Wegen Corona-Krise

Medizinstudenten protestieren gegen „Hammerexamen“

24.03.2020
, 17:14
Räumliche Enge soll bei Prüfungen im Medizinstudium derzeit tunlichst vermieden werden.
Nicht nur den Schülern im Abitur, auch den Medizinstudenten droht die Verschiebung einer wichtigen Prüfung. Ihr zweites Staatsexamen soll auf das nächste Jahr verlegt werden. Die Studenten wehren sich.
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In einer gemeinsamen Stellungnahme haben das Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) und der Medizinische Fakultätentag (MFT) den zuständigen Ministerien empfohlen, das für den kommenden Monat geplante zweite Staatsexamen Medizin, das sogenannte M2, auf das Jahr 2021 zu verschieben. Das Ärzteblatt hatte zuerst darüber berichtet.

In der Stellungnahme heißt es weiter, diese Entscheidung solle ermöglichen, „die bereits zum M2 zugelassenen Studierenden direkt in das Praktische Jahr (PJ) eintreten zu lassen“. Dies sei auch im Sinne der Studenten, damit deren Studium nicht verlängert werde, „aber auch, damit diese direkt und geordnet im Versorgungsprozess in der momentanen Notlage unterstützen können“.

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Die Studenten müssten dieser Empfehlung zufolge nach dem Praktischen Jahr also gleich zwei Prüfungen ablegen: das M2 sowie die praktische Prüfung M3, so wie es in der Vergangenheit schon einmal üblich war. Dieses „Hammerexamen“ aber lehnt die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) entschieden ab.

Studenten fordern Planungssicherheit

Stattdessen fordert die bvmd, die in einer Stellungnahme darauf hinweist, dass zahlreiche Studenten sich bereits als freiwillige Helfer in der Corona-Krise gemeldet hätten, dass das M2 „entsprechend aktueller internationaler Beispiele erlassen werden“ solle. Insgesamt sei es fraglich, „warum man zukünftigen Ärzt_innen zusätzlich zu den erwartbaren psychischen Belastungen während der COVID19-Pandemie die immense psychische Belastung eines solchen kombinierten M2 und M3 zumuten sollte.“

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Die Direktorin des IMPP, Jana Jünger, und der Präsident des Medizinische Fakultätentags, Matthias Frosch, reagieren in der oben zitierten Stellungnahme auf die erhobenen Einwände. Die Empfehlung sei „nach sorgfältiger Abwägung einer ganzen Reihe von Optionen“ erfolgt. Oberstes Ziel sei es, die Prüflinge und Prüfer in der aktuellen Situation zu schützen und trotzdem ein faires Examen zu ermöglichen. Unter den derzeitigen Umständen sei es notwendig, so Jünger gegenüber dem Ärzteblatt, etwa 4600 Studenten auf 89 Prüfungssäle zu verteilen, in 35 Sälen würden sich dabei mehr als 50 Personen befinden müssen.

Die zuständigen Ministerien sollen jetzt in enger Abstimmung zwischen Bund, Ländern und Landesprüfungsämtern eine Lösung entwickeln. Jünger und Frosch werben für „Solidarität“: „Wir wissen, dass sich gerade viele Studierende gewissenhaft auf ihre Prüfung vorbereiten. Wir haben auch deshalb diese Empfehlung so früh wie möglich ausgesprochen, um den Prozess der Lösungsfindung zu unterstützen. Wir verstehen die Sorgen und Ängste der Studierenden. Allerdings erfordern besondere Zeiten auch besondere Maßnahmen zum Schutz aller Beteiligten. Die aktuelle Situation ist so noch nie dagewesen.“

Der bvmd hingegen fordert Hochschulen, zuständige Behörden und Politik dazu auf, „schnellstmöglich kulante Konzepte zu entwickeln und konkrete Informationen unverzüglich zu kommunizieren“. Die Studenten benötigten jetzt Planungssicherheit.

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Unterdessen hat der Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz, Ulrich Radtke, erklärt, dass die aktuelle Situation Prüflingen nicht zum Nachteil gereichen dürfe: „Ein Nachteilsausgleich, etwa durch Nicht-Anrechnung des Semesters auf die Regelstudienzeit oder durch die Verschiebung von Prüfungszeitpunkten, ist für alle Studierenden, besonders aber für sozial schwächere oder durch Pflege und Erziehung gebundene Studierende überaus wichtig.“ Explizit erwähnt Radtke die Medizinstudenten, „die jetzt die Kliniken unterstützen“. Die Diskussion über die Folgen der Corona-Krise auf die deutschen Studenten scheint gerade in eine ernste Phase überzugehen.

Quelle: FAZ.NET/uweb.
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