Umstrittene Technologie

Precire findet einen Käufer

Von Nadine Bös
03.03.2021
, 15:58
Einst hatte das Unternehmen Precire für viel Aufsehen gesorgt, weil es mit Künstlicher Intelligenz Sprachanalysen von Bewerbern machte. Dann bröckelte der Ruhm. Nun hat sich ein Käufer für die Technologie gefunden.

Die 4 Technology Group, ein Zusammenschluss von Unternehmen aus den Bereichen Kommunikation und Künstliche Intelligenz, übernimmt das Aachener Start-up Precire, wie der CEO der 4 Technology Group Rainer Holler der F.A.Z. bestätigte. Nach den Angaben Hollers und des Precire-Mitgründers Christian Greb wurde die Übernahme vergangenen Freitag vollzogen. Über den Preis sei Stillschweigen vereinbart worden.

Precire hatte in der Vergangenheit in der Personalmanager-Welt für jede Menge Wirbel gesorgt. Das Unternehmen war ursprünglich mit folgendem Ansatz angetreten: Bewerber sollten mit einem Sprachcomputer über Alltägliches sprechen; im Anschluss erstellte das Unternehmen ein KI-gestütztes psychologisches Gutachten.

Unter Eignungsdiagnostikern stieß dies auf Skepsis, unter Personalmanagern begann eine Debatte über den Einsatz von KI im Bereich Human Resources. Sogar den „Big Brother Award“, einen Negativpreis für Unternehmen mit zweifelhaftem Umgang mit Daten, gewann Precire im Jahr 2019.

Später entfernte sich Precire ein Stück weit vom Thema Bewerberauswahl, fortan sollte es stärker um die digitale Unterstützung einer fruchtbaren Kommunikation gehen. Doch die Lösung im Markt zu etablieren sei langwierig gewesen, sagte der inzwischen ausgeschiedene ehemalige Precire-Chef Belker – und in Zeiten der Corona-Pandemie „schwierig“. Precire ging in die Liquidation und die Gründer Dirk Gratzel und Christian Greb nahmen das Unternehmen zurück in ihre Hände, um einen Käufer für die Technologie zu suchen.

Diese Suche ist nun geglückt. Die 4 Technology Group hat sich zum Ziel gesetzt, Unternehmen KI-gestützt dabei zu helfen, die Dialogfähigkeit ihres Kundeservices zu verbessern – beispielsweise durch automatische Anrufweiterleitungen, maschinelle Transkription von Gesprächen, Chatbots, Sprachanalyse und vielem mehr.

Die Gruppe teilte gegenüber der F.A.Z. mit, sie wolle die bestehenden Partnerschaften und Kundenbeziehungen von Precire erhalten und ausbauen. Dazu zähle „natürlich auch der Einsatz dieser Technologie im HR Bereich/Persönlichkeitstests“ und verstärkt auch für die Kommunikation im Finanzbereich. Ziel sei, den Einsatz der Technologie von Precire in diesen Segmenten intensiv voranzutreiben.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Bös, Nadine
Nadine Bös
Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot