, außerdem Straßen und Felder.
Seit dem Ausbruch des Vulkans auf La Palma gibt es dort zwei Welten: Auf der einen Seite der Insel geht das Leben normal weiter, auf der anderen herrscht Untergangsstimmung.

Das Grollen kommt immer näher. Aufgeregt treibt der krähende Hahn die kleine Schar der Hennen zusammen. Die Landstraße vor dem verlassenen Bauernhof bedeckt eine Schicht aus schwarzem Granulat. Keinen Kilometer entfernt faucht und poltert der Berg. Feuerfontänen schießen in den Himmel, den eine riesige grau-braune Rauchwolke verdunkelt. Mehrere Schlünde schleudern in einem Dauerfeuerwerk Lavafetzen, Schlacke und Asche nach oben. „Bomben“ nennen die Wissenschaftler die gefährlich großen Brocken abgekühlter Lava, wenn sie zu Boden fallen.

Der Vulkan auf La Palma hat noch keinen Namen, doch seit Sonntag raubt er den Menschen im Westen der Kanareninsel mit seinem Donnern nicht nur den Schlaf, er vernichtet Existenzen und gönnt ihnen auch tagsüber keine Pause. Und daran müssen sie sich wahrscheinlich gewöhnen. Am Mittwochmorgen machten Wissenschaftler die Hoffnung auf eine schnelle Beruhigung zunichte: Das vulkanologische Institut Involcan schätzt, dass die Eruptionen mindestens 24, wenn nicht sogar 84 Tage weitergehen könnten – so lange hielt auf La Palma nur der bisher längste dokumentierte Ausbruch des Tehuya im Jahr 1585 an.

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Autorenporträt / Rößler, Hans-Christian
Hans-Christian Rößler
Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.
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