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Neuseeland

Keine Hoffnung auf Überlebende nach Vulkanausbruch

Von Till Fähnders, Singapur
Aktualisiert am 09.12.2019
 - 13:28
White Island ist Neuseelands aktivste Vulkaninsel.
Einige Touristen befanden sich offenbar im Krater, als ein Vulkan auf White Island ausbricht. Mindestens fünf Menschen starben, etwa 20 weitere werden noch vermisst.

Eine Kamera, die zur Beobachtung geologischer Aktivitäten dient, zeigt am Montag auch eine Gruppe von Wanderern, die in dem Krater des White-Island-Vulkans vor der neuseeländischen Nordinsel unterwegs ist. Es ist 14.10 Uhr Ortszeit. Dann gibt es zunächst keine Bilder mehr. Bald ist klar: Eine Minute später ist der Vulkan ausgebrochen. Etwas später zeigt die Kamera Metallteile, so als ob sie durch die Eruption beschädigt wurde. Es ist zunächst nicht bekannt, ob die Wanderer in dem Krater den Ausbruch überlebt haben.

In den Abendstunden trifft aber die Nachricht ein, dass mindestens fünf Personen ums Leben gekommen sind. Eine zweistellige Zahl von Menschen wird noch vermisst. Die Sicherheitskräfte geben die Zahl der Menschen, die auf der Insel und in ihrer Umgebung unterwegs waren, mit bis zu 50 an. 23 Menschen konnten gerettet werden. Einige von ihnen sind verletzt, die meisten davon haben Verbrennungen. Die Polizei rechnet danach nicht mehr mit weiteren Überlebenden. „Auf der Grundlage der vorliegenden Informationen gehen wir nicht davon aus, dass noch Überlebende auf der Insel sind“, erklärt sie in der Nacht. Alle Menschen, die lebend von der Vulkaninsel White Island gerettet werden konnten, seien bereits „bei der Evakuierung“ in Sicherheit gebracht worden.

Bei Erkundungsflügen mit Hubschraubern und Flugzeugen seien keine Lebenszeichen gefunden worden, heißt es außerdem. Die Lage an dem Vulkan ist nach Angaben der Sicherheitskräfte zu gefährlich, um Suchmannschaften näher an den Krater zu schicken. „Wir werden die Einschätzung anpassen, wenn neue Informationen und Nachrichten vorliegen. Aber die Polizei ist nicht in der Lage, heute Nacht auf die Insel zu kommen“, heißt es in einer Mitteilung. Laut Ken Gledhill von Neuseelands Geologiebehörde gibt es keine Garantie, dass es nicht zu einem weiteren Ausbruch innerhalb der nächsten 24 Stunden kommt.

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Neuseeland
Mehrere Menschen nach Vulkanausbruch vermisst

Die Premierministerin Jacinda Ardern kündigt in einer Pressekonferenz an, in die betroffene Region reisen zu wollen. „Der Fokus muss auf den Such- und Rettungsarbeiten liegen“, sagt Ardern. Es treffen die ersten Beileidsbekundungen aus dem Ausland in Neuseeland ein. In Canberra äußert Premierminister Scott Morrison die Befürchtung, dass Australier unter den Opfern dieser „schrecklichen Tragödie“ sein könnten. Einige der Opfer sind Passagiere des Kreuzfahrtschiffes „Ovation of the Seas“, die einen Ausflug auf die Insel unternommen haben. Der Vulkan ist bei Touristen beliebt. Mit einer Entfernung von nur 48 Kilometern zur Nordinsel gehört er zu den am leichtesten erreichbaren aktiven Vulkanen. Täglich bewegen sich Hunderte Menschen durch die Mondlandschaft in seinem Krater. Bei einem niedrigen Gefahrenlevel können sie vulkanische Aktivitäten erleben.

Der Vulkan sei ständig aktiv, heißt es auf der Website eines Touranbieters: „Er atmet, brüllt, dampft und zischt.“ In der Sprache der Maori wird der Vulkan „Te Puia o Whakaari“ genannt. Dies wird meist als „der dramatische Vulkan“ übersetzt. Der englischsprachige Name „White Island“ wurde der Insel im Jahr 1769 von dem britischen Seefahrer James Cook gegeben, weil sie stets in weiße Wolken gehüllt war. Nach Angaben von Wissenschaftlern war der Vulkan in den vergangenen Wochen aktiver als sonst. Das wirft die Frage auf, ob er nicht für den Besucherverkehr hätte gesperrt werden müssen. Nach Darstellung eines Geologen war der Ausbruch aber nicht vorhersehbar. Der Geologiebehörde nach ist es ein relativ leichter Ausbruch.

Einer ihrer Wissenschaftler vergleicht ihn mit einem „Räuspern“. Die Eruption reicht aber aus, um eine Aschewolke bis zu 3700 Metern in die Höhe zu schleudern. Die gesamte Vulkaninsel ist danach bedeckt. Den Wissenschaftlern zufolge ist der Rest Neuseelands nicht von der Asche betroffen. Dennoch sorgt der Ausbruch für spektakuläre Bilder. Der Tourist Michael Schade aus San Francisco filmt ihn aus dem Fenster eines Bootes und veröffentlicht die Aufnahmen auf Twitter. Sie zeigen eine riesige graue Wand über dem Meer, hinter der die Insel fast komplett verschwunden ist. Dazu schreibt Schade: „Mein Gott, der White-Island-Vulkan in Neuseeland ist gerade zum ersten Mal seit 2001 ausgebrochen. Meine Familie und ich waren nur 20 Minuten zuvor hinabgestiegen. Wir warteten auf die Abfahrt unseres Bootes, als wir den Ausbruch sahen. Die Heimreise mit der Versorgung der Leute, die unser Boot gerettet hat, ist unbeschreiblich.“ Seine Mutter helfe gerade einer Frau, die sich in kritischem Zustand befinde. Seine Gedanken seien mit den Familien der Vermissten, den Verletzten und insbesondere den Rettungsmannschaften.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Fähnders, Till (fäh.) (Bild)
Till Fähnders
Politischer Korrespondent für Südostasien.
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