Vor NATO-Gipfel

Ganz Madrid soll zu Hause bleiben

Von Hans-Christian Rößler, Madrid
28.06.2022
, 06:34
Polizisten stehen vor dem Gebäude Wache, in dem von Dienstag an das NATO-Gipfeltreffen stattfinden soll.
An diesem Dienstag beginnt der NATO-Gipfel in Madrid. Dann sollen die Einwohner der spanischen Hauptstadt in ihren vier Wänden bleiben. Denn vor allem der amerikanische Präsident braucht viel Platz auf den Straßen.
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Der Aufruf erinnert an die schlimmsten Tage der Pandemie. Die Einwohner von Madrid sollten in den nächsten Tagen am besten zu Hause bleiben und im Homeoffice arbeiten. Selbst das Prado-Museum wird zwei Tage lang schließen. Der Grund dafür ist die Gipfel-Karawane, die an diesem Dienstag aus dem oberbayerischen Elmau mit dem amerikanischen Präsidenten Joe Biden an der Spitze im Herzen der spanischen Hauptstadt eintrifft.

Das NATO-Gipfeltreffen beginnt am Dienstagabend mit einem feierlichen Dinner im Königspalast. Am Mittwoch fangen dann die Gipfelberatungen im Messezentrum am Stadtrand an. Doch die meisten der 40 Delegationen wohnen in den Luxushotels in der Stadtmitte am Castellano-Boulevard, der wie andere wichtige Straßen immer wieder gesperrt sein wird. Das könnte den Verkehr nicht nur im Zentrum zum Erliegen bringen, denn auch auf den Autobahnen, die zum Flughafen von Torrejón de Ardoz führen, wo die Regierungsmaschinen landen, haben die Staatsgäste Vorfahrt. „Es werden sehr komplizierte Tage werden. Es ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, um für die Stadt Madrid zu werben, aber die Hauptstadt wird praktisch blockiert sein“, sagte der Bürgermeister von Madrid, José Luis Martínez-Almeida.

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Vor allem der amerikanische Präsident, der mit der „Air Force One“ am Nachmittag aus München direkt nach Madrid fliegt, braucht viel Platz auf den Straßen. Aber angeblich wird er bescheidener unterwegs sein als zuletzt in Rom: Sein Konvoi werde nicht aus gut 80, sondern nur aus gut 50 Fahrzeugen bestehen. Am Flughafen wird ihn König Felipe willkommen heißen; First Lady Jill Biden war ihm schon am Sonntagabend vorausgereist.

Kampfflugzeuge sind startklar

Insgesamt 10.000 Polizisten werden die 40 Staats- und Regierungschefs und die etwa 5000 Gipfelteilnehmer schützen. Die Polizeiaktion während des Gipfels im Schatten des Ukraine-Kriegs trägt den Namen Eirene, der Göttin, die in der griechischen Mythologie Frieden bringt. Den Luftraum über Madrid werden mehrere AWACS-Flugzeuge der NATO sichern. Kampfflugzeuge sind startklar, die Flug- und Drohnenabwehr ist einsatzbereit. Man hat sich zudem auf einen Cyberangriff gerüstet, der aus Russland drohen könnte. Nach Angaben des Innenministeriums handelt es sich um den größten Sicherheitseinsatz der jüngeren Geschichte Spaniens. Insgesamt 50 Millionen Euro gibt die Regierung für das Treffen aus – eine „beträchtliche Investition“, die jedoch einen „enormen Nutzen“ mit sich bringe, weil sie Spaniens Ansehen als Reiseziel stärke, heißt es aus der Regierung.

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Dazu werden die Bilder von den beiden Abendessen im Königspalast und im Prado-Museum beitragen. Dort gibt Ministerpräsident Pedro Sánchez am Mittwoch ein „Transatlantisches Dinner“. Seine Gäste werden nicht unter den Bildern der Galerie speisen, sondern im wiederaufgebauten Kreuzgang des angrenzenden Neubaus. Königin Letizia kümmert sich seit Montag um die Lebenspartner der Staats- und Regierungschefs. Zunächst besuchte sie nur mit Jill Biden eine Krebshilfe-Organisation, am Dienstag stand ein Aufnahmezentrum für ukrainische Flüchtlinge auf dem Programm. Am Mittwoch ist mit allen anderen ein Ausflug nach La Granja de San Ildefonso bei Segovia geplant. Das spätbarocke Schloss mit seinen Wasserspielen war einst Sommerresidenz der Könige. Nach dem Mittagessen in Madrid werden sie Picassos „Guernica“-Gemälde besichtigen. Am Mittwoch geht es zu einer Probe von Verdis „Nabucco“ ins Teatro Real. Im Opernhaus gegenüber dem Königs­palasts ist auch eine Verkostung von Olivenölen geplant – und ein Vortrag über mediterrane Ernährung.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Rößler, Hans-Christian
Hans-Christian Rößler
Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.
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