FAZ plus ArtikelGeschwister im Berufsleben

Machen die Älteren schneller Karriere?

Von Ursula Kals
23.10.2021
, 12:55
Kuscheln mit der lieb gewonnenen Konkurrenz
Lange Zeit hieß es: Erstgeborene gehen eher in Führung. Neue Forschungsergebnisse zeigen aber, dass das auch an ganz anderen Faktoren liegen könnte.
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„Wenn man der unbestrittene Liebling der Mutter gewesen ist, so behält man fürs Leben jenes Eroberergefühl und jene Zuversicht des Erfolges, welche nicht selten den Erfolg nach sich zieht“, schreibt Sigmund Freud, von seiner Mutter „mein goldener Sigi“ genannt. Der Begründer der Tiefenpsychologie hat es als Ältester von seinen sieben Geschwistern weit gebracht. Erstgeborene haben viele Vorteile, ihnen wird Zeit, Zuwendung, auch finanzielle, zuteil. Andererseits sind die Eltern noch unerfahren, unentspannter. Schon beim zweiten Kind erlahmt der elterliche Erfolgsdruck.

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Die Forschung floriert seit den Achtzigerjahren: Was sagt der Platz in der Geschwisterfolge über eine künftige Karriere aus? Laufen Erstgeborene wirklich zur Hochform auf, weil ihnen die Führungsrolle von klein auf vertraut ist, sie verantwortlich für die Jüngeren sind? „Das erste Kind ist für die Mama, das zweite für den Papa, das dritte für sich selbst.“ So zitiert Ralph Schliewenz einen seiner Kollegen. Der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut aus Soest ist der Meinung, dass Geschwister ihre Familie ganz individuell wahrnehmen – und auch ganz unterschiedlich von ihren Eltern behandelt werden. Daher sei es wenig überraschend, wenn Karriere und berufliche Zukunft auch mit der Geschwisterfolge zusammenhängen. Aber es kommt auf den Einzelfall an. „Es kann eine Hypothese sein, ist aber definitiv nicht kausal.“ Kant war das vierte von neun Geschwistern, Bach das jüngste von acht Kindern.

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Quelle: F.A.S.
Ursula Kals - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Ursula Kals
Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.
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