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Flüchtlinge

VW baut Brücken in die Welt der Arbeit

Von Carsten Germis, Wolfsburg
 - 10:41
Auszubildende und Flüchtlinge absolvieren eine Grundausbildung in einer Werkstatt von Volkswagen.

Volkswagen ist politischer als andere Konzerne. Soziales Engagement an den eigenen Standorten gehöre quasi zur DNA von VW, sagt Finanzvorstand Frank Witter. Der Mann der Zahlen im Konzern hat seit gut einem Jahr eine zusätzliche Aufgabe übernommen. Er ist Schirmherr der Flüchtlingshilfe von Volkswagen. Als er Ende 2018 gefragt wurde, ob er bereit sei, diese Aufgabe ehrenamtlich zu übernehmen, „war es nicht so schwer, mein Herz zu öffnen“, sagt Witter.

Flüchtlinge haben oft Fähigkeiten, die auf dem deutschen Arbeitsmarkt dringend gebraucht werden – doch der Start in einer neuen Sprache und an der Berufsschule ist schwierig. Um die Chancen auf Integration über den Job zu erhöhen, hat VW mit Partnern aus Wirtschaft und Verwaltung 2016 ein spezielles Vorbereitungsprogramm für Geflüchtete aufgebaut.

Mehr als 5000 junge Menschen, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, haben seit der Grenzöffnung an Vorbereitungskursen zur beruflichen Integration teilgenommen. Inzwischen steht der dritte Jahrgang vor dem Abschluss. Rund 2400 der 5000 geförderten Flüchtlinge waren bisher in dem Kernmodul zur Berufsintegration, das auch Praktika umfasst und auf den Einstieg in verschiedene Jobs in Deutschland vorbereitet.

Politisch klare Position

Dass VW in der Flüchtlingsfrage politisch eine klare Position hat, sehen Besucher des Stammwerks in Wolfsburg schon, wenn sie über das Tor Sandkamp anreisen. Eine Seenot-Rettungsweste hängt dort seit dem Ende des vergangenen Jahres unter dem neuen Logo von VW – ein deutliches Signal. Witter gehört dabei nicht zu denen, die die Probleme der Zuwanderung leugnen. „Das Thema Integration ist schwierig“, sagt er. „Man muss sich völlig darüber klar sein, das dauert.“ Sorgen und Ängste, auch Vorurteile ließen sich aber am besten überwinden, „indem man miteinander Zeit verbringt“.

Diese Idee steckt auch hinter der Flüchtlingshilfe, die der Konzern an vielen seiner Standorte mit regionalen Partnern ins Leben gerufen hat. Die Qualifizierung, die VW Flüchtlingen dort anbietet, sei ein „Vorgriff zur Ausbildung“, berichtete Ariane Kilian, die im Konzern die Flüchtlingshilfe leitet. „Als wir 2015 unsere Arbeit aufnahmen, stand die Soforthilfe im Vordergrund. Heute gilt es, mit nachhaltigen Bildungs- und Berufsprogrammen dazu beizutragen, dass Geflüchtete Schritt für Schritt in der deutschen Gesellschaft ankommen und in der Job-Welt Fuß fassen können.“

Am Anfang steht der Sprachkurs

Es sei weniger das Geld, das VW für die Flüchtlingshilfe ausgebe, als das freiwillige Engagement der Mitarbeiter, das den Wert des Engagements für den Konzern ausmache, sagt Witter. „Das Geld können wir uns gut leisten, das schränkt uns nicht ein.“ Er spricht von einem „siebenstelligen Betrag“ im Jahr. Im Stammwerk in Wolfsburg können sich 10 bis 15 Flüchtlinge in einem zehnmonatigen Praktikum auf eine Berufsausbildung vorbereiten. Es beginnt mit einem Sprachkurs.

VW könne eine Sprachförderung leisten, die weit über das hinausgehe, was staatlich möglich sei, sagt Ariane Kilian. Zählt man alle Konzernmarken zusammen, bildet Volkswagen nach der vorbereitenden Qualifizierung jetzt 154 Geflüchtete aus. Wer sich im regulären Bewerbungsverfahren als Flüchtling um einen Ausbildungsplatz bewirbt und bei VW anfängt, ist dabei nicht mitgezählt.

Khalid Murat reizt die Praxis

Nicht immer seien die Erfahrungen in der Qualifizierung gut. Es gehe oft auch um Voraussetzungen wie Pünktlichkeit und das Bewusstsein dafür, dass die Qualität bei der Arbeit stimmt. „Rückschläge gehören zum Leben“, sagt Witter. In Wolfsburg haben bislang 31 Flüchtlinge an dem dortigen Kooperationsprojekt teilgenommen. Eine der ersten, die daran teilnahmen und über die Qualifizierung bei VW den Einstieg in das deutsche System der dualen Berufsausbildung fanden, ist die 26 Jahre alte Elsie Kamikazi aus Ruanda.

Sie ist jetzt im zweiten Lehrjahr beim Wolfsburger Optiker Ehme de Riese. Sie fand die theoretischen Teile der Qualifizierung spannender als die Praxis in den VW-Werkstätten, weil sie dabei viel über Wirtschaft und Kultur ihres neuen Heimatlandes gelernt habe. Khalid Murat, der Ende 2014 aus Syrien kam, reizt dagegen die Praxis. „Seit Kindheit war es mein Traum, dass ich mein Leben lang mit Autos umgehen kann“, sagt der 23 Jahre alte Mann. Schon jetzt arbeitet er in einem Wolfsburger Autohaus, bei VW bereitet er sich bis Ende des Monats in der Werkstatt auf die Berufsausbildung dort vor.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Germis, Carsten (cag.)
Carsten Germis
Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.
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