FAZ plus ArtikelPerfektionismus im Beruf

Den inneren Kritiker besiegen

Von Christoph Schäfer
05.06.2019
, 10:39
Viele Berufstätige erledigen ihre Arbeit nicht effizient, weil sie mit sich selbst zu streng sind. Um das Problem zu lösen, machen manche Yoga – andere trinken Alkohol. Was hilft wirklich? Ein Appell.

Ein Gespräch unter Journalisten, kurz vor Feierabend. Ein Kollege stöhnt, er muss heute Abend noch 200 Zeilen zu Hause schreiben, morgen früh ist Abgabeschluss. Der Schreiber erntet ein paar Mitleidsbekundungen. „Na ja, geht schon“, sagt er. „Ich trinke ein Bierchen, dann geht es schneller.“ Der Blick einer Kollegin verändert sich, sie schaut ihn an wie einen Alkoholiker. Der Journalist verteidigt sich: „Ich bin dann doch nicht betrunken, ich denke nur halt nicht zehnmal über jede Formulierung nach – und der Text ist immer noch gut.“ Die Kollegin empfiehlt ihm Yoga, das sei gesünder.

Schwierigkeiten damit, einen Text einfach mal runterzuschreiben, hat allerdings nicht nur dieser eine Arbeitnehmer. Eine kleine Umfrage im Freundeskreis bestätigt, dass viele Berufstätige sich schwer damit tun, eine Arbeit effizient zu erledigen. Die Lehrerin grübelt ewig darüber, wie sie eine Klausurfrage formulieren muss, damit sie auch der dümmste Schüler nicht mehr missverstehen kann. Der befreundete Unternehmensberater sucht einen brillanten Abschluss für seine Präsentation, damit sie auch den mäkeligsten Vorstand überzeugt. Es ist nicht so, dass beiden nichts einfällt, ihre Ideen sind meist gut. Sie verwerfen ihre Entwürfe nur immer wieder, weil die Lösungen nicht perfekt sind.

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Christoph Schäfer
Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und Finanzen Online.
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