Studentische Planspiele

Wie im wahren Unternehmer-Leben

Von Steffen Zimmermann
18.09.2007
, 16:30
Gesucht: Eine Strategie für die Zukunft
Auf spielerische Weise das Unternehmer-Dasein üben - diese Chance nutzen 1.200 Studierende von 100 Hochschulen in einem großen Wettbewerb. Sie wollen bestes studentisches Management-Team werden.
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Wie ein Haufen geprügelter Hunde schleichen die Mitglieder der Geschäftsführung des Sportgeräteherstellers Leopoldt & Schätzle von der Bühne. Gerade haben sie voller Stolz die Bilanz des vergangenen Jahres präsentiert und einen optimistischen Ausblick in die Zukunft gegeben. Ihre versammelten Gesellschafter konnten sie damit allerdings nicht beeindrucken.

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Im Gegenteil: Das Urteil der Anteilseigner ist niederschmetternd. Das Konzept der Geschäftsführung habe nicht überzeugt, eine Strategie für die Zukunft sei nicht erkennbar und die Präsentation der Jahresbilanz sei auch nicht sonderlich überzeugend gewesen. „Ich habe das Gefühl, auf der falschen Veranstaltung zu sein“, fasst einer der Gesellschafter seine Eindrücke empört zusammen.

Wäre dies die reale Wirtschaft, die Leopoldt & Schätzle GmbH müsste sich ernsthafte Sorgen um ihre Zukunft machen. Und auch die Geschäftsführung, die das Unternehmen bei ihrer Präsentation eben noch als „Highlight im Fitness-Sektor“ gerühmt und jährliche Absatzsteigerungen von 10 Prozent versprochen hatte, wäre wohl nicht mehr lange im Dienst.

Ein großes Spiel

Aber: Im wahren Leben sind die Geschäftsführer Studenten an der WHU Vallendar und den Sportgerätehersteller Leopoldt & Schätzle gibt es auch nicht. Alles hier ist nur ein großes Spiel: Mit zwölf anderen Gruppen nehmen die Vallendarer an der Frankfurter Vorausscheidung des Unternehmensplanspiels „EXIST-priME-Cup“ teil.

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Das Planspiel wurde vor vier Jahren von Helmut Wittenzellner, Professor an der Stuttgarter Hochschule der Medien (HdM), ins Leben gerufen. Nach seinen Worten sollen die Teilnehmer dabei auf spielerische Weise an die Themen Unternehmensführung und Unternehmensgründung herangeführt werden. „Die Studenten können bei dem Planspiel das an der Hochschule erworbene Wissen ohne ernste Konsequenzen anwenden“, erklärt Wittenzellner.

Größtes Planspiel Deutschlands

Um trotzdem möglichst reale Bedingungen zu erzeugen, findet das vom Bundeswirtschaftsministerium unterstützte Planspiel als Wettbewerb statt - in diesem Jahr erstmals bundesweit. Rund 1.200 Studierende von 100 Hochschulen aus ganz Deutschland kämpfen dabei in mehreren Ausscheidungsrunden um den Titel als bestes studentisches Management- und Entrepreneurship-Team. Damit ist der Wettbewerb das größte bundesweit ausgerichtete Planspiel Deutschlands, dessen Finale im Oktober in Berlin stattfindet.

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Schon bei der zweitägigen Vorausscheidung in den Frankfurter Räumen der Deka-Bank kämpfen die konkurrierenden Teams deshalb mit allen Mitteln. Obwohl ihre Unternehmen rein fiktiv sind, die Sportgeräte nur auf dem Papier existieren und die Aktienkurse an keiner Börse notiert werden, sind die Studierenden voller Ernst bei der Sache. Angehende Betriebswirte kämpfen ebenso um die Marktführerschaft wie Ingenieure, Rechts-, Geistes- oder Naturwissenschaftler.

Zusammenhänge verstehen

Einer der Teilnehmer ist Falk Barnbeck. Der 27-jährige Student der TU Darmstadt sieht den „EXIST-priME-Cup“ als gute Gelegenheit, unternehmerische Zusammenhänge besser zu verstehen. „Man muss in ganz anderen Dimensionen denken“, betont er. Auch wenn die Wirklichkeit beim Wettbewerb nur simuliert werde, könne man vieles für die Zukunft lernen, ist er überzeugt.

Allerdings läuft es für Barnbeck und seine Kommilitonen von Anfang an nicht sonderlich gut. Schon in den ersten Spielrunden, in denen die Teilnehmer neue Produkte positionieren und für ihre Firmen neue Märkte erschließen müssen, um Marktführer zu werden und Gewinne zu machen, verlieren die Darmstädter den Anschluss an die Spitze. Am Ende - nach der abschließenden Präsentation vor den fiktiven Gesellschaftern - werden sie gar Letzte.

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Kompliziertes Planspiel

Für Barnbeck allerdings kein großes Drama - im wirklichen Leben ist der angehende Wirtschaftsingenieur nämlich längst echter Unternehmer. Seit 2000 steuert er einen Online-Versandhandel für Hawaii-Untensilien. Von Strohhüten über Blumenketten bis hin zu Echtblatt-Palmen hat er alles im Sortiment, was man für eine Tropen-Party braucht. Die Realität, sei nicht so kompliziert wie das Planspiel, sagt er. „Große Berechnungen, wie wir sie hier durchführen mussten, mache ich bei meinem Versandhandel jedenfalls nicht“. Insofern sei der Wettbewerb für ihn vor allem ein „großer Spaß“.

Und genau das soll er nach dem Willen seines Erfinders auch sein: „Wir wollen die Teilnehmer für das Unternehmerdasein begeistern“, betont Helmut Wittenzellner. Die Studenten könnten sich ausprobieren und so spielerisch die Realität kennenlernen. „Wenn die Teilnehmer hier beim Wettbewerb mit Spaß dabei sind, haben wir unser Ziel schon erreicht.“

Auch die so arg gebeutelten Vallendarer sehen die Kritik ihrer Gesellschafter schon bald nach der Präsentation positiv. Schließlich wollten sie ja auch etwas lernen, erklären die Nachwuchs-Unternehmer, die am Ende den siebten Platz erreichen.

Das Planspiel im Netz: www.primecup.de

Weitere Vorschlussrunden:

19./20. September in Rostock

1./2. Oktober in Köln

Das bundesweite Finale findet am 17./18. Oktober in Berlin statt

Quelle: F.A.Z.
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