FAZ plus ArtikelDepressionen bei Studierenden

Wenn Corona auf die Seele drückt

Von Celine Schäfer
11.01.2021
, 14:50
Die Pandemie hat das Leben von Studierenden radikal verändert – und psychische Probleme verstärkt. Durch wegfallende Alltagsstrukturen verfallen viele in Depressionen. Hilfe gibt es auch per Videokonferenz.

Keine Vorlesungen, kein Geld, keine Partys: Als die Ruhr-Universität Bochum (RUB) im März dieses Jahres wegen Covid-19 schließen musste, kehrte im Büro von Ranja Kaiser zunächst die Ruhe vor dem Sturm ein: Kein Telefon klingelte, kein Studierender wartete auf seinen Termin, es trudelten kaum Mails ein. Kaiser und ihrem Team verschafften diese Tage Zeit – Zeit, um sich für eine turbulente Phase zu wappnen. Sie ist nämlich die Leiterin der Psychologischen Studienberatung an der RUB. Normalerweise kommen Studierende in ihr Büro in der Uni, erzählen von ihren Problemen und werden dann entweder einige Sitzungen lang von Kaiser und ihrem Team beraten oder an einen ambulanten Psychotherapeuten weitergeleitet. Doch wegen Corona läuft auch in der Beratungsstelle einiges anders – die persönlichen Sitzungen sind fürs Erste auf Eis gelegt.

„Wir haben im März sofort von persönlichen Beratungsgesprächen auf Video- und Telefonsprechstunden umgestellt“, erzählt Kaiser. Sie habe zunächst gezweifelt, ob die Studierenden das digitale Angebot überhaupt nutzen würden. Schließlich befinden sich die meisten, die zu den Psychotherapeuten der Beratungsstelle kommen, ohnehin schon in einer schwierigen Situation. Und ein Telefonat ist eben oft nicht dasselbe wie ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht. „Aber nach ein paar Tagen kamen die ersten Anrufe. Dann wurden es schnell immer mehr“, sagt Kaiser. Besonders häufig sprachen die Hochschulseelsorger mit den Studierenden über depressive Verstimmungen oder Ängste. Schon nach kurzer Zeit zeigte sich: „Die meisten Studierenden können sich auch am Telefon oder im Videochat gut öffnen und eine Beratungsbeziehung mit uns aufbauen“, so Kaiser.

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