FAZ plus ArtikelMal wieder völlig unmotiviert

So macht Ihnen die Arbeit wieder Spaß

Von Ursula Kals
04.04.2021
, 10:44
Sich mühsam an den Schreibtisch schleppen, genervt den Computer hochfahren, mit der Freudlosigkeit des Geldverdienens hadern? So muss Arbeit nicht sein, sagen Psychologen – und zeigen Auswege aus dem demotivierenden Alltag.

Kurz nachdem er auf dem Gymnasium gelandet war, konfrontiert der Zehnjährige seine erschütterten Eltern mit einer Frage: Wie lange muss ich da noch hingehen? Neue Fächer, viele Hausaufgaben, unvorstellbar für den kleinen Kicker, dass er diesen Rhythmus neun Jahre lang auf sich nehmen soll. Dieses betonschwere Gefühl kann wiederkehren: Der Kollege, der sich immer häufiger die Jahre bis zur Rente vor Augen führt. Die Kollegin, die ihrem Sabbatical nachtrauert und mit einem Leben in Wellington liebäugelt. Der späte Vater, der sich nach der Elternzeit lustlos an den Schreibtisch schleppt, obgleich er lieber Dienst am Wickeltisch schieben würde. Ihnen ist gemein, dass die Arbeit keine Freude mehr macht. Die Dresdener Psychologin Ilona Bürgel hat eine entlastende Erklärung: „Das Gefühl, ich habe keine Lust, hat weniger mit der Arbeit zu tun, sondern damit, dass wir uns kaputtmachen, mehrere Jahre über unser Limit arbeiten, nicht nein sagen können. In der Regel sind wir überengagiert.“ Sie sieht in dieser Haltung eine Reihe guter Motive mit negativen Folgen. „Wir stellen die Arbeit vor unser Wohlbefinden. Das ist auf Dauer frustrierend. Und der Preis, den wir für unser Lebenskonzept bezahlen.“

Kritisch sieht sie die Dauerberieselung der digitalen Welt. „Will ich eine Reise buchen, ploppt das neue Buch, das neue Shampoo auf, so vergeht Lebenszeit. Und da wundern wir uns, dass wir unglücklich sind, weil wir uns im Außen verheizen? Da ist kein Platz für Stille, für unsere Bedürfnisse.“

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Quelle: F.A.Z.
Ursula Kals - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Ursula Kals
Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.
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