Zugunglück in Bayern

Tote und Verletzte – zwölf Personen noch vermisst

03.06.2022
, 22:43
Unglück in Bayern: Mindestens vier Menschen in Garmisch-Partenkirchen gestorben.
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Etwa 140 Menschen saßen in dem Zug. Die Polizei spricht von vier Toten und einigen Verletzen. Der bayerische Innenminister sagt, dass es noch mehr Opfer geben könnte.

Bei einem schweren Zugunglück zu Beginn der Pfingstferien in Bayern sind in Garmisch-Partenkirchen mindestens vier Menschen ums Leben gekommen. Wie die Polizei mitteilte, wurden etwa 30 Menschen verletzt, 15 von ihnen kamen in Krankenhäuser. Ein Regionalexpress entgleiste in der beliebten oberbayerischen Urlaubsregion auf dem Weg von Garmisch nach München am Freitag, Waggons kippten um. „Ich bin zutiefst erschüttert“, sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser am späten Freitagabend, nachdem sie sich ein Bild von der Lage gemacht hatte. „Es ist eine furchtbare Katastrophe.“ Faeser sei gekommen, um das tiefe Mitgefühl der Bundesregierung auszudrücken.

Drei der mindestens vier Todesopfer mussten noch geborgen werden. Diese Opfer lägen noch unter einem umgestürzten Waggon, berichtete Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Freitagnachmittag am Unglücksort. „So lange der Eisenbahnwaggon aber nicht angehoben ist, können wir nicht ausschließen, dass darunter weitere Tote liegen“, sagte er. Am Abend sagte der Innenminister im BR Fernsehen, dass noch rund ein Dutzend Personen als vermisst gelte. „Wir sind auch insofern ein bisschen besorgt, dass wir immer noch zwölf Vermisstenmeldungen haben, die noch nicht endgültig abgearbeitet werden konnten.“ Es könne aber sein, dass Vermisste bereits in den Kliniken seien. Einige seien so schwer verletzt, dass die Identität der Patienten noch nicht habe geklärt werden können. Er hoffe, dass die Polizei diese Vermisstenfälle in der Nacht abarbeiten könne.

Zeuge berichtet: „Plötzlich ist der Zug umgekippt“

Fest stand bislang, dass eine vierte Person auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben sei. Nach Angaben der Behörden waren etwa 140 Passagiere in der Regionalbahn. Die Fahrgäste seien binnen etwa einer dreiviertel Stunde bis maximal einer Stunde aus dem Zug geborgen worden. Rund 500 Retter waren vor Ort im Einsatz gewesen. Zwölf Rettungshubschrauber kreisten zwischenzeitlich über der Gegend.

Der Zug sei im Ortsteil Burgrain in den Loisachauen vermutlich entgleist, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Die Ursache für das Unglück blieb unklar. Unter den Verletzten seien alle Altersgruppen, darunter auch Kinder. Das Unglück ereignete sich gegen 12.15 Uhr – zum Schulschluss, wenn viele Kinder auf dem Heimweg sind. Am Samstag beginnen in Bayern die Pfingstferien.

Feuerwehr, Notärzte und Polizei waren mit einem Großaufgebot vor Ort. Die Menschen wurden durch die Fenster gezogen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. „Es wurde Vollalarm für Feuerwehr und Rettungsdienst ausgelöst“, sagte ein Sprecher der Integrierten Leitstelle im Oberland. Auch aus München rückten zahlreiche Rettungsmannschaften an.

Dieses Videostandbild zeigt umgekippte Waggons des Zuges.
Dieses Videostandbild zeigt umgekippte Waggons des Zuges. Bild: AFP

Ein amerikanischer Soldat war in einem der Autos auf der Straße neben der Bahnstrecke und erzählte seine Eindrücke dem „Garmisch-Partenkirchner Tagblatt“: „Es war schrecklich“, sagte er. „Einfach schrecklich. Plötzlich ist der Zug umgekippt.“

Wissing und Lutz fahren am Samstag zum Unglücksort

In einem gemeinsamen Pressestatement sprachen Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) und Bahnchef Richard Lutz am Freitagabend den Opfern und Hinterbliebenen ihr Mitgefühl aus. Wissing kündigte an, dass Bundesinnenministerin Faeser im Auftrag der Bundesregierung zum Unglücksort reise. Wissing selbst hätte sich gerne selbst ein Bild vor Ort gemacht. Man habe ihm jedoch mitgeteilt, dass die „Region von Berlin heute nicht mehr mit dem Hubschrauber angeflogen werden kann, da ein Extremwetterereignis sich abspielt“, sagte der Minister. Er werde am Samstag zusammen mit Bahnchef Lutz nach Garmisch-Partenkirchen fahren. Lutz sagte auf eine Frage zur Unfallursache: „Heute ist nicht der Tag, um über die Unfallursachen zu spekulieren. Heute ist der Tag, an dem wir bei den Menschen sein sollten, bei den Opfern und Hinterbliebenen.“

© Twitter

Die Deutsche Bahn richtete eine Hotline für Angehörige ein. „Über die Ursachen des Unfalls kann derzeit noch keine Aussage getroffen werden“, hieß es in einer Mitteilung. Die Bahn sperrte die Strecke zwischen Garmisch-Partenkirchen und Oberau. Züge aus Richtung München wenden vorzeitig in Oberau. Aus Richtung Mittenwald wenden die Züge vorzeitig in Garmisch-Partenkirchen. Ersatzverkehr sei in Planung, hieß es auf Twitter. Ob der Regionalzug wegen des neuen 9-Euro-Tickets außergewöhnlich voll war, war unklar.

Für die Region an der Grenze zu Österreich ist das Unglück kurz vor den Ferien auch verkehrstechnisch eine Katastrophe. Die nahe der Bahnlinien verlaufenden Bundesstraßen 2 und 23 wurden voll gesperrt. „Wir können den Verkehr im Moment nicht in Richtung Garmisch-Partenkirchen laufen lassen, weil die Rettungskräfte auf der Straße sind“, sagte ein Polizeisprecher. Wegen des Beginns der Pfingstferien in Bayern sei auf der Route mit langen Staus zu rechnen.

Quelle: marf./dpa
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