Seuchen

Vogelgrippe: Bayern marschiert vorneweg, andere wollen folgen

17.10.2005
, 15:45
Grünzeug futtern bald nur noch im Stall?
Als erstes Bundesland verbietet Bayern flächendeckend die Freilandhaltung von Haus- und Zuchtgeflügel und kritisiert die Maßnahmen von Bund und EU als unzureichend. Andere Länder überlegen, vielleicht nachzuziehen.
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Die Stallpflicht für Geflügel in Bayern zum Schutz vor der Vogelgrippe tritt schon an diesem Mittwoch in Kraft. Unabhängig davon, wie die Entscheidung der anderen Bundesländer ausfalle, werde Bayern die Stallpflicht anordnen, sagte ein Sprecher des bayerischen Umweltministeriums. Ursprünglich sollte die Regelung erst einige Tage nach einer Konferenz der Tierseuchenfachleute am Dienstag in Kraft treten.

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Seit Montag hat Bayern als erstes Bundesland zudem sämtliche Geflügelmärkte und Vogelschauen zum Schutz vor der Vogelgrippe verboten. Das Verbot soll bis zum 15. Dezember für sämtliches eßbares Geflügel wie Hühner, Enten, Gänse, Truthähne oder Rebhühner. Sporttauben oder Kanarienvögel seien ausgenommen.

Kritik am Bund und der EU aus Bayern

Bayerns Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU) kritisiert die bisherigen Maßnahmen des Bundes und der EU gegen die Vogelgrippe als unzureichend. Der Minister sagte am Montag im Bayerischen Rundfunk, er denke, daß sowohl Brüssel als auch Berlin nicht konsequent genug vorgingen.

Forschen gegen die Vogelgrippe
Forschen gegen die Vogelgrippe Bild: dpa

Nach dem Vorstoß Bayerns prüft nun auch Niedersachsen ein Verbot von Geflügelmärkten. Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) werde aber ein Treffen der Länderfachleute am Dienstag abwarten, sagte ein. Ehlen bevorzugt ein bundesweit einheitliches Vorgehen. Eine Entscheidung, ob das regionale Verbot für die Freilandhaltung von Geflügel auf ganz Niedersachsen ausgeweitet werde, steht noch aus.

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Erste Maßnahmen auch in Thüringen und Sachsen-Anhalt

Thüringen hat die Kontrollen am Flughafen Erfurt verstärkt. Die Reisenden aus der Türkei stellten eine der wenigen Risikofaktoren für die Einschleppung der Krankheit dar, sagte der Sprecher des Thüringer Gesundheitsministeriums. Gesucht werde sowohl nach Lebensmitteln mit Geflügel als auch nach am Strand gefundenen Federn. In der aktuellen Lage sieht das Ministerium keinen Grund für eine Einstallungspflicht. Der Tierschutz dürfe nicht der Panik geopfert werden. Auch am Flughafen Rostock-Laage sind am Montag Passagiere, die aus Vogelgrippe-Risikoländern kamen, stichprobenartig kontrolliert worden. Wie Bayern vebietet auch Sachsen-Anhalt schon jetzt bis Mitte Dezember Geflügelmärkte im Freien.

Der Schweizerische Rassengeflügel-Verband (SRGV) bezeichnete die bayerischen Maßnahmen als Überreaktion. „Da wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen“, sagte SRGV-Präsident Martin Wyss. Sein Verband werde keine Ausstellungen absagen. Auch empfehle der Verband den Züchtern nicht, den Freilauf der Hühner einzuschränken.

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Schmidt rechnet mit Impfstoff Ende des Jahres

Der Zoll am Münchner Flughafen warnte Reisende aus der Türkei, Rumänien und anderen Risikogebieten für die Vogelgrippe vor der Einfuhr von Lebensmitteln. Bei verstärkten Kontrollen wurden inzwischen mehr als 200 Kilo Lebensmittel wie Wurst, Fleisch oder Käse sichergestellt, sagte ein Zollsprecher.

Unterdessen hat Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) angekündigt, daß zum Jahresende ein Prototyp-Impfstoff gegen die Vogelgrippe vorliegen wird. „Ich gehe zuverlässig davon aus, daß Ende des Jahres die Zulassung beantragt werden kann“, sie am Montag in Berlin. Die Bundesregierung habe sich finanziell an der Entwicklung beteiligt. Im übrigen verwies sie auf den Pandemie-Plan von Bund und Ländern gegen die Vogelgrippe. Antivirale Arzneien seien bestellt.

Biobauern befürchten Einbußen

Viele Biobauern rechnen derweil schon mit erheblichen Auswirkungen durch die Vogelgrippe, obwohl das Virus Deutschland noch nicht erreicht hat. „Es wird einen wirtschaftlichen Schaden geben“, sagte Thomas Dosch, Bundesvorsitzender des Agrarverbands Bioland. Schon jetzt werde Frischgeflügel schlechter verkauft als früher. Die große Katastrophe sieht er allerdings nicht auf die Bio-Geflügelzüchter zukommen. Sie seien auf ein Freilaufverbot vorbereitet. Bei einer Stallpflicht könnten Biobauern Scheunen und Gewächshäuser für die Tiere herrichten. Viele Züchter hätten so genannte Wintergärten, einen überdachten Auslauf vor dem Stall. Eier der eingesperrten Hennen, die sonst im Freien leben, dürfen derzeit in Deutschland als Freilandeier verkauft werden.

Das zuständige Bundesinstituts halt ein deutschlandweites Freilaufverbot nach wie vor für nicht erforderlich. Es sei von einem geringen Einschleppungsrisiko über Zugvögel auszugehen. Noch sei unklar, ob das Vogelgrippe-Virus nach Rumänien über Wildvögel, über Tiertransporte oder über den Handel eingeschleppt worden sei.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AP, ddp, dpa
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