Sozialflügel der CDU fordert

Unternehmen sollen für das Homeoffice zahlen

Von Britta Beeger und Dietrich Creutzburg, Berlin
Aktualisiert am 15.09.2020
 - 17:29
Arbeiten vom Esstisch - keine Seltenheit in den vergangenen Monaten.
Arbeitgeber sind für die Ausstattung des Arbeitsplatzes zuständig – egal, wo ihre Angestellten arbeiten, findet Nordrhein Westfalens Arbeitsminister Laumann. Also müssten sie auch für finanzielle Mehrbelastungen zuhause aufkommen.

Die Corona-Pandemie war für viele Beschäftigte und Betriebe ein ungeplanter Großversuch: Ohne Vorbereitung wurde das Arbeiten von zu Hause aus erprobt – mit sehr gemischten Erfahrungen je nach Einzelfall. Der einflussreiche Sozialflügel der CDU will deswegen nun vor allem Arbeitgeber deutlich stärker in die Pflicht nehmen, damit sie sich künftig auch für Beschäftigte im Homeoffice um eine gute Arbeitsplatzausstattung kümmern.

„Arbeitgeber sind für die Ausstattung des Arbeitsplatzes zuständig – egal, wo ihre Arbeitnehmer arbeiten“, sagte Karl-Josef Laumann, Chef der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), der F.A.Z. „Das gehört für mich in ein mögliches Gesetz.“ Laumann ist auch Arbeitsminister von Nordrhein-Westfalen.

Neben der Ausstattung des Arbeitsplatzes sollten Arbeitgeber aber auch für finanzielle Mehrbelastungen ihrer Beschäftigten aufkommen, findet der CDA-Vorsitzende: „Beim regelmäßigen Homeoffice werden auch Wasser, Strom und Miete ein Thema“, sagte er. Wer auf Anweisung oder mit Unterstützung des Arbeitgebers zu Hause arbeite, für den dürfe dies keine einseitige Mehrbelastung sein. „Ich bin dafür, dass diese Kosten anteilig der Arbeitgeber tragen muss“, sagte Laumann.

Gesetzentwurf in Arbeit

Mittelbar belegt sein Vorstoß, dass die politische Auseinandersetzung über entsprechende Pläne von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) auch für die schwarz-rote Bundesregierung nicht erledigt ist – trotz strikter Ablehnung durch Wirtschaftspolitiker der Union. Ebenso wie Arbeitgebervertreter sind sie gegen neue Regulierungen zu Lasten von Unternehmen. Es müsse Sache der einzelnen Beschäftigten und Betriebe bleiben, sich je nach Tätigkeit und individuellen Bedingungen auf das Homeoffice einzulassen oder nicht. Es gebe hier keinen Anlass für den Staat, „in die innersten betrieblichen Prozesse einzugreifen“, betont etwa Jana Schimke, stellvertretende Vorsitzende der CDU-Mittelstandsunion.

Wie der Bundesarbeitsminister seinen angekündigten Gesetzentwurf genau gestalten will, ist bisher noch offen. Klargestellt hat er inzwischen mehrfach, dass es ihm nicht um einen absoluten Rechtsanspruch auf Homeoffice gehe, den alle Beschäftigten (womöglich auch Bäcker und Pflegekräfte) gegen ihren Betrieb durchsetzen. Wohl aber soll es offenbar auf der einen Seite stärkere Verpflichtungen der Arbeitgeber geben, sich mit solchen Wünschen ihrer Beschäftigten auseinanderzusetzen und sie von einer begründungslosen Zurückweisung abzuhalten.

Auf der anderen Seite soll es aber auch darum gehen, Arbeitnehmer vor belastenden Begleiterscheinungen des Arbeitens zu Hause zu schützen: durch einen Rechtsrahmen für eine systematische Arbeitszeiterfassung, grundlegende Arbeitsschutzstandards und Regeln gegen eine unkontrollierte „Entgrenzung“ von Arbeit und Privatleben. Dem Vernehmen nach will Heil den Gesetzentwurf im November vorlegen.

Wie steht es um die Produktivität?

In diesem Sinne argumentiert auch Laumann: Arbeiten von zu Hause aus könne „für viele Beschäftigte eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf bringen“, betonte er. Daher dürfe es dafür „keine unnötigen Hürden“ geben. Allerdings müsse es zugleich ein „gutes und gesundes Homeoffice“ sein. „Wenn jemand in einer kleinen Wohnung am Küchentisch arbeitet, dann ist das auf Dauer kein ordentlicher Arbeitsplatz“, so der CDA-Vorsitzende.

So weit auseinander die Standpunkte in der politischen Debatte noch liegen, so unterschiedlich sind die Erfahrungen von Arbeitnehmern im Homeoffice während der Corona-Krise. Laut Umfragen der Institute Iges und Forsa im Auftrag der Krankenkasse DAK sind viele Arbeitnehmer mit der Arbeit zu Hause sehr zufrieden und berichten von einer erfreulichen Work-Life-Balance. Die Mehrheit gab an, dort produktiver oder eher produktiver zu arbeiten. Es gibt allerdings auch Befragungen, etwa von Versicherungsmitarbeitern, die ein anderes Bild zeichnen. Von ihnen sind demnach nur 30 Prozent so produktiv wie im Büro.

Relativ gut belegt ist wiederum, dass die Belastung von Erwerbstätigen mit Kindern aufgrund der geschlossenen Schulen und Kitas in der Pandemie stark gestiegen ist. In einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung berichteten Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen mussten, dass sie häufiger zu unüblichen Zeiten arbeiteten und ihre Arbeit tendenziell weniger effizient fanden. Ein weitgehend einheitliches Bild zeigt sich in verschiedenen Umfragen in einer Grundsatzfrage: Die Mehrheit der Beschäftigten will künftig weiter zumindest teilweise zu Hause arbeiten.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Beeger, Britta
Britta Beeger
Redakteurin in der Wirtschaft.
Twitter
Autorenporträt / Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Wirtschaftskorrespondent in Berlin.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot