Virtuelle Stadtrundgänge

Urbanes Googeln

Von Rainer Schulze
04.07.2008
, 11:37
Auto mit Ausguck: Google fotografiert die Straßen von Frankfurt, Berlin und München auf Augenhöhe
Google fotografiert zurzeit deutsche Städte und die Routen der Tour de France. Wie schon durch amerikanische Städte sollen Internetnutzer bald auch durch Berlin, Frankfurt und München spazieren können. Am Bildschirm.
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In San Francisco schlendert ein Mützenmann die Straße hinab, an der New Yorker Frankfort Street überquert ein Anzugträger die Kreuzung, während ein Yellow Cab heranrauscht: Auf der amerikanischen Internetseite von Google gibt es die Stadt schon in Katalogform, „Google Earth“ verschärft, sozusagen. Während bei dem Orientierungsprogramm die Ansicht auf ein paar hundert Metern Höhe hängenbleibt, mischt sich der Betrachter der Straßenansichten direkt unter die Passanten. Wie Postkartenansichten, die um 360 Grad zu drehen sind, reihen sich die Fotos von mehr als 40 amerikanischen Städten aneinander. Nur dass Postkarten öde Orte ausblenden. Nicht so bei Google. Hier wird die ganze Stadt präsentiert. Man muss nicht mehr nach Boston reisen, um durch die Straßen der Stadt zu wandeln. Und bald braucht man nicht einmal mehr nach Frankfurt zu fahren.

Virtuelle Stadtrundgänge plant Google nämlich jetzt auch in Deutschland. Autos mit Teleskopstab und Kameras auf dem Dach drehen zurzeit in Frankfurt, München und Berlin ihre Runden. Die Spezialkameras halten mit ihren in alle Richtungen blickenden Objektiven die Stadt fest. Am Ende, so der Plan, soll die Stadt „virtuell erlebbar“ sein, wie der Sprecher von Google Deutschland, Stefan Keuchel, erläutert. Die Software eignet sich aber nicht, um zu überprüfen, ob der Angestellte die Mittagspause bis zum Anschlag ausdehnt oder der Partner wirklich nur in der Stadtbibliothek ein Zitat nachschlägt. Auch der Mützenmann in Francisco lief nicht vor fünf Minuten oder einer halben Stunde durch die Straßen von San Francisco. Die Stadtaufnahmen werden nicht laufend aktualisiert und schon gar nicht als Livestream gezeigt. Das wäre zu aufwendig. Die Straßenzüge werden zu einem zufälligen Zeitpunkt fotografiert. So manche Baulücke ist vielleicht schon geschlossen, so mancher Baum abgeholzt, so manches Gebäude gesprengt, wenn der Betrachter später virtuell durch die Straßen zieht. Allerdings zeigen sich die Städte bei bestem Wetter. Bei Regen legen die Autos mit den Spezialkameras eine Pause ein.

Gesichter der abgebildeten Personen werden unscharf gezeigt

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Mehr Wert noch als in der amerikanischen soll in der deutschen Version auf den Datenschutz gelegt werden. Die Gesichter der abgebildeten Personen werden unscharf gezeigt, auch die Autokennzeichen sollen nicht lesbar sein. Datenschützer halten darum das Vorhaben von Google für weitgehend unproblematisch. „Luftbildaufnahmen, die Privatgärten zeigen, sind problematischer als die Straßenansichten“, sagt die Sprecherin des hessischen Datenschutzes, Ulrike Müller.

Ihr sei aber dennoch „unwohl“ bei der Sache. „Immerhin werden Informationen so leichter zugänglich.“ Sollte sich ein Passant oder Radfahrer doch auf den Bildern wiedererkennen, entfernt Google ihn auf Verlangen. Wann die Straßenansichten für deutsche und andere europäische Städte angeboten werden, will Keuchel noch nicht sagen. Die Aufzeichnungen seien nur ein Probelauf. „Wir testen die europäischen Straßen.“ Google beginnt mit einem anderen Projekt: den Straßen der Tour de France. Zu Hause kann man die Radstrecke seit Donnerstag schon am Bildschirm abfahren, endlose Weizenfelder und zermürbende Berganstiege inklusive.

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Quelle: F.A.Z.
Rainer Schulze - Portraitaufnahme für das Blaue Buch
Rainer Schulze
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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