Bundesprogramm gefordert

Wider die dicke Luft an Schulen

01.04.2021
, 12:36
Schlechte Luft vermindere die Lerngeschwindigkeit und beschleunige die Ausbreitung von Viren, sagt eine Initiative aus Wissenschaft und Stiftungen. Ein professionelles Lüftungskonzept an Schulen rechne sich.

Vertreter aus Wissenschaft und Stiftungen haben ein Bundesprogramm für eine gute Luftqualität an Deutschlands Schulen gefordert. Schlechte Luft in Deutschlands Schulen sei ein weitverbreiteter Missstand und drossele Luftqualität und Lerngeschwindigkeit um bis zu 15 Prozent und erhöhe das Krankheitsrisiko für Lehrer und Schüler, heißt es in einer Erklärung, die am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Eine Sicherstellung guter Luftqualität würde das Risiko erheblich verringern, sich an Corona, Influenza und anderen Krankheitserregern über luftgetragene Aerosolpartikel zu infizieren. Die Krankheitstage von Schülern und Lehrern ließen sich durch eine gute Luftqualität um 30 Prozent reduzieren. Bei einer flächendeckenden bundesweiten Umsetzung professioneller maschineller Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung anstelle von Notlösungen über Fensterlüftung und den Einsatz von mobilen Luftreinigungsgeräten lägen die Gesamtkosten für die Nachrüstung bei nur einem Bruchteil dessen, was Wirtschaftsunternehmen wie TUI, Karstadt und anderen an Staatshilfen zugebilligt wurde.

Pro Kopf (Schüler/Lehrer) dürften die einmaligen Kosten bei unter 500 Euro liegen. In Skandinavien habe die Politik schon vor Jahren für eine gute Luftqualität in den Schulen gesorgt. In Deutschland sei allerdings nichts geschehen. Seit mehr als zehn Jahren fordere das Umweltbundesamt wiederholt, das Dauerproblem endlich anzugehen – mit nachhaltigen maschinellen Lüftungsanlagen in Schulen.

Das Umweltbundesamt hatte den Kultusministern allerdings geraten, dass das Stoßlüften während des Präsenzunterrichts in der Schule ähnlich effektiv sei wie mobile Luftfilter und Luftreinigungsgeräte. Zu den Unterzeichnern gehören der Vorstand der Karg-Stiftung, Ingmar Ahl, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Berlin-Institut, Hans Fleisch, der Leiter des Hermann-Rietschel-Instituts der TU Berlin, Martin Kriegel, der Direktor des New Institute in Hamburg, Wilhelm Krull, die Direktorin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin, Petra Gastmeier, und andere.

Quelle: F.A.Z./oll.
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