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Minister in Vaterschaftsurlaub

Papa Koizumi erstaunt Japan

Von Patrick Welter, Tokio
 - 16:38
„Um die japanische Arbeitskultur zu verändern, bedarf es auch der Anstrengungen von oben“, sagte Koizumi.

Ein Minister nimmt Vaterschaftsurlaub. Im arbeitsamen Japan ist das eine kleine Sensation und den Zeitungen längere Berichte wert. Das liegt natürlich auch daran, dass es nicht um irgendeinen Minister geht, sondern um Shinjiro Koizumi, den Jungstar im Kabinett. Der 38 Jahre alte Koizumi ist ausgesprochen populär und wird schon jetzt als künftiger Ministerpräsident gesehen. Er hat angekündigt, dass er nach der bevorstehenden Geburt seines ersten Kindes zwei Wochen lang Vaterschaftsurlaub nehmen möchte.

Er habe lange darüber nachgedacht, wie er Zeit freischlagen und dennoch seine öffentlichen Pflichten erfüllen könne, sagte Koizumi, der Sohn des früheren Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi. Herausgekommen ist die Zwei-Wochen-Lösung, er werde teils frei nehmen, teils per Telearbeit von zu Hause arbeiten. Kabinettsitzungen und Termine im Parlament will der Umweltminister generell wahrnehmen.

Koizumi ist fast ein Einzelfall

Das alles zeigt an, wie sehr in Japan mit seinen überlangen Arbeitstagen und dem hohen Wert der Pflichterfüllung der Vaterschaftsurlaub als Besonderheit angesehen wird. Es gibt Gerichtsverfahren wegen Mobbings, weil Beschäftigte, die den gesetzlichen Anspruch auf Vaterschaftsurlaub beanspruchten, von Kollegen und Arbeitgeber schlecht behandelt worden seien.

Nur eine kleine Minderheit von arbeitenden Vätern nimmt Vaterschaftsurlaub. 2018 waren es nach Regierungsstatistiken 6,2 Prozent, weit weniger als die 82 Prozent der arbeitenden Frauen. Im öffentlichen Dienst sieht die Lage etwas besser aus. 12,4 Prozent der Väter nehmen hier eine Auszeit für das Neugeborene. Doch diese ist oft nur kurz. Im gesamten Durchschnitt Japans endet für 36 Prozent der Väter der Vaterschaftsurlaub nach weniger als 5 Tagen.

Großzügige Regeln werden kaum genutzt

Die Regierung von Shinzo Abe, die im Interesse einer höheren Arbeitsproduktivität eine bessere Balance zwischen Arbeitszeit und Lebenszeit propagiert, hat das geringe Interesse an Vaterschaftszeiten als Problem definiert. Vom kommenden Fiskaljahr an sollen zumindest die öffentlichen Angestellten dazu angehalten werden, mindestens einen Monat Vaterschaftsurlaub zu nehmen. Wenn Vorgesetzte das nicht zulassen, soll sich das negativ auf ihre Aufstiegschancen auswirken.

Dass japanische Väter kaum Vaterschaftsurlaube nehmen, ist umso bemerkenswerter, weil Japan im internationalen Vergleich diesbezüglich eine der großzügigsten Regeln hat. Eine angestellt arbeitende Mutter kann vor der Geburt eines Kindes 6 Wochen lang und danach bis zu 52 Wochen frei nehmen. Zusätzlich hat auch der Vater das Recht auf bis zu 52 Wochen Vaterschaftsurlaub nach der Geburt. Minister Koizumi ist im politischen Japan fast ein Einzelfall.

Von zwei Provinzgouverneuren ist bekannt, dass sie für ein Baby eine Auszeit nahmen. Koizumi, der im vergangenen Jahr die Fernsehansagerin Christel Takigawa heiratete, ist wohl der erste Minister, der in Vaterschaftsurlaub geht. Er will damit auch ein Zeichen setzen, um das soziale Klima in Japan zu verändern. „Um die japanische Arbeitskultur zu verändern, bedarf es auch der Anstrengungen von oben“, sagte Koizumi.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Welter, Patrick
Patrick Welter
Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.
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