Vereinigte Staaten

Abnehmen per Gesetz

04.02.2004
, 11:38
Kalorienreiche Alltagskost
Die Amerikaner sind zu dick - und sie werden immer dicker. Jetzt hat die Regierung dem nationalen Übergewicht den Kampf angesagt. Mit neuen Gesetzen soll der Gewichtszunahme Einhalt geboten werden.
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Die Amerikaner werden immer dicker. Schon fast zwei Drittel der amerikanischen Bürger gelten als übergewichtig, Millionen als fettleibig. Während das Gesundheitsministerium das wachsende Durchschnittsgewicht der Bürger feststellt, die Industrie mit Produkten wie XXL-Särgen oder riesigen Frühstücksportionen reagiert, treibt gleichzeitig der Schlankheitswahn immer neue Blüten. Doch es gibt Hoffnung: neue Gesetze sollen der Fett-Plage begegnen.

Zu Jahresbeginn, der Zeit der guten Vorsätze, prasselt ein wahres Werbegewitter der Schlankheitsindustrie auf die Amerikaner nieder. Derzeit ist die „Atkins-Diät“ besonders populär: In Restaurants sitzen Gäste vor Riesen-Steaks oder mächtigen Portionen von Rühreiern und Speck - ohne eine kohlenhydratreiche Beilage wie Brot oder Kartoffeln. Diätbücher dominieren die Bestsellerlisten: 10 der derzeit 20 meist verkauften Sachbücher propagieren Super-Diäten.

Limonadenkonzerne als Sponsoren

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Die Regierung will das nationale Übergewicht bekämpfen. Künftig sollen die Kalorien-, Zucker- und Fett-Anteile auf Lebensmitteln aufgeführt werden, auch sollen Restaurants neben jedes Gericht die Kalorienzahl schreiben. Doch die Chancen, die Bürger mit Aufklärung von ihrem kalorienreichen Weg abzubringen, stehen schlecht. Seit langem preisen in Supermärkten kostenlose Broschüren gesunde Ernährung an. In Schulen gibt es Ernährungsaufklärung, in Arkansas wird das Gewicht der Schüler mit Noten bewertet. In New York sollen zwar bald Limonaden- und Snack-Automaten aus den Schulen verbannt werden. Doch der Alltag der Jugend sieht anders aus.

Da die Limonadenkonzerne oft Sponsoren von Schulen sind, stehen in vielen Gebäuden Automaten mit zuckrigen Getränken. In den Kantinen der High-Schools dominieren fette Pommes, Hamburger oder Pizza - und in fast jeder Schule stehen Automaten mit süßen Riegeln oder Chips. Nachdem Anwälte dicker Klienten - zunächst erfolglos - gegen Hamburger-Ketten und Chips-Hersteller klagten, sieht sich die Branche zunehmend in der Defensive. Die wohl größten Dickmacher, die großen Schnellimbiss-Konzerne bieten in ihren Lokalen verstärkt kalorienarme Snacks an. Gleichzeitig locken sie mit Niedrigpreisen und immer neuen, riesigen „Supersize“-Portionen zum kalorienreichen Schlemmen.

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Sinkende Agrarpreise

Die seit Jahrzehnten sinkenden Preise für Agrarprodukte sind nach Ansicht von Ökonomen eine wesentliche Ursache für die immer größeren Portionen, mit denen Konsumenten verführt werden sollen. Imbißketten bieten Frühstücke mit Rühreiern, Würstchen, Speck, Bratkartoffeln, Pfannkuchen und süßem Sirup an, die leicht 1500 Kalorien erreichen. Experten in den Vereinigten Staaten sind sich einig, daß die Grundlagen für falsche Eßgewohnheiten in der Kindheit gelegt werden.

Vor allem das moderne Familienleben scheint Gift für gesunde Kinder zu sein. Dem Sachbuchautor Greg Citser zufolge hat die wachsende Zahl arbeitender Mütter die Eßsitten verlottern lassen. Dinner aus Pizzerien und Hamburger-Stationen, Fertiggerichte sowie Chips und Süßkram bestimmen demnach den Speiseplan der Kleinen heute mehr als Hausmannskost. Gesundheitsexperten sehen in höheren Steuern (auf Fette und Zucker) einen Weg, der Fettleibigkeit zu begegnen. Dickmacher sollen deutlich teuer werden. Zudem soll es nach Gewicht gestaffelte Tarife für Kranken- und Lebensversicherungen geben.

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Angst vor Prozeßwelle

Im amerikanischen Senat werden solche unpopulären Maßnahmen hinter verschlossenen Türen erörtert. Hoffnung auf eine Trendwende machen aber vor allem Juristen, vor denen die Konzerne angesichts der gigantischen Entschädigungssummen der Tabakindustrie zweifellos mächtigen Respekt haben. Insbesondere seitdem sich Jura-Professor John Banzhaff (Universität Washington), der schon erfolgreich gegen die Tabakunternehmen klagte, des Themas angenommen hat. Die bisherigen Niederlagen vor Gericht seien nicht entmutigend. „Es hat auch lange gedauert, bis die Richter gegen die Tabakindustrie urteilten“, sagte er in der „Washington Post“.

Wie sehr die Industrie eine Prozeßwelle fürchtet, zeigen neue Initiativen. Ketten wie McDonalds oder Burgerking bieten kalorienarme Gerichte wie Salate oder Hühnchengerichte an, informieren über Kalorien und starten Fitneßprogramme. Ein Restaurant in Seattle läßt - wenn auch als Werbegag - jeden Gast, der das Schokoladendessert „The Bulge“ bestellt, schriftlich versichern, daß er sich bewußt sei, was er an Kalorien einnähme.

Quelle: dpa
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