Wirtschaftsspionage

Zugriff, Filter und die Wünsche der Kunden

Von Cornelia Pretzer
03.02.2001
, 11:13
So war es früher
Theoretisch kann jeder abgehört werden. Es ist nur die Frage, ob die genannten Informationen irgendjemanden so sehr interessieren, dass er viel Geld dafür bezahlt.

„Stell Dir vor, Du hast einen Verwandten in Südafrika. Wenn die Familie eine ganz normale Familie ist, mit keinerlei Anreiz zum Abhören, dann wird auch nicht abgehört. Wenn Dein Cousin deutscher Diplomat ist, stehen seine Nachrichten auf der Liste der interessanten Informationen. Die Familie wird angezapft, weil sie unvorsichtigerweise wichtige Daten preisgegeben könnte. Angenommen Dein Verwandter arbeitet in Südafrika für eine Nichtregierungsorganisation an einer Anti-Globalisierungskampagne. Das ist ein Hauptinteresse der Nachrichtendienste, danach wird gesucht. Angenommen der Verwandte hat mit Drogen oder organisiertem Verbrechen zu tun. Dann wird er und alle, die mit ihm in Kontakt treten, sicherlich abgehört werden.“

Diese Beispiele führt Duncan Campbell an, wenn es um die Wahrscheinlichkeit geht, für Geheimdienste interessant zu werden. Der britische Journalist, der für das Europäische Parlament mehrere Berichte zum Thema Geheimdienste geschrieben hat, warnt allerdings vor Übertreibung. Es sei keineswegs so, dass sobald jemand ein bestimmtes Wort am Telefon ausspreche, irgendwo ein Tonband anspringe. „Die Inhalte des Gesagten sind sehr schwer zu erkennen“, sagt er FAZ.NET. Woher ein Anruf komme oder wohin er gehe, sei dagegen sehr einfach herauszufinden. Deshalb haben sich Geheimdienste darauf verlegt, nach bestimmten Sprachmustern zu suchen. Nicht einzelne Worte, sondern Stimmen werden gesucht.

Telefonate und E-Mails

Ganz anders sieht das bei E-Mails aus. „In E-Mails kann der Computer alles lesen und jedes einzelne Wort verstehen, egal in welcher Sprache. Das macht es sehr einfach, nach bestimmten Inhalten zu suchen“, sagt Campbell. Am besten schütze man sich durch eine Verschlüsselung der Kommunikation.

Zugreifen, Filtern, Aufbereiten

Grundsätzlich besteht Spionage aus drei Schritten: Zugreifen, Filtern und Aufbereiten der Informationen nach den Wünschen der Kunden. Wie viel abgehört wird, hängt dabei sehr von dem Weg der Kommunikation ab. Internationale Satelliten sind leicht anzuzapfen, und das geschieht auch weitgehend. An Information via Unterseekabel kommen viele abhörende Ländern direkt von ihrem Territorium, oder Unterseeboote bringen an den Kabeln entsprechende Apparate an. Weiter sammeln Satelliten im Weltall Informationen von der Oberfläche der Erde. Diese Möglichkeit des Abhörens ermöglicht einen umfassenden Zugriff, ist aber sehr teuer. Radio im Mikrowellenbereich zum Beispiel ist mit Satelliten sehr einfach abzuhören. Mobiltelefone können in Städten angezapft werden, und besonders bei Handys von Diplomaten oder Botschaften geschieht das auch. Auf Kommunikation per Kabel innerhalb eines Landes ist nur mit viel Aufwand zuzugreifen. Laut Campbell müssen die Geheimdienste jedoch sehr gute Gründe haben, bevor sie das Risiko eingehen und das Geld dafür ausgeben.

Riesige Datenmengen

Doch der Zugriff allein nützt den Geheimdiensten noch nichts. Die Menge an gesammelten Daten ist unüberschauber. Allein das Satelliten-Lausch-System Echelon der englischsprachigen UKUSA-Allianz sammelt pro Stunde zwei Millionen Nachrichten. Am Ende hat der Computer im Durchschnitt nur vier interessante Berichte herausgefiltert. „Nachrichten werden angezapft, davon hört sich etwa 90 Prozent aber niemand an“, sagt Campbell.

Als Preis für alle Abhörmaßnahmen weltweit nennt Campbell eine Summe von 20 Milliarden Dollar pro Jahr: „Die Hälfte davon geben allein die Vereinigten Staaten aus.“

Quelle: @cop
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